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Thema Windkraft spaltet Einwohnerschaft

Bendelin Thema Windkraft spaltet Einwohnerschaft

Am geplanten Windeignungsgebiet „Netzow-Söllenthin-Vehlin“ scheiden sich die Geister. Während Flächeneigentümer und Gemeindeverwaltung es befürworten, lehnen es Einwohner ab. Die Größe des jetzt vorliegenden Entwurfs resultiert daraus, dass die Gemeinde Plattenburg ein Gebiet um Zichtow zusätzlich beantragt hat.

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Gegen neue Windkraftanlagen: Jochen Gebhardt aus Zichtow.

Quelle: Andreas König

Bendelin. Wenn jemand weiß, wie es ist, im Schatten von Windrädern zu leben, dann die Einwohner von Söllenthin. Dass in der Planung und dem Bau von Windkraftanlagen rund um diesen Plattenburger Ortsteil einiges schief gelaufen ist, bestreitet niemand. Es ist der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich Befürworter und Gegner neuer Windanlagen einigen können bei der Einwohnerversammlung am Montagabend zum Thema. Dass es emotional zugehen wird, ist Versammlungs- und Ordnungsamtsleiter Detlef Brenning von vornherein klar. Daher sollen persönliche Angriffe unterbleiben, sollen nur Einwohner der betroffenen Plattenburger Ortsteile und Fachleute Rederecht bekommen und sich jeder mit Name und Adresse vorstellen. Gut gemeinte Spielregeln, die jedoch nicht immer eingehalten werden in der Hitze des Disputs.

331 Hektar mit „sehr gutem Windpotenzial“

Zunächst stellt Thomas Berger-Karin, der stellvertretende Leiter der Planungsstelle Freiraum, Windenergienutzung, Rohstoffe bei der regionalen Planungsgemeinschaft Prignitz-Oberhavel, die jüngsten Pläne des Gremiums für das Windeignungsgebiet 21, „Netzow–Söllenthin–Vehlin“, vor. Es hat eine Fläche von 331 Hektar, und beherbergt derzeit 26 Windkraftanlagen. Entscheidend ist jedoch das „sehr gute Windpotenzial“, das im Gebiet herrscht.

Gemeinde hat Windeignungsgebiet beantragt

Dass sich die Fläche des Windeignungsgebiets im Vergleich mit dessen Vorgänger von 2003 fast verdoppelt hat, hat mehrere Gründe. Eine der wichtigsten und offenbar vielen der knapp einhundert Versammlungsteilnehmer unbekannten Grund ist ein Antrag der Gemeinde Plattenburg, ein Windeignungsgebiet „Zichtow“ zu genehmigen. Das Mandat für dieses Vorgehen glaubte die Verwaltung in einer Einwohnerversammlung bekommen zu haben, bei der vor einem Jahr den Einwohnern suggeriert wurde, es gebe bereits ein solches Gebiet und man müsse schnell einen Bebauungsplan aufstellen, um die Kontrolle zu behalten.

Vorwurf der Manipulation

Der Vorwurf einer „manipulierten Einwohnerversammlung“ wird häufiger laut an diesem Abend. Am stärksten jedoch äußert sie Jochen Gebhardt aus Zichtow. Auf Handzetteln verteilten seine Helfer „10 Argumente gegen ein Windeignungsgebiet zwischen Zichtow, Bendelin,. Söllenthin und Netzow“. Die Interessen der Landbesitzer an einer Entwicklung des Gebietes mit Einnahmen aus der Windenergienutzung werden in einer „Flächengemeinschaft Innfeld“ gebündelt. Darin sind nicht nur die Gemeinde Plattenburg selbst mit ihren Wegen, sondern auch Landwirte und die Kirchengemeinde vertreten.

Flächeneigentümer wollten sich nicht ausspielen lassen

Der Bendeliner Ortsvorsteher und Geschäftsführer der Agrargenossenschaft, Karsten Krüger, sagte: „2013 sind hier die Betreiber von Windkraftanlagen zu den Landbesitzern gegangen, um Vorverträge mit ihnen zu schließen. Die einzige Möglichkeit, sich nicht ausspielen zu lassen, war die Bildung der Flächengemeinschaft.“. So gelinge es, „dass wir alle etwas von der Windenergie haben“. Er nennt Zuwendungen und Einnahmen für ­Vereine, die Kirche und die Feuerwehr als Argumente. Windpark-Planer Christian Wenger-Rosenau aus Neuruppin hat den Bürgern eine Rückvergütung von rund 3 Cent pro Kilowattstunde in Aussicht gestellt, was für jeden Anwohner zwischen 100 und 150 Euro Ersparnis im Jahr bedeuten würde.

Angst vor Verlust an Lebensqualität

Die Argumente fliegen hin und her, an die eingangs erwähnten Spielregeln halten sich längst nicht alle Redner des Abends. Klar wird, dass der Riss oberflächlich zwischen Befürwortern und Gegnern der Windkraft klafft, aber es geht um mehr. Häufig warnen die aus Berlin und von anderswo „Zugezogenen“, besonders stark vor dem Verlust an Lebensqualität durch den Bau neuerer und höherer Windräder. Die Befürworter – darunter vor allem Landbesitzer – sehen die Vorteile in den zu erzielenden Einnahmen.

Geringerer Abstand zu Windrädern in Söllenthin

Als „puren Zynismus“ bezeichnet Jochen Gebhardt die Regelung für den Abstand zwischen Windrädern und Wohnbebauung. Während überall in der Gemeinde Plattenburg ein Mindestabstand von 1000 Metern gelten soll, wird er für Söllenthin auf 750 Meter abgesenkt mit der Begründung, dass einige Anlagen dort bereits bis auf 650 bis 700 Meter an die Wohnhäuser heranreichen. Der Entwurf des Regionalplans liegt noch bis zum 31. Juli unter anderem in der Gemeinde Plattenburg und beim Landkreis Prignitz aus.

Von Andreas König

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