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Texte aus verbrannten Bücher

Perleberg Texte aus verbrannten Bücher

An Schriftsteller, deren Bücher 1933 von den Nationalsozialisten öffentlich verbrannt wurden und die im Zuge der Aktion auf dem Index landeten, ist am Mittwoch in einer Lesung in Perleberg erinnert worden. Unter den Vortragenden waren auch zwei Schüler des Gottfried-Arnold-Gymnasiums.

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Hartmut Schneider vom Perleberger Bürgerverein las aus einem lehrreichen Buch für Kinderhand geschrieben.

Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Perleberg. Am Mittwochabend waren alle Bürger in den Perleberger Trausaal eingeladen, Bücher und Autoren der einstigen nationalsozialistischen Ächtung zu entreißen. Anlass war die bundesweite Aktion „Bücher aus dem Feuer“, an der die Stadt Perleberg seit vielen Jahren teilnimmt. In ganz Deutschland werden bei diesen Veranstaltungen Texte aus den damals verbrannten Büchern vorgestellt und vorgelesen.

Daniel Pöhl

Daniel Pöhl

Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Am 10. Mai und 21. Juni 1933 fanden in Deutschland öffentliche Bücherverbrennungen statt. Sie waren Teil einer von der Deutschen Studentenschaft – geführt vom NS-Studentenbund – inszenierten Aktion. Studenten, Professoren und Mitglieder nationalsozialistischer Parteiorgane warfen die Werke von ihnen verfemter Autoren ins Feuer. Die Grundlage dafür bildeten „schwarze Listen“, die bereits Ende März 1933 von dem Bibliothekar Wolfgang Herrmann zusammengestellt wurden. Ziel war es eine „Säuberung“ in Universitäts- und Institutsbibliotheken, Leihbüchereien, Buchhandlungen, Stadt- und Volksbüchereien entsprechend der nationalsozialistischen Ideologie durchzusetzen. Eine lange Namensliste der Schriftstellerinnen und Schriftsteller prägt die Schandtat. Unzählige Intellektuelle, Künstlerinnen und Künstler wurden ihrer Heimat und Arbeit beraubt, viele wurden ermordet oder in den Tod getrieben.

Kooperation zwischen Stadt und Gymnasium

„Der 10. Mai 1933 ist ein Datum, das nicht in Vergessenheit geraten darf. So haben wir in diesem Jahr wieder acht Vorleser gewinnen können, die ein Buch aus dem Feuer tragen“, sagte Bürgermeisterin Annett Jura zu Beginn der Veranstaltung, die jährlich vom Perleberger Bürgerverein, der Stadtverwaltung, dem Gottfried-Arnold-Gymnasium und Prignitzer Bürgern veranstaltet wird. In diesem Jahr unter musikalischer Begleitung von Isolde Huhnstock. „Dieses Datum muss über die nächsten Generationen unbedingt weitergetragen werden“, führte die Bürgermeisterin fort. Lobenswert findet sie deshalb die gute Kooperation zwischen der Stadt und dem Perleberger Gymnasium. Daniel Pöhl und Madita Kudla, beide aus dem elften Jahrgang der Schule, hielten mit Texten von Kurt Tucholsky den Schriftsteller und Journalisten als Geächteten in Erinnerung. „Zur heutigen Veranstaltung habe ich mich zum ersten Mal intensiv mit der Bücherverbrennung auseinandergesetzt und finde, dass die Autoren am heutigen Tage zu Recht geehrt werden“, meinte Madita Kudla.

Madita Kudla

Madita Kudla

Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Weitere Vorleser am Mittwochabend waren Malte Hübner-Berger, Vorsitzende des Perleberger Bürgervereins, der zudem durch das Programm führte, Heike Rudolph, Schulleiterin der Perleberger Rolandschule, Helga Scherfke, eine ehrenamtliche Prignitzerin, Hartmut Schneider vom Bürgerverein sowie Jürgen Schmidt aus Wittenberge. Die Erinnerung an die Autoren der Werke aus Zeiten der Bücherverbrennung ist jedes Jahr ein Bekenntnis zu Gedankenvielfalt, Frieden und gegenseitigem Respekt. Den Abschluss bildete Bürgermeisterin Annett Jura mit einem Gedicht von Erich Kästner.

Von Marcus J. Pfeiffer

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