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Tobias Schwartz schreibt an seinem Roman

Mansfeld Tobias Schwartz schreibt an seinem Roman

Hier ist nichts, was ihn ablenken könnte: Der aus Osnabrück stammende und in Berlin Schriftsteller Tobias Schwartz hat für 42 Tage in Mansfeld bei Putlitz die Ruhe, um intensiv an seinem neuen Roman „Emlichheimer“ zu arbeiten. Schwartz hat in diesem Jahr das Residenz-Stipendium beim Putlitzer-Preis zugesprochen bekommen.

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Die Natur auf dem Anwesen bei Mansfeld ist für Tobias Schwartz Inspiration.

Quelle: Bernd Atzenroth

Mansfeld. Erstmals einen Eisvogel gesehen zu haben, das alleine ist Tobias Schwartz wohl schon den Aufenthalt in Mansfeld bei Putlitz wert. Der Schriftsteller hat Interesse für Ornithologie und durchwandert mit wachen Augen die Natur hinter dem Anwesen in dem kleinen Ort. Auf dem Teich hat er auch schon Zwergtaucher gesichtet, und beim Rundgang fallen ihm sofort die kleinen Grasfrösche auf.

Tobias Schwartz hatte in diesem Jahr bei der Verleihung des Putlitzer-Preises das Residenz-Stipendium zugesprochen bekommen und arbeitet hier zurzeit intensiv an seinem neuen Roman, der den Titel „Emlichheimer“ tragen wird. Die Arbeit daran hat in dieser Umgebung einen Schub bekommen. „Man ist nicht abgelenkt, hier gibt es weder Festnetz noch Internet und ein Smartphone-Besitzer bin ich auch nicht. Das macht von vorneherein den Kopf frei, weil man an nichts denkt außer den Roman selbst.“ Das ermöglicht eine totale Konzentration, und die zahlt sich für den Autoren aus. Tobias Schwartz arbeitet gerne in den frühen Morgenstunden, unter anderem, weil es ihm wichtig ist, „dass die Zeit nach hinten offen ist“.

Tobias Schwartz zeigt auf die Stelle, an der er einen Eisvogel erblickt hat

Tobias Schwartz zeigt auf die Stelle, an der er einen Eisvogel erblickt hat.

Quelle: Bernd Atzenroth

Für Ablenkung sorgt allenfalls seine kleine Familie, die mit in Mansfeld ist. Aber für Tobias Schwartz ist es wichtig, dass sie da ist. Als er im vergangenen Jahr ebenfalls wegen eines Stipendiums für eine Woche in Krakau war, vermisste er seinen kleinen zweieinhalbjährigen Sohn. Das sollte diesmal nicht passieren. Da kam ihm zupass, dass am Hans-Otto-Theater in Potsdam, wo seine Frau Franziska Menzel-Schwartz als Schauspielerin wirkt, gerade Sommerpause ist.

„Man kann ja auch nicht den ganzen Tag schreiben“, weiß er. So nutzt die Familie die Nachmittage auch, um die Gegend zu erkunden. Die drei besuchten den Elefantenhof in Platschow, den Skulpturenpark im benachbarten Pampin oder auch den Tierpark in Perleberg. Im Pritzwalker Hainholz beobachtete Tobias Schwartz einen Auerhahn. Auch die Städte in der Prignitz und im benachbarten Mecklenburg-Vorpommern haben ihn beeindruckt. „Ich find’s einfach wahnsinnig schön“, sagt er.

Und überhaupt die Ruhe. „Wir schlafen hier alle unglaublich gut“, bekennt Schwartz, „und mein Sohn hat durchgeschlafen. Man geht abends ins Bett, es ist wirklich dunkel und man hört gar nichts.“ Für einen in Berlin lebenden Menschen ist das eine ungewohnte Situation Es gab nur eine Ausnahme: das Voov-Wochenende, das dem Liebhaber klassischer Musik nicht so lag. Die Geräuschkulisse klang für ihn nicht anders als das Tuckern eines Treckers, der vorbeifuhr. Aber das war zum Glück nur ein kurzes Zwischenspiel.

Mansfeld war nicht der erste Bezug zu Gottfried Benn

Dass der Eisvogel in dem neuen Roman für eine seiner Figuren auch eine kleine Rolle spielt, war schlicht Zufall. Mansfeld ist für Tobias Schwartz aber auch interessant, weil es der Geburtsort des Dichters Gottfried Benn ist – was er vorher nicht wusste. Dafür aber hatte er in Berlin ganz in der Nachbarschaft von Gottfried Benns Hautarztpraxis gewohnt. Und für seine Arbeit spielte Benn, zu dem man nach seiner Auffassung ein durchaus gespaltenes Verhältnis haben kann, auch einmal eine Rolle. Als er in Anlehnung an Calderons „großes Welttheater“ ein Theaterstück schrieb, das in seiner damaligen Lieblingskneipe „Destille“ gespielt werden sollte, fand er dazu ein passendes expressionistisches Gedicht von Benn, das den Namen „Destille“ trägt.

„Werkstattlesung im Herrenhaus

Die Zeit in Mansfeld ist am 26. August vorbei. Sie endet mit einer Lesung im Putlitzer Herrenhaus. Eine Art „Werkstattlesung“ werde dies werden, erklärt Tobias Schwartz. Schließlich ist der Roman noch nicht fertig, und er ist auch noch auf der Suche nach einem passenden Verlag – für seinen ersten Roman hatte er einen Verlag gewonnen, der diesmal nicht infrage kommt. Moderiert wird die Runde von dem Schriftsteller Jürgen Rennert, der seit zwei Jahren im Putlitzer Ortsteil Krumbeck lebt. Danach wünscht er sich auch das Gespräch mit den Besuchern über sein Manuskript. Die Putlitzer Gaststätte Otto wird eigens wegen der Lesung am Abend länger geöffnet – so wird sich das Geschehen im Anschluss an die Lesung dorthin verlagern. Der Kontakt und die Freundschaft mit Jürgen Rennert – beide lebten dereinst in Berlin fast in Nachbarschaft, ohne voneinander zu wissen, und lernten sich erst in der Prignitz kennen – wird etwas sein, was bei Tobias Schwartz von dem Prignitz-Aufenthalt bleiben wird. Und: „Es wird auf jeden Fall mehr Landleben in unserem Familienleben vorkommen.“ Das kommt nicht nur ihm, dem Naturliebhaber, entgegen, sondern auch seinem Sohn, der sich nach einem ersten Aufenthalt in Putlitz im April bereits riesig auf die Zeit in Mansfeld gefreut hatte.

Und schließlich hat Tobias Schwartz die Zeit in Mansfeld genutzt, um „wahnsinnig viele Notizen zu machen und sehr viel zu sammeln“. Denn die Idee für einen weiteren Roman nach „Emlichheimer“ hat er bereits – vielleicht hat die Zeit in Mansfeld sie reifen lassen.

Fakten zu Tobias Schwartz und seiner Arbeit

Geboren wurde Tobias Schwartz 1976 in Osnabrück. Seit 1997 lebt er in Berlin

Sein Debütroman „Film B“ erschien 2007 im Satyr-Verlag. Eine Bühnenfassung hatte 2008 an der Berliner Volksbühne Premiere.

Die Arbeit für das Theater ist sein zweites Standbein. So waren Stücke von Tobias Schwartz unter anderem am Maxim-Gorki-Theater und am Hans-Otto-Theater in Potsdam zu sehen.

In den vergangenen Jahren erhielt Tobias Schwartz mehrere Stipendien. 2013 war Schwartz Stipendiat des Literarischen Colloquiums Berlin. 2015 erhielt er das Albrecht-Lempp-Stipendium in Krakau. Das Residenzstipendium „42 Tage Putlitz“ erhielt er in diesem Jahr zugesprochen. Für genau diesen Zeitraum arbeitet er nun ohne Ablenkung in dem zu Putlitz gehörenden Dorf Mansfeld an seinem neuen Roman, der den Titel „Emlichheimer“ trägt.

Der Roman dreht sich um die Bewohner des Dorfes Emlichheim. Seine Geschichte und ihre Geschichten sind eingebettet in eine Rahmenhandlung, die sich an einem Tag abspielt: Der Potsdamer Kinderarzt David macht sich auf den Weg in sein an der holländischen Grenze gelegenes Heimatdorf Emlichheim. Dort will er seine Jugendliebe Grete besuchen, die gerade ein Kind erwartet – er weiß nicht, dass es von ihm ist.

Mit einer Lesung aus diesem Roman endet am Freitag, 26. August, seine Zeit in Putlitz auch schon wieder. Ab 19.30 Uhr wird er den noch nicht fertigen Roman im Putlitzer Herrenhaus vorstellen. Der Eintritt ist frei.

Von Bernd Atzenroth

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