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Storchenschnabel von Windrad abgeschlagen

Keine Hoffnung für den Storch Storchenschnabel von Windrad abgeschlagen

Immer wieder werden in die Tierauffangstation in Struck Vögel gebracht, die von den Rotorblättern eines Windrades verletzt worden sind. Am Freitag war es ein Storch, dem aber nicht mehr geholfen werden konnte – so schlimm waren seine Verletzungen.

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Schockierend: Der vom Windrad schwer verletzte Storch.

Quelle: privat

Struck. Angie und Uwe Löblich von der Wildtierauffangstation in Struck (Amt Meyenburg) sind einiges gewohnt. Aber der Anblick eines Storchs, der am Freitag zu ihnen gebracht wurde, machte selbst sie sprachlos: „Mit Entsetzen mussten wir feststellen, dass dem Weißstorch fast die Hälfte seines Schnabels fehlte, wahrscheinlich abgetrennt durch das nahestehende Windrad.“ Auch die linke Handschwinge war nicht mehr da. „Der Schnabel sowie die Handschwinge waren so sauber abgetrennt, dass es keinen Zweifel daran gibt, dass er ins Windrad geflogen sein muss“, ist sich Angie Löblich sicher. Der Storch war zuvor am Straßenrad in Höhe der Einfahrt zu den Gerdshagener Windrädern gefunden worden.

Windkraft und Vogelschutz

Detaillierte Untersuchungen zum Thema gibt es kaum, die Fälle sind, wie im Text beschrieben, nur schwer zu erfassen. Nicht jeder ist zudem so dezidiert wie die Löblichs der Meinung, dass Windräder eine ernste Gefahr für die Tierwelt darstellen. Beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu) zum Beispiel leugnet man das Problem nicht, insbesondere für Rast- und Zugvögel, hält es aber für weit kleiner als etwa die Gefahren durch Autoverkehr. Der Nabu hält an der Windkraft fest und glaubt, das Problem planerisch lösen zu können (siehe www.nabu.de).

Viele Kommunen lassen mittlerweile ornithologische Gutachten vor dem Bau von Windparks erstellen, etwa die Gemeinde Heiligengrabe in Sachen des umstrittenen Windeignungsgebiets Hohe Heide.

Obwohl die Löblichs sofort alle Hebel in Bewegung setzten und sich in der Pritzwalker Tierklinik anmeldeten, konnte dem bedauernswerten Tier dort nicht mehr geholfen werden. Man habe den Storch nur noch von seinem Leiden erlösen können, da die Verletzungen so schwerwiegend waren. „Mit einem fehlenden Teil vom Flügel hätte er als Dauerpflegling in der Wildtierauffangstation bleiben können, aber einen so zerstörten Schnabel kann man eben nicht wieder flicken“, so Angie Löblich.

Vermutlich handelt es sich um einen Altvogel, der mit seinen Jungen unterwegs war – diese wurden unweit des Gerdshagener Storchenhorstes auf einem Feld gesichtet. So schlimm der Fall ist – für die Löblichs ist der Befund nicht neu: „Dass Windräder für viele Vögel, eine Gefahr sind, mussten wir in der Vergangenheit schon oft erleben.“ So hatten sie vor ein paar Jahren einen Kranich, dem ein Teil der Schädelplatte durch ein Windrad entfernt wurde. In diesem Jahr kamen mehrere Vögel in die Station, die entweder kurz nach ihrer Ankunft verstorben sind oder eingeschläfert werden mussten, darunter seltene oder geschützte Vögel wie Wespenbussard, Habicht und Rotmilan. Die Tierschützer ärgern sich deswegen darüber, dass die Gefahr kleingeredet werde. „Wie viele Vögel müssen denn noch sterben, nur damit sinnlos weiterhin Windräder aufgestellt werden?“, fragt Angie Löblich. Selbst bei geringer Windgeschwindigkeit sei die Kraft der Rotorblätter immens, auch wenn ihre Bewegung schwerfällig erscheine. Im übrigen können Vögel auch dann zu Schaden kommen, wenn sie gar nicht von den Rotorblättern erwischt werden – der von ihnen ausgehende Druck kann bei Vögeln auch zu einem sogenannten Barotrauma führen. Die Löblichs wissen von Fällen, in denen Vögeln deswegen die Lungenbläschen geplatzt sind.

Wie viele Vögel wirklich bei solchen Unfällen zu Schaden kommen, lässt sich aber nur schwer sagen. „Meistens verenden sie unter den Windrädern, und nachts kommt dann das Raubwild.“ Zudem fallen vom Windrad getroffene Vögel nicht unbedingt auf der Stelle herunter, sondern bekommen noch ein Schwung, der sie noch 100 bis 150 Meter weitertragen kann. Werden die Tiere dann doch gefunden, ist ihnen oft nicht mehr zu helfen. Im vorliegenden Fall hat es der Storch immerhin noch mit letzter Kraft bis zur Straße geschafft. Angie Löblich fürchtet jetzt schon um weitere Fälle, wenn Felder unter Windrädern abgeerntet sind und Vögel sich dort auf Futtersuche begeben.

Da ist es schon ein Grund zur Freude, wenn es auch gute Nachrichten gibt: Ein Rotmilan, der in Lenzen in ein Windrad gekommen und das mit einem doppeltem Flügelbruch überlebt hatte, kann in etwa 14 Tagen nach fast viermonatiger Pflege die Wildtierauffangstation wieder verlassen.

Von Bernd Atzenroth

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