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Prignitz Stefan Schulz erhält 12. Putlitzer Preis
Lokales Prignitz Stefan Schulz erhält 12. Putlitzer Preis
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00:17 15.06.2016
Stefan Schulz bekommt die begehrte Gans aus den Händen von Cordula Hamann. Quelle: Beate Vogel
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Putlitz

Vielleicht war die eine oder andere Geschichte der Jury zu schräg, zu makaber. Vielleicht hatte Schirmherr Gebhard zu Putlitz ja Recht, als er nach der Verleihung des Putlitzer Preises 2016 am Sonnabend sagte: „Manchmal weiß man nicht so recht, warum der eine den ersten Preis erhalten hat und der andere nicht.“ Vielleicht sind die Geschmäcker einfach verschieden – und darüber lässt sich nun mal nicht streiten. Gut geschrieben, pointiert und witzig waren alle sechs Kurzgeschichten, die an diesem Abend in der Putlitzer Kirche vorgetragen wurden.

Den Putlitzer Preis 2016 – und damit die begehrte Gans – erhielt der Autor Stefan Schulz für seine Geschichte „Burka“. Flüchtling Navid beobachtet darin befremdet einen nackten Mann, der vor dem Ehemann seiner Geliebten fliehen muss. Auch ein Flüchtling also. Navid hilft dem Ehebrecher, sich mit einer Burka zu verhüllen. Kulturen prallen aufeinander.

336 Einsendungen beim diesjährigen Wettbewerb

„Störung“ hieß das Thema des diesjährigen Wettbewerbs. 336 Einsender hatten sich am Wettbewerb um den inzwischen 12. Putlitzer Preis beteiligt, berichtete Moderator Dieter Neumann, der durch die gut zweistündige, aber nie langweilige Veranstaltung führte. „Es sollten ausschließlich humoristische Kurzgeschichten sein.“ Die zwei, drei ernsten Einsendungen habe man gleich wieder zurückgeschickt. 30 Geschichten kamen in die engere Auswahl. Unter denen wiederum wählte die Hauptjury die aus ihrer Sicht besten sechs aus.

Die 15-jährige Johanna Wiegand begleitet die Preisverleihung musikalisch. Quelle: Beate Vogel

Musikalisch begleitet wurde der Abend von der 15-jährigen Johanna Wiegand aus dem Pritz­walker Johann-Wolfgang-von-Goethe-Gymnasium. Obwohl diesmal bis auf einen alle sechs Autoren erschienen waren, die es in die Vorauswahl der Jury geschafft hatten, wurden ihre Geschichten von fünf Schülerinnen und einem Schüler des­ ­Pritzwalker Goethe-Gymnasiums gelesen. Und zwar sehr gekonnt.

Die besten sechs Geschichten

Platz 1 belegte Stefan Schulz mit seiner Kurzgeschichte „Burka“. Er wurde 1970 in Jena geboren und lebt im Ruhrgebiet. Schulz schreibt für Zeitungen und im Web, stellt gerade seinen ersten Roman fertig. Platz 2 belegte H.P Karr mit „Der Feierabendterrorist“. Er schreibt vor allem Krimis. Seine Kriminalhörspiele sendet die ARD. 1996 bekam er für „Rattensommer“ den Friedrich-Glauser-Preis, einer der wichtigsten Krimipreise. Platz 3 errang Mortimer M. Müller aus Wien mit „Funkloch“.

Platz 4 bekam Sigrid Herrmann für „Vernissage“, Platz 5 belegte Sabine Bartsch mit „Es klingelt“ und Platz 6 Johannes Wilkes für „Wenn Sie Ihre eigene Beerdigung stören müssen“.

Benjamin Rohde etwa gelang es, Mortimer Müllers ohnehin temporeiche Geschichte „Funkloch“ (Platz 3) mittels verschiedener Akzente und Dialekte zu verfeinern. Das kurze Stück besteht fast nur aus sich überschlagenden Dialogen, die rasant wiedergeben, was zwischen Großhirn, Hypothalamus und Nebenniere abläuft, wenn ein schüchterner jungen Mann von einer aufregenden, schönen jungen Frau angebaggert wird. Reizüberflutung, „Fünklosch“ eben.

Residenzstipendium geht an Tobias Schwarz

Cordula Hamann, die neue Vorsitzende des Vereins der 42er Autoren, hielt im Namen des abwesenden Tom Liehr vom Vereinsvorstand die Laudatio für den diesjährigen Gewinner des Residenzstipendiums: Tobias Schwarz, der eine Leseprobe seines künftigen Romans eingereicht hatte, darf 42 Tage lang bei Putlitz, genauer in Mansfeld, in der Idylle der Prignitz an seinem Werk schreiben. Schwarz schreibt für Tageszeitungen und hat bereits Romane veröffentlicht. Seine Theaterstücke wurden bereits an vielen Berliner Bühnenaufgeführt. Gefördert wird das Stipendium von der Dr.-Wolfgang-Neubert-Stiftung.

Lara Garbe vom Goethe-Gymnasium Pritzwalk liest aus „Wenn Sie Ihre eigene Beerdigung stören müssen“ von Johannes Wilkes. Quelle: Beate Vogel

Der Putlitzer Preis, der vom Verein der 42er Autoren erstmals 2005 verliehen wurde, gewann im Laufe der Jahre an Bedeutung – nicht zuletzt wegen seiner Alleinstellungsmerkmale. Immerhin werden die Wettbewerbsteilnehmer am Tage der Preisverleihung vom Putlitzer Fanfarenzug feierlich vor der Kirche begrüßt. „Mehr und mehr versuchen sich auch renommierte Autoren an diesem Preis“, meinte Moderator Dieter Neumann. „Ich glaube, die wollen alle nur diese Gänse haben.“ Und welcher Autor möchte nicht gern einen Putlitzer Preis erlangen, den nur ein kleiner Buchstabe vom weltberühmten und von allen Schreibern begehrten Pulitzer Preis trennt? Während in den ersten Jahren nur wenige Bewerber den Weg in die Prignitzer Kleinstadt fanden, kommen immer mehr zur Preisverleihung.

Die Wettbewerbsteilnehmer lasen am bereits Freitag in der Pfarrscheune aus ihren Werken. Mortimer Müller, der den dritten Platz belegte, war am Samstagmorgen sogar eigens aus Wien angereist, um am Abend in der Putlitzer Kirche sein zu können. Nach der Preisverleihung lockten wie jedes Jahr Spargelsuppe und Schmalzbrote in den Garten der Pfarrscheune.

Von Beate Vogel

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