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Prignitz Storchenfest mit Überraschungen
Lokales Prignitz Storchenfest mit Überraschungen
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00:19 01.08.2018
Fachleute unter sich: Der Prignitzer Falk Schulz und Andreas Baumgärtel aus Ratibor bei Bautzen beim Beringen zweier Störche, die sich die Prozedur gefallen ließen – die Vögel sind schließlich aus Plastik. Quelle: Kerstin Beck
Rühstädt

Nun ist es heute, am Samstag, endlich da, das Rühstädter Storchenfest. Zwei Schwestern aus Wittenberge, die alljährlich mitgefeiert haben, sitzen vor der Rühstädter Kirche und resümieren: „In diesem Jahr wird nicht viel los sein – bei der Hitze! Früher kamen ja auch noch Prominente hierher und haben gesungen, und das ging dann sogar zwei Tage hindurch.“ Und zuletzt heißt es dann: „Viel wichtiger als das Storchenfest ist, dass die Störche durchkommen!“

Rühstädt feierte seine Störche. In diesem Jahr sind in dem Dorf 30 Horste besetzt, 34 Jungstörche wurden beringt. Am Sonnabend war Storchenfest.

Im Gotteshaus ist es angenehm kühl und hier eröffnet Pfarrer Norbert Merten den Tag: „Wir feiern wieder Storchenfest, und es ist gut, dass wir es können. Denn die Tiere stehen jedes Jahr vor neuen Herausforderungen.“ Dann, schließlich, wünscht der Pfarrer den Anwesenden „viel Freude am Fest und an der Musik, die wir jetzt erst einmal hören“.

Diese wird dargebracht von Johannes Wauer, Kreiskantor im Ruhestand, der heute erst das zweite Mal mit dabei ist, und Weisen von Johann Pachelbel, Max Drischner, Georg Böhm und Felix Mendelssohn-Bartholdy erklingen lässt – und damit zeigt, was das Instrument so alles „draufhat“.

Der Amtsdirektor dankt dem Storchenclub

Und dann kommen doch noch Prominente – lokaler Art, wie sich herausstellt: Der erste ist Torsten Jacob, Direktor des Amtes Bad Wilsnack-Weisen, der ein Grußwort ausspricht und vor allem sich bedankt: „Allen, die hier mitgewirkt haben wie die Gemeinde, der Storchenclub und die Feuerwehr, und denjenigen, die mitgebacken und gebrutzelt haben, ein riesengroßes Dankeschön.“

Danach kommt Sebastian Steineke zu Wort. Der Neuruppiner CDU-Bundestagsabgeordnete macht es kurz und bündig: „Das Storchenfest ist die beste Werbung für diese Region – sodass auch viele Berliner hierher kommen werden.“

Jagdsignale gespielt

Dazu intonieren dann die Westprignitzer Jagdhornbläser Jagdsignale passender Art. Den Zuhörern, die sich der Hitze wegen überwiegend unter das große schattige Festzelt zurückgezogen haben, werden „Sammeln und Begrüßen“, ein „Treibermarsch“ – als „Dank und Anerkennung an die vielen Treiber, die uns das Wild vor die Büchsen jagen“ – und zuletzt ein „Auf Wiedersehen“ zu Gehör gebracht.

So richtig angenehm-schattig ist es eigentlich nur vor dem kleinen Gebäude des Storchenclubs. Und dort treffen sich dann zufällig auch noch zwei Fachleute, die bisher voneinander lediglich „gehört“ oder „gelesen“ haben: Der eine ist sowieso hier, weil er insgesamt vier Storchenführungen macht – Vogelexperte und Naturschutzbund-Vogelberinger Falk Schulz aus Cumlosen.

400 Kilometer zum Storchenfest gefahren

Der andere – Andreas Baumgärtel aus Ratibor – ist extra 400 Kilometer zum Storchenfest gefahren, nur um Vögel zu sehen, die er „bei sich“ genauso gut kennt: Der 65-jährige Hobby-Ornithologe beringt alljährlich die Störche im Bautzener Umland. Sofort sind die beiden Vogelkenner in einem angeregten Gespräch und fachsimpeln um die Wette.

„Ich habe in diesem Jahr 200 Jungstörche beringt“, erzählt der Prignitzer. „Und ich bin an einem einzigen Tag mit der Hebebühne an 15 Nester mit insgesamt 41 Jungtieren rangekommen!“ entgegnet der Ostsachse, der seine diesjährige Leistung zudem auf sorbisch, „denn bei uns wird halt überall sorbisch gesprochen“, präsentiert.

Storch auf dem Wasserturm fotografiert

Und dann gibt es sogar noch ein kurzes gemeinschaftliches Projekt, das ebenso zufällig wie überraschend zustande kommt. Denn der Sachse hat exakt um 12.45 Uhr im Nest auf dem Rühstädter Wasserturm einen Altstorch fotografiert. Aber nicht nur das: Sogar die Nummer seines Ringes kann entziffert werdent: DERAF064.

Falk Schulz hat sofort seinen großen Ordner parat. „Hier ist die Nummer. Ja, dieser Storch ist 2012 im baden-württembergischen Salem geboren und beringt worden. Und nachdem er geschlechtsreif geworden war, hat er sich sofort auf die Reise gemacht und ist hier nach Rühstädt gekommen.“

Plastikstorch beringt

Beide Storchenexperten sind hochzufrieden mit ihrem gemeinschaftlichen Ergebnis und nun werden gemeinsam auch noch zwei weitere Störche beringt. Diese lassen sich die Prozedur gern gefallen, denn sie sind schließlich aus Plastik.

Und dann geht es auch in Rühstädts Umgebung – mit einer Bustour in die Region, die sich bei normaler Witterung eher als „gedeckter Tisch“ für die Großvögel zeigt. „Organisiert hat das der Storchenclub und wir haben die Tour finanziert“, erklärt dazu Heike Ellner, Chefin der Biosphärenreservatsverwaltung. „Dirk Glaeser, der Geschäftsführer der AFG, sorgt dafür, dass in der Region Bälow, Groß Lüben, Abbendorf und Gnevsdorf die Wiesen zeitversetzt gemäht werden. Das ist für den Agrarbetrieb ein großer Aufwand, aber damit wird gewährleistet, dass die Störche immer Futter finden können. Und das verdient in meinen Augen eine große Hochachtung.“

Aber es müssen nicht immer Vögel sein. Auf der Dorfstraße gibt es einen kleinen Auflauf. Martina Grade, ansonsten Mitarbeiterin in besagter Verwaltung, führt ihren Esel durch den Ort. Mit dabei ist ein Haufen Kinder, der dem Grautier Gesellschaft leistet – bei der Hitze.

Von Kerstin Beck

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