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Prignitz Tempo 30: Vor allem Mütter rasen
Lokales Prignitz Tempo 30: Vor allem Mütter rasen
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14:52 08.09.2017
Ups, zu schnell: Viele Autofahrer übersehen das Tempo-30-Schild ein paar Meter vor dem Schulgelände. Die Tafel soll helfen. Quelle: Beate Vogel
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Putlitz

Vorschriftsmäßig fährt sich der Bau- und Ordnungsamtsleiter von Putlitz-Berge, Peter Jonel, auf der Parchimer Chaussee am Gelände der Grundschule Putlitz vorbei. „Sie fahren 27 km/h“ zeigt die kleine Tafel, die in Höhe des Parkplatzes steht, in freundlichem Grün. „Wenn Sie zu schnell, also über 30 km/h fahren, blinkt die Anzeige Rot“, erklärt Jonel. Das dauert nicht lange – leider. Erst fährt ein Laster mit 38 Stundenkilometern vorbei, dann folgt ein Audi mit 50 Sachen. Seit dem ersten Schultag am Dienstag steht die neue elektronische Tafel vor der Ganztagsschule.

„Wir haben das Gerät jetzt ganz neu angeschafft“, so der Ordnungsamtsleiter. Es soll im gesamten Amtsbereich eingesetzt werden, die Autofahrer aufmerksam machen und so die Kinder schützen. Dass das dringend nötig ist, zeigt die erste Einsatzwoche der Tafel vor der Kita Villa Kunterbunt in Triglitz.

Ernüchternd bis erschreckend

Jonel hatte das Gerät dort am 28. August aufstellen lassen. Bis zum 3. September blinkte es an der dortigen Landesstraße 111 regelmäßig die Autofahrer an, je nachdem, wie schnell sie fuhren. „Das Gerät ruft nicht nur eine direkte Reaktion beim Verkehrsteilnehmer hervor, sondern zeichnet auch die Fallzahlen auf – anonym, versteht sich. Das Ergebnis: ernüchternd bis erschreckend. Dabei hat der Bundestag im März dieses Jahres einer Änderung des Verkehrsrechts zugestimmt, wonach grundsätzlich vor Kitas und Schulen Tempo 30 gilt.

12 461 Fahrzeuge passierten in den sechs Tagen die Messstelle in Triglitz. Von ihnen hielten sich ganze 1925 an das Tempolimit im Bereich vor der Kita, obwohl ein entsprechendes Verkehrszeichen darauf hinweist. 3834 Fahrer fuhren immerhin noch unter 50 Stundenkilometern. Der ganze Rest – 6690 Fahrzeugführer – war mit mehr als 50 Sachen vor der Kita unterwegs, ärgert sich der Ordnungsamtsleiter. „Ich hätte nie gedacht, dass die Leute vor der Kita in Triglitz noch 70 fahren“, staunt Jonel. Einige von ihnen (502 ) fuhren sogar schneller als 75 km/h, 118 schneller als 85 – innerorts wohl gemerkt. Spitzenreiter waren drei Autofahrer, die mit über 110 Sachen durch das kleine Straßendorf preschten.

Tempolimit mit leichten Einschränkungen

Im März dieses Jahres hat der Bundesrat einer Verwaltungsvorschrift zugestimmt, die zahlreiche Vorgaben für die Straßenverkehrsbehörden enthält – unter anderem auch zur Anordnung von Tempo 30 vor sozialen Einrichtungen.

In Deutschland soll demnach grundsätzlich Tempo 30 vor sozialen Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern, Seniorenheimen gelten, soweit diese über einen direkten Zugang zur Straße verfügen.

Die Straßenverkehrsbehörden können im Einzelfall auf das Tempolimit verzichten, wenn etwa negative Auswirkungen auf den ÖPNV zu befürchten sind oder sich der Verkehr auf Wohnnebenstraßen zu verlagern droht.

Selbst wenn die Eltern ihre Sprösslinge morgens zur Schule bringen, halten sich nicht alle an das Tempolimit, weiß Jonel. „Vor allem Mütter rasen, ob nun mit Kind im Auto oder nachdem sie es an der Schule abgesetzt haben.“ Der Ordnungsamtsleiter sieht hier immensen Handlungsbedarf. Nicht zuletzt deshalb wurde das 3000 Euro teure Gerät gekauft.

Argumentationshilfe für Tempolimits

Er erhofft sich nun zum einen erzieherische Effekte durch die blinkende Anzeige. „Außerdem geben uns als Amt die Zahlen eine Argumentationshilfe in die Hand, wenn es um die Einrichtung von Tempolimits auch in anderen Bereichen geht.“ Das war bisher gar nicht so einfach – auch vor Schulen und Kitas, wo reger Hol- und Bringverkehr herrscht. Die Meyenburger haben es dank jahrelanger Hartnäckigkeit nun endlich geschafft, wenigstens für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen ein Tempolimit im Stadtgebiet zu erreichen. „Ohne Zahlen bekommt man keine Zone 30“, weiß Jonel aus eigener Erfahrung. Vor allem, wenn es sich bei der betreffenden Straße um eine Bundes- oder Landesstraße von übergeordneter Bedeutung handelt wie die L 111 in Triglitz.

In der kommenden Woche soll das Messgerät mit der blinkenden Geschwindigkeitsanzeige vor der Schule in Berge aufgestellt werden, dann reihum durch das Amtsgebiet gehen. Die beiden Putlitzer Kitas werden wohl ganz zum Schluss an der Reihe sein: Sie haben das Glück und stehen in der Straße am Kiebitzberg an einer Nebenstraße, in der Rasen schon wegen der beengten Verkehrslage kaum möglich ist.

Von Beate Vogel

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