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Prignitz Trockenstress für Bauern und Getreide
Lokales Prignitz Trockenstress für Bauern und Getreide
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01:06 15.06.2015
Thomas Irrgang blickt verzweifelt auf das Winergerste-Feld. Er könnte in diesem Jahr bis zu 30 Prozent Ernteeinbußen haben. Quelle: Felsch
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Kränzlin/Karstädt

Die Elbfähre in Lenzen (Prignitz) hat ihren Betrieb eingestellt und die Platanen in Wittenberge lassen die Blätter fallen. Doch es ist nicht Herbst, sondern Anfang Juni.

Thomas Irrgang vom Kränzliner Agrarbetrieb steht auf dem Acker bei Wahlendorf (Ostprignitz-Ruppin). In einer Senke ist die Wintergerste bereits gelb verfärbt, die Ähren mickern vor sich hin. Andere Bereiche haben eine frische grüne Farbe. Ein großer Teil der Ernte wird wohl die Erwartungen der Bauern nicht erfüllen. Das trockene Wetter hat Spuren hinterlassen. „Die Vorsommertrockenheit ist in unserer Region aber nichts Ungewöhnliches“, sagt der Landwirt, der sich nun Gedanken über die Ernte machen muss. Denn der unterschiedliche Reifegrad der Pflanzen ist problematisch. Nicht nur der Wintergerste, auch den Lupinen hat die Trockenheit zugesetzt. Die Pflanzen sind nicht optimal gewachsen und schwieriger mit dem Mähdrescher zu ernten. Aber noch hat Thomas Irrgang die Hoffnung auf Regen nicht aufgegeben.

Gifteinsatz für den einheitlichen Reifegrad

Bisher griffen Landwirte in diesen Fällen oft zur Giftspritze, um mit Glyphosathaltigen Mitteln für einen einheitlichen Reifegrad vor der Getreide-Ernte zu sorgen. Pflanzen, die mit diesem Pestizid behandelt wurden, sterben ab, trocknen noch auf dem Feld und sind in der Folge leichter zu ernten. Doch die Anwendung dieses Pflanzenschutzmittelwirkstoffs ist mittlerweile sehr umstritten, da er im Verdacht steht, für das Bienensterben verantwortlich zu sein.

Brandenburgs Bauern klagen über Trockenheit und ihre Felder sind bereits vom Trockenstress gezeichnet. Allerdings gibt es starke regionale Unterschiede. „Wenn es in Neuruppin oder in Kyritz geregnet hat, ist bei uns nie etwas angekommen“, sagt Thomas Irrgang. Und auch der Prignitzer Landwirt Lothar Pawlowski klagt über besonderen Wassermangel in Karstädt. „Wurden für unsere Region Niederschläge vorhergesagt, so fielen bei uns zwei Liter pro Quadratmeter, das reichte gerade einmal, um den Staub abzuspülen.“

Die Sehnsucht nach Regen

Der Wasserbedarf ist groß, besonders auf Brandenburgs mageren Böden. „Der geringe Niederschlag macht sich jetzt in unserer Region besonders bemerkbar, da es an Bodenwasservorräten mangelt“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Prignitzer Kreisbauernverbands und Geschäftsführer der Karstädter Agrargenossenschaft. „Da wir keinen richtigen Winter hatten, gab es auch keine Schneeschmelze. Für die Bestellung der Felder im Frühjahr war das Wetter gut.“ Doch die Niederschläge, die zum Wachstum der Pflanzen erforderlich gewesen wären, blieben aus. „Im Februar hatten wir Niederschlagsmengen von 22 Litern pro Quadratmeter“, sagt der Landwirt. „Normal sind 40 bis 50 Liter.“ Auch im Mai gab es nur die Hälfte des sonst üblichen Niederschlags. Nun bangen die Landwirte um ihre Ernte und warten sehnsüchtig auf Regen. „Der Trockenstress ist jetzt schon bei den Wintergetreidesorten, aber auch beim Sommergetreide sichtbar.“ Für die Maisernte bleibt den Bauern noch die Hoffnung auf Regen. Für die Kornfüllungsphase beim Getreide werden diese allerdings vielerorts zu spät kommen.

Verlust liegt zwischen 20 und 30 Prozent

Wie hoch die Ernteeinbußen sein werden, können weder Thomas Irrgang noch Lothar Pawlowski genau sagen. Der Karstädter Landwirt rechnet mit Verlusten von etwa 20 Prozent. „In Südbrandenburg werden es vermutlich 30 Prozent werden“, sagt der Landwirt. Er weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass nicht nur der Ertrag unter der Trockenheit leide. Die Pflanzen sind auch anfälliger für Schädlinge.

Die Stimmung in der Landwirtschaft ist gedämpft. Und das nicht nur wegen des fehlenden Niederschlags, sondern auch wegen der niedrigen Preise, die die Bauern für ihre Produkte bekommen. „Für das Kilo Schweinefleisch gibt es momentan 1,48 Euro, für den Liter Milch 28 Cent und für Brotroggen 12 Euro pro Dezitonne. Diese Preise sind keineswegs kostendeckend“, sagt Pawlowski. Eine Preisprognose wagt er nicht so recht, stellt aber fest: „Tendenziell bewegt sich der Preis ein wenig nach oben. Auch in Osteuropa wird eine geringere Ernte erwartet. Aber die Lager sind gut gefüllt, die Konsumenten brauchen sich keine Sorgen zu machen.“

Von Cornelia Felsch

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