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Prignitz Treffen der Jugend der 30er und 40er Jahre
Lokales Prignitz Treffen der Jugend der 30er und 40er Jahre
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02:15 13.05.2017
Alljährliches Gruppenfoto: Dieses stammt vom Treffen in 2015. Quelle: Privat
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Wolfshagen

Sie bezeichnen sich selbst als die Jugendlichen von Wolfshagen – fügen aber in einem Nebensatz dann humorvoll hinzu: „Die Jugendlichen der Jahrgänge 1930 bis 1940.“ Und teilweise hatten sie sich schon seit 50 Jahren nicht mehr gesehen, als sich die 40 Männer und Frauen am 19. Juni 2010 zum ersten Mal auf Initiative von Anne Gebhardt und der Brüder Arnold und Klaus Gragert zum ersten Mal wieder trafen. Seither findet sich die Gruppe regelmäßig wieder in Wolfshagen ein, in diesem Jahr ist das Treffen für den 17. Juni im Hotel-Restaurant am Schloss geplant.

Als 1945 der Zweite Weltkrieg zu Ende war, da waren sie alle im Kindesalter. Wolfshagen glich einem großen Flüchtlingslager: Doppelt so viele Flüchtlinge aus dem heutigen Polen wie ursprüngliche Wolfshagen-Einwohner haben im Ort gewohnt, hinzu kam ein Kriegsgefangenenlager, das in einem Stall nahe des heutigen Hotels von Soldaten bewacht worden war. „Wir waren in Wolfshagen ja weitgehend vom Krieg verschont geblieben“, erinnert sich Ortschronist Harri Schulz, der damals elf Jahre alt war „aber die Häuser im Ort waren alle doppelt belegt.“

Langeweile gab es nicht

Die jungen Leute allerdings nahmen weniger die Probleme ihres Zeitalters wahr – viele von ihnen hatten während des Krieges Schlimmeres erlebt. Stattdessen wuchsen sie schnell zu einer Gemeinschaft zusammen – egal ob Flüchtling oder Einheimischer. Ob sie sich in der damaligen Feuerwehr als Mädchen- oder Männermannschaft zusammenfanden, gemeinsame Ausflüge mit dem Rad unternahmen oder auch einfach nur allerlei Unfug ausheckten: „Langeweile gab es nicht“, meint Harri Schulz, „auch, wenn wir damals ohne Handy, Piercings und Computer aufwuchsen.“ Dazu kamen Theatervorführungen im Schloss oder Tanzveranstaltungen in der ehemaligen Gaststätte in Seddin. Manche fanden dabei ihre Lebenspartner, die sie später heiraten sollten.

Gemeinsame Ausflüge mit dem fahrrad gehörten für die jungen Wolfshagener damals dazu. Quelle: Privat

Erinnerungen wie diese waren es, die die Jugendlichen im fortgeschrittenen Alter austauschten, als sie sich 2010 erstmal wieder fanden. Die Hälfte der Anwesenden hatte das Dorf schon viele Jahre zuvor verlassen, nun nahmen einige sehr weite Anreisen auf sich: Marianne Hahn etwa kam aus dem Rheinland nach Wolfshagen, Ingrid Gramenz reiste aus Meißen an.

2015 wurde Jahrestreffen zur Tradition erklärt

Dass es nicht beim ersten Treffen bleiben würde, war schnell klar. Schon 2012 fanden sich die meisten wieder zusammen. Der Wermutstropfen: Einige Plätze in den Reihen blieben leer. Die übrigen 25 Wolfshagener beschäftigten sich vor allem auch mit ihrer Heimat: Jene, die fortgegangen waren, wollten etwa wissen, ob das Dorf seinen Namen behalten hatte, oder inzwischen Groß Pankow hieß. Natürlich wurde über das Schloss geredet, in dem viele der Anwesenden ihre Schulzeit erlebt hatten, und das als Museum heute fortbesteht. Bessere Straßen, das wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen Wolfshagener Draht- und Metallverarbeitung wurden thematisiert. Weniger gute Nachrichten für die Angereisten waren, dass die Einwohnerzahl ständig schrumpfte und dass Vereine wie der Wolfshagener Ponyverein aufgegeben hatten.

Ob junge Männer oder Frauen: Löschgruppen bei der Feuerwehr Quelle: Privat

Schon ein Jahr später, 2013, kam die Gruppe wieder zusammen – und verabredete sich zum Abschluss für 2014. Dieses Treffen wurde allerdings abgesagt: Drei Todesfälle und zwei schwere Erkrankungen aus ihren Reihen hatten bei den übrigen Teilnehmern die Lust zum Feiern vergehen lassen.

Die letzten Treffen fanden dann in den beiden darauffolgenden Jahren statt. 2015 wurde das Jahrestreffen der Wolfshagener Jugendlichen von ihnen dann zur Tradition erklärt. Dass viele Gebäude im Dorf inzwischen unübersehbare Zeichen des Zerfalls aufweisen, darunter die frühere Brennerei, der ehemalige Gutshof und die Mühle, blieb den Senioren natürlich nicht verborgen und sorgte für Kritik. Die Stimmung ließen sie sich dennoch nicht vermiesen. Dank Manfred Lewald, der das „Wolfshagener Heimatlied“ verfasst hat, wurde nach 2015 auch im Jahr 2016 wieder gesungen. Und das wird wohl auch im kommenden Juni wieder der Fall sein.

Von Claudia Bihler

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