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Prignitz Theatergruppe probt für ihr Stück „Essen“
Lokales Prignitz Theatergruppe probt für ihr Stück „Essen“
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00:39 08.11.2017
Bulimie am imaginären Partybuffet: Auch bei der Probe für das Stück „Essen“ geben die Laienschauspieler ihr Bestes. Quelle: Beate Vogel
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Putlitz

Fröhliches Durcheinander herrscht am Samstag im Speiseraum der Kita „Gänseburg“ in Putlitz: Jacken türmen sich auf Tischen und Stühlen, Schuhe auf dem Boden, leere und halb volle Kaffeetassen stehen auf den Tischen. Mittendrin ein angeschnittener Blechkuchen. Rund 20 Leute schwatzen gemütlich: Treff zur Theaterprobe für das Stück „Essen“ der Laienspielgruppe „Blaue Blume“. Die Darsteller zwischen 16 und 60 Jahren haben sich eine Weile nicht gesehen und müssen sich erst mal austauschen. Mittendrin sitzt Regisseurin Marianne Enzensberger. Die 70-jährige wirkt mit ihren magentafarbenen Haaren und dem blauen Nagellack ein bisschen wie ein Paradiesvogel.

Marianne Enzensberger (r.) und Monique Dummer überwachen die Probe und geben bei Bedarf Texthilfen und Regieanweisungen. Quelle: Beate Vogel

Seit zehn Jahren gibt es die Theatergruppe „Blaue Blume“. Die Mitglieder sind teils aus der Region, teils aus Berlin. „Claudia ist aus Pritz­walk, lebt jetzt in Berlin, Diana ist aus Porep, Ines aus Putlitz“, zählt Enzensberger auf. Die Hälfte der Leute seien Studenten, die andere arbeite in den verschiedensten Berufen. „Unsere Jüngste war 14, sie ist aber kürzlich ausgestiegen.“

18 Schauspieler – Hälfte Laien, Hälte Profis

Enzensberger lebt in Berlin, hat aber ein Haus in Drenkow hinter der mecklenburgischen Landesgrenze. „Sonst proben wir ja da. Aber der Raum lässt sich nicht beheizen.“ So ist die Truppe froh, dass sie an diesem Wochenende die Bühne im Sportraum der Kita nutzen kann. „Einfach ist es nicht, die 18 Leute für einen Termin zusammen zu bekommen“, sagt die Regisseurin. Auch am Samstag fehlen zwei, die wollen aber am Sonntag kommen.

Alles dreht sich ums Essen. Quelle: Beate Vogel

„Wir gehen jetzt rüber“, ruft einer. Nach und nach schlendern alle in den Sportraum. Enzensberger erklärt derweil seelenruhig, wie es zu den Themen für die Stücke kommt, die sie schreibt „Seidenstraße“ oder „Sprachlos“ hießen die in den vergangenen Jahren. „Ich schlage etwas vor, jeder darf sich aussuchen, welche Rolle er spielen will.“ Auch die Kostüme wählen die Darsteller selbst. Zum Glück kenne sie jemanden in Berlin, über den sie auf einen Kostümfundus zurückgreifen kann, erklärt die 70-Jährige. „Jeder soll mit seiner Rolle zufrieden sein und auch damit, wie er aussieht.“ Das ist ihr wichtig.

Auslöser: Menschen in der Wohlstandsgesellschaft

Wer bei der „Blauen Blume“ eine stringente Handlung erwartet, ist verkehrt. Die Hobbyschauspieler befassen sich assoziativ mit Themen wie Kommunikation, Medien oder Anderssein. In Dialogen, Monologen oder abstrakten Szenen werden gesellschaftliche Probleme abgearbeitet. Dazu gibt es Videoschnipsel, Klänge und passende Songs. „Wir sehen das auch als kulturellen Auftrag“, sagt Enzensberger.

Das gilt auch für das aktuelle Stück „Essen“. Auslöser für das Thema war, dass sich die Menschen in der Wohlstandsgesellschaft immer intensiver mit ihrem Essen befassen. Es wird eine Art Ersatzreligion. Ein Luxusthema, findet Enzensberger, „weil in anderen Teilen der Welt Hunger herrscht“. Dem wollen die Mitglieder der „Blauen Blume“ mit Sarkasmus begegnen. „Es ist ein lustiges, aber auch zynisches Stück“, so die Regisseurin. Das ist an einigen Stellen vielleicht ein bisschen eklig und verstörend.

Veganer und Fleischesser im Streit

Die Schauspieler warten an der Bühne. Unten sitzt Regisseurin Enzensberger, neben ihr Monique Dummer, die am Laptop die Technik übernommen hat. „Fangen wir an“, sagt Enzensberger. Eine schlanke junge Frau erklärt, wie gern sie isst, geht an den imaginären Kühlschrank und stopft sich voll. Kurz darauf hört man, wie sie sich hinter dem Vorhang übergibt. Später werden sich am Partybuffet, um das sich alles dreht, Veganer und Fleischesser über Massentierhaltung streiten, es geht um Hungern aus Armut, Diätenwahn und Gammelfleisch.

Die Schauspieler sollen trotz allen Spiels ganz bei sich bleiben. Quelle: Beate Vogel

Schauspielerin und Sängerin Enzensberger hat in den 1980ern etwa mit Sängerin Marianne Rosenberg oder Regisseur Rosa von Praunheim zusammengearbeitet. Sie schätzt die Arbeit mit den Laienschauspielern: „Ich versuche, auf die Leute einzugehen. Die Herausforderung ist, nicht wie bei professionellen Schauspielern etwas Gelerntes abzufragen, sondern aus dem Amateur das herauszuholen, was in ihm steckt.“ Es gehe darum, was da ist, nicht darum, „was ich will“.

Zu sehen ist das Stück „Essen“ der Theatergruppe „Blaue Blume“am Samstag, 18. November, im Pritz­walker Hof in Pritzwalk, Einlass ist um 19 Uhr, Beginn um 20 Uhr. Karten für 5, ermäßigt für 3 Euro, gibt es an der Abendkasse.

Von Beate Vogel

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