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Prignitz Suche nach dem Pritzwalker Kriegerdenkmal
Lokales Prignitz Suche nach dem Pritzwalker Kriegerdenkmal
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02:17 24.07.2015
Das Denkmal für die Pritzwalker Gefallenen des Kriegs von 1870/71. Im Hintergrund der Markt. Quelle: Museum
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Pritzwalk

Der Obelisk war filigran gearbeitet und bestand aus leuchtend hellem Sandstein. Ob weiß oder gelblich lässt sich heute nicht mehr sagen. Denn es existieren nur noch Schwarz-Weiß-Aufnahmen des Kriegerdenkmals an der Südseite der Sankt-Nikolai-Kirche in Pritzwalk. Es erinnerte an die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71. Da, wo es sich einst befunden hat, ist heute nur noch ein Schotterbett. Lediglich ein großer etwas hellerer Stein könnte zum Denkmal gehört haben. Die Bilder vom Ensemble aus dem 19. Jahrhundert vermitteln einen noblen Eindruck. „Ich bin im Internet auf diese Aufnahme gestoßen und war völlig verblüfft“, sagt Peter Burmeister. Er ist alter Pritzwalker, der mittlerweile in Unterhaching lebt. Das Bild von dem ihm völlig unbekannten Denkmal hat ihn so beeindruckt, dass er es „gern wieder zum Leben erwecken würde.“

Enthüllt wurde das Denkmal am 2. September 1873. Es gab einen Festakt, dessen Ablaufplan wie folgt überschrieben war: „Fest-Programm für die Feier der Enthüllung des in den letzten Kriegen gefallenen Söhnen der Stadt gesetzten Denksteins“. Die „am Feste theilnehmenden Vereine, Gewerke etc.“ trafen sich in ihren Lokalen, und zogen „nach dem Marktplatze“. Gemeinsam mit den Honoratioren und geladenen Gästen ging es zum Kirchplatz, wo nach gemeinsamem Gesang das Denkmal enthüllt wurde. „Herr Prediger Spieß“ hielt die Weiherede.

Da, wo heute ein weißer Fleck ist, stand früher mal der Obelist. Quelle: Andreas König

Immerhin war die kunsthandwerkliche Arbeit des leider namentlich nicht bekannten Steinmetzen so gut, dass Fotografien in Baudenkmalbüchern gezeigt wurden. Auch als beliebtes Postkartenmotiv wurde es verwendet. Aber wann ist es verschwunden?

Auf eine Frage von Peter Burmeister erhielt dieser vom Sachbereich Denkmalschutz beim Landkreis Prignitz die Antwort, es habe zu „DDR-Zeiten eine Art Beschluss“ gegeben, „Kriegerdenkmaltafeln/Gedenkstätten aus den vergangenen Epochen 1831, 1864, 1870 aus den Kirchen zu entfernen“. Das mag sicher zutreffen, aber Museumsmitarbeiterin Eva Schnürle hat diesbezüglich so ihre Zweifel: „Das Kriegerdenkmal ist nach verschiedenen Berichten von Zeitzeugen noch vor 1945 abgebaut worden. Warum, weiß ich nicht. Ein Bürger hat mal erzählt, es sei aus Angst vor den Russen demontiert worden, aber das ist nicht belegt“.

Fakt ist, dass auf Ansichtskarten aus den 1950er, 60er Jahren das Denkmal nicht mehr zu sehen ist. Wie auch immer, von dem Denkmal fehlt bisher jede Spur. Der Pritz­walker Pfarrer Volker Sparre hat noch nie etwas davon gehört, und im Besitz der Kirchengemeinde befinden sich zumindest auf den ersten Blick keine Dokumente, die etwas darüber aussagen.

Eine Aufnahme aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Quelle: Stadtmuseum

Der 94-jährige Helmut Kuhnt aus Pritzwalk lebte zwar früher in Kemnitz, „aber an das Denkmal kann ich mich noch erinnern“, sagt er der MAZ. „Ich bin davon überzeugt, dass es, wie viele andere Bauwerke in Pritzwalk durch die Explosionskatastrophe zerstört worden ist“, sagt er. Zur Zeit der Katastrophe habe er sich in Kemnitz aufgehalten. „Die Feuerbälle haben wir am Himmel gesehen und die Druckwelle hat Fensterscheiben auch in Kemnitz zerstört“, erinnert sich Helmut Kuhnt. Später habe man kein Interesse daran gehabt, das Denkmal wieder aufzubauen. „Das war ja alles als militaristisch verpönt verrufen. Das hätte ja nicht in die öffentliche Meinung gepasst.“ Im Übrigen sei er mit der jetzigen Gestaltung des Marktes sehr zufrieden. „Das andere ist sehr lange her. Es ist schade um das Denkmal, das stimmt, aber so ist eben der Krieg.“

Die Zerstörung durch die Explosionskatastrophe wäre eine Erklärung für das Verschwinden des Denkmals. Peter Burmeister ist dennoch an der Geschichte interessiert: Wer etwas zum Denkmal und zum Verbleib sagen kann, möchte sich bitte an die Redaktion wenden,  03395/76 21 14.

Von Andreas König

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