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Tischler wurde vor dem Ruin gerettet

Dallmin Tischler wurde vor dem Ruin gerettet

Rund 130 000 Euro sollte Tischler Falk Dinnes aus Dallmin zahlen. Die Sozialkasse Bau und die Arbeitsagentur unterstellten ihm, er arbeite wie ein Unternehmer des Bauhauptgewerbes. Der Kreishandwerker­schaft Prignitz und dem Landesinnungs­verband des Tischlerhandwerks gelang es, die unberechtigte Forderung und damit den Ruin des Tischlers abzuwehren.

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Froh, dass die unberechtigten Forderungen von Soka Bau und Arbeitsagentur vom Tisch sind (v. l.): Falk Dinnes, Anke Maske, Kreishandwerksmeister Wegner und Kirsten Gmirek.

Quelle: Andreas König

Pritzwalk/Dallmin. Das Damoklesschwert begann vor zwei Jahren über Falk Dinnes zu schweben. Vor drei Wochen hatte der Tischler aus Dallmin (Karstädt) das Gefühl, es habe sich für ihn gesenkt. Falk Dinnes ist Geschäftsführer der gleichnamigen Tischlerei. Damit zählt das Unternehmen zum Bau-Nebengewerbe. Einer der Unterschiede zum Bauhauptgewerbe besteht darin, dass solche Unternehmen keine Beiträge an die Sozialkasse (Soka) Bau zu leisten brauchen. Allerdings nur, wenn Sie Mitglied der Innung sind. Falk Dinnes gehört der Tischlerinnung bei der Kreishandwerkerschaft an, seit er den elterlichen Betrieb vor 13 Jahren übernommen hat.

Ein brandgefährlicher Brief

Daher maß Falk Dinnes dem Brief keine große Bedeutung bei, den er im Herbst 2014 von der Soka Bau erhielt. „Darin hieß es, ich sei förderfähig“, berichtet der 50-jährige Handwerker. „Das klang ja erst einmal recht positiv.“ Zuvor hatte der Tischler zwar von der Institution gehört, aber im Grunde nie etwas mit ihr zu tun gehabt. Den seitenlangen Fragebogen, der dem Brief beilag, übergab er allerdings sicherheitshalber lieber seinem Steuerbüro. „Von dem erfuhr ich, dass der Brief brandgefährlich sei“, sagt Falk Dinnes.

Mitgliedschaft in der Innung schützt eigentlich vor Forderungen

Wie gefährlich, sollte sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. „Die Soka Bau ist eigentlich eine sinnvolle Einrichtung“, sagt Anke Maske, Geschäftsführerin des Fachverbandes Tischler Brandenburg. „Die Soka zieht die Beiträge der Unternehmen ein, aus denen das Wintergeld für die Beschäftigten gezahlt wird, die witterungsbedingt in der kalten Jahreszeit nicht arbeiten können“, erklärt die Potsdamerin. Auf Tischler treffe das allerdings nicht zu, die „arbeiten im Grunde das ganze Jahr hindurch“. Daher habe der Bundesverband Tischler/Schreiner eine Vereinbarung mit Vertretern des Baugewerbes geschlossen, wonach auch sogenannte tischlernahe Montagebetriebe vor den Forderungen der Soka Bau geschützt sind. Voraussetzung allerdings ist die Mitgliedschaft in der Tischlerinnung bei der Kreishandwerkerschaft.

Fast 130 000 Euro Forderungen

Falk Dinnes hatte den Fehler begangen, sich nicht extra bei der Soka Bau anzumelden. Die Sozialkasse prüft „in aggressiver Manier“, wie Anke Maske findet, die Betriebe rückwirkend, ob sie aufgrund ihrer Tätigkeitsschwerpunkte nicht doch dem Bauhauptgewerbe zuzuordnen seien, mit anderen Worten, ob nicht dort auch noch Geld zu holen wäre. Im Fall von Falk Dinnes machte die Soka ihre Forderung für die vergangenen vier Jahre geltend rund 113 000 Euro, zahlbar binnen 14 Tagen. Doch dieser Hiobsbotschaft nicht genug, forderte nun auch noch die Arbeitsagentur Potsdam Geld vom Unternehmer. 13 000 Euro für eine nach Auffassung der Agentur rückwirkend fällige Wintergeldumlage sollte Falk Dinnes zahlen. Inklusive Zinsen summierte sich der Betrag auf 16 000 Euro.

Keine schöne Bescherung

Das Schreiben erhielt er kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres. „Ich habe mich in meiner Not an die Kreishandwerkerschaft gewandt, die wiederum Frau Maske vom Landesinnungsverband eingeschaltet hat“, erzählt Falk Dinnes. Er fuhr mit sämtlichen verfügbaren Unterlagen nach Potsdam, um die Forderungen der Sozialkasse und der Arbeitsagentur entkräften zu können. „Frau Maske hat sich wirklich ex­trem für mich eingesetzt“, sagt Falk Dinnes.

Agentur für Arbeit unterstellte Pflasterarbeiten

Da die Soka Bau nicht zu eigenen Betriebsprüfungen berechtigt ist, bediente sie sich der Arbeitsagentur, um die Unterlagen des Dallminers einzusehen. Vor allem der Rechnungs-Ein- und Ausgang interessierte die Mitarbeiter. Im Bericht der Arbeitsagentur tauchte später die Formulierung auf: Falko Dinnes’ Betrieb habe Pflasterarbeiten ausgeführt. „Doch das entpuppte sich als Falschinformation“, sagte Anke Maske. „Herr Dinnes setzt auch Carports. Damit die sicher stehen, brauchen sie ein Fundament, was die Prüfer wiederum als Pflasterabreiten deklariert hatten. Nach einem – wie sich denken lässt sorgenüberschatteten Weihnachten kam für Falk Dinnes im Januar dieses Jahres formell Entwarnung. Die Soka Bau teilte ihm mit, das sein „Konto geschlossen“ sei, mit anderen Worten, ihre Forderungen nicht mehr erhoben würden.

Alle Konten waren gesperrt

Doch da waren noch der Zoll und die Arbeitsagentur. „Obwohl wir die Unterlagen in -zigfacher Ausfertigung hingeschickt hatten – mit der dringenden Bitte, sie doch mal zu lesen – blieben sie bei ihrer Meinung“, schildert es der Dallminer. Vor drei Wochen schließlich der Schock: Sämtliche Konten Falk Dinnes’ waren gepfändet. Zwar hatte die VR-Bank Prignitz Verständnis gezeigt, aber Lieferanten und Geschäftspartner verlangten Erklärungen. Erst ein Gespräch zwischen Anke Maske und einem Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg bewegte die Arbeitsagentur Potsdam schließlich zum Einlenken. Die Forderungen sind zurückgezogen, der Betrieb mit seinen sieben Mitarbeitern ist gerettet.

„Für mich stand wirklich alles auf dem Spiel“

„Ich bin allen dankbar, die mir geholfen haben“, sagt Falk Dinnes. „Vor allem Frau Maske.“ Allen Handwerkern im Baunebengewerbe kann Kreishandwerkerschafts-Geschäftsführerin Kirsten Gmirek nur dringend raten, der Innung beizutreten. Falk Dinnes sagt: „Für mich stand wirklich alles auf dem Spiel. Ich hatte auch Gedanken, die man im normalen Leben nicht haben sollte.“

Von Andreas König

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