Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 17 ° Regenschauer

Navigation:
Trilogie über Krieg und Intrigen

Halenbeck Trilogie über Krieg und Intrigen

Die Schriftstellerin Helene Wachsmuth war die Tochter eines Halenbecker Gutsbesitzers. Sie schrieb Erzählungen aus Polen und Grönland, malte Landidylle und gründete den Deutschen Schriftstellerinnenverband zur Förderung der Frauen in Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Voriger Artikel
Schlechte Straßen in Ostprignitz-Ruppin
Nächster Artikel
Erst Abiturient, dann „Azudent“

Landidyll: Das Bild wird Helene Wachsmuth zugeschrieben, es steht derzeit zum Verkauf.

Quelle: Privat

Halenbeck. Ein Pferd, eingespannt in eine Buttermühle, drehte langsam seine Runden, damit der Rahm, geschöpft von der Milch Halenbecker Kühe, zu Butter verarbeitet werden konnte. Irgendwo im Hintergrund hört die Tochter des Halenbecker Gutsbesitzers, Geheimrath Carl Christian Friedrich Schröder, das Bölken der Schafe, deren Wolle auf einem Berliner Wollmarkt verkauft werden soll. Wohlbehütet wuchs Helene Elisabeth Friederike Karoline Sophia Wachsmuth geborene Schröder auf dem Gut ihrer Eltern auf, nachdem sie dort am 21. September 1844 geboren worden war. Während ihre Malereien das ländliche Idyll – wenn auch in anderen Landschaften dargestellt – wiedergaben: Als Schriftstellerin sollte Helene Wachsmuth ihre Motive in ferneren Ländern suchen.

Porträt der Halenbecker Schriftstellerin Helene Wachsmuth

Porträt der Halenbecker Schriftstellerin Helene Wachsmuth.

Quelle: Claudia Bihler

Gerade mal acht Jahre war die Halenbecker Gutstochter alt, als sie zum ersten Mal zur Feder griff, um eine Tragödie zu schreiben. Zeitgenossen formulierten „verbrach“ – überliefert ist das Erstlingswerk offenbar nicht. Es sollte aber viele Jahre dauern, bis sie tatsächlich in den Literaturbetrieb einstieg, dann allerdings mit Haut und Haar.

Zunächst aber wurde sie mit 14 Jahren zur Schule nach Landsberg geschickt. Als sie 1865 den Arzt Georg Friedrich Wachsmuth aus Guben heiratete, musste sie für viele Jahre auf die Schriftstellerei verzichten. Ihr Mann veröffentlichte Broschüren im Verlag des Fontanesohnes Friedrich zu Haushaltshygiene und der Behandlung von Tuberkulosekranken, sie kümmerte sich in der Berliner Wohnung um drei Kinder. Erst nach langer Krankheit begann sie wieder zu schreiben, Malunterricht erhielt sie erstmals nach 25 Jahren Ehe.

Spott über Schriftstellerinnen

In den 1890er Jahren akzeptierten einige wenige Literaturvereine zwar bereits Frauen als Mitglieder. Dennoch: Ernst genommen zu werden, war für sie nicht einfach. Noch 1896 spottete F. Gintenes in der Baltischen Monatssschrift unter dem Titel „Was schreiben unsere Frauen?“: „Als vor 6 Jahren Bertha von Suttner ihren Appell an Fürsten und Völker richtete, lächelte man über den gutherzigen Einfall, daß Europa auf den Vorschlag einer Frau hin die Waffen niederlegen würde.“ Oder: „Wer sich an Verfehltem erbauen will, der nehme das „Verfehlte Leben“ von Hedwig Dohm zur Hand; es ist darin von einer unglücklichen Ehe die Rede, einem Thema, das unsere Dichterinnen — doch nicht sie allein — nicht müde werden zu erörtern, wenn gleich die Aussicht auf Erfolg nicht größer ist, als wenn man Weltfrieden predigt.“

Einen historischen Roman von Helene Wachsmuth, der in der pietistisch-evangelischen Herrnhuter Kolonie auf Grönland spielt, erwähnt er immerhin ohne Spott. Sie berichtete darin über das Leben einer „Missionsbraut“ in der heutigen grönländischen Hauptstadt Nuuk.

Positive Worte der Kritiker

Auch ihr umfangreichstes Werk, die historische Erzählung „Fatum Poloniae“ spielt im Ausland, im Polen in der Zeit der Türkenkriege und beschäftigt sich unter anderem mit dem „Kronfeldherrn“ Johann Sobieski, der heute allgemein als Retter Wiens bei der zweiten osmanischen Belagerung gilt. Sie beschreibt Familienintrigen, Aberglauben oder auch die Kriegslist des Sobieski gegen eine übermächtige osmanische Armee: „Das Häuflein Polen harrte bei seiner vorgezeichneten Taktik aus, es narrte die Türken mit den ausgedehnten Reihen seiner nächtlichen Feuer.“

Das Halenbecker Gutshaus brannte 2013 bei einem nächtlichen Feuer ab

Das Halenbecker Gutshaus brannte 2013 bei einem nächtlichen Feuer ab.

Quelle: Beate Vogel

Auch, wenn die Geschichtsschreibung die Kriege heute anders darstellen würde – bei Erscheinen der Trilogie fanden die Kritiker positive Worte. So schrieb F. Grützmacher in seinen südpreussischen Unterhaltungen: „Es muss aber anerkannt werden, dass mit darstellerischer Kraft und Kunst ein packendes Bild gezeichnet wird von dem Ringen edler und starker Naturen gegen die unheimlichen Gewalten der Selbstsucht und Zuchtlosigkeit.“ Nur wenige Exemplare der dreibändigen Trilogie sind noch erhalten, der dritte Band „Zwei Königskinder“ erzielt wegen seiner Seltenheit heute hohe Verkaufssummen.

Vereinigung für schreibende Frauen

Schließlich wollte sich Helene Wachsmuth auch im Literaturbetrieb engagieren: Nachdem die Schriftstellerverbände trotz ihres Bekenntnisses keine Frauen aufnahmen, gründete sie zusammen mit weiteren Schriftstellerinnen den Deutschen Schriftstellerinnenbund, der nur ein Jahr später über 100 Köpfe zählte. Der Verband wollte als berufsständische Vereinigung Frauen dabei unterstützen, sich reger in Kunst, Literatur und Wissenschaft zu beteiligen. Zudem gab der Verband die Zeitschrift „Recht der Feder“ heraus.

Über ihre letzten Jahre ab 1922 ist wenig bekannt. Helene Wachsmuth starb mit 87 Jahren im Haus ihres Sohnes bei Köln. Ihr Halenbecker Elternhaus brannte in einer Winternacht im Jahr 2013 ab.

Von Claudia Bihler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Prignitz
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg