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Tuchfabrik wäre von Hochwasser betroffen

Prignitz Tuchfabrik wäre von Hochwasser betroffen

Der Verlauf der Stepenitz und ihrer Nebenflüsse werden vom Land Brandenburg als Gebiet mit „signifikantem Hochwasser­risiko“ eingestuft. Mit einem förmlich festzulegenden Überflutungsgebiet sollen rechtliche Details geregelt werden. Besonders von einem Extrem-Hochwasserbetroffen wäre die Stadt Pritzwalk mit der Tuchfabrik.

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Die Dömnitz an der Tuchfabrik ist normalerweise ein beschauliches Gewässer. Bei Hochwasser kann sie zum reißenden Fluss werden.

Quelle: Andreas König

Groß Pankow/Pritzwalk/Meyenburg. Die Stepenitz ist ein beschauliches Flüsschen. Niemand würde ihr etwas Böses zutrauen. Doch gerade solche kleineren Flüsse können eine zerstörerische Kraft entwickeln, wenn ihr Wasser nicht ablaufen kann. Der Lauf der Stepenitz zwischen Meyenburg und Perleberg soll zu einem Überflutungsgebiet erklärt werden. Das Gebiet gehört zu landesweit 149 Flussabschnitten, für die das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium ein „signifikantes Hochwasserrisiko“ festgestellt hat. Bei einer Informationsveranstaltung im Rathaus von Groß Pankow erläuterten Vertreter des Ministeriums, warum und wie das Überflutungsgebiet Stepenitz ausgewiesen werden soll.

„Es gibt keine künstliche Flutung“

„Zunächst einmal: Wir sind laut Bundesgesetz dazu verpflichtet, Überflutungsgebiete auszuweisen.“. sagte Sachbearbeiter Wolfgang Müller vom Umweltministerium. „Dabei werden nur die Flächen festgelegt, die natürlicherweise überflutet werden.“ „Es gibt keine künstliche Flutung, wie es manchmal behauptet wird.“ Das Gebiet, welches das Land als Überflutungsgebiet auszuweisen beabsichtigt, entspricht im weitesten Sinne dem Verlauf der Stepenitz und ihrer Nebenflüsse. Dass die Experten aus dem Ministerium erst jetzt ein Überflutungsgebiet für die Stepenitz festlegen, ist zum einen der Tatsache geschuldet, dass ein digitales Höheprofil erforderlich war, das erst nach und nach erarbeitet wurde und zum anderen der Zunahme solcher Extremereignisse wie dem „Jahrhunderthochwasser“ 2002 und der noch weitaus schlimmeren Flut im Jahr 2013.

Computersimulation errechnet, wie die Fluten strömen würden

Im Ministerium wurden die betroffenen Gebiete in den Ämtern Meyenburg und Putlitz/Berge, den Städten Pritzwalk und Perleberg sowie der Gemeinde Groß Pankow mit einem aufwendigen Computerprogramm berechnet. „Natürlich ist kein Hochwasser wie das andere, aber wir können schon relativ sicher prognostizieren, wo welche Flächen überschwemmt würden“, sagte Wolfgang Müller. Sein Kollege Matthias Grafe demonstrierte den rund 20 interessierten Bürgern, wie das Programm rechnet. Mit den Daten eines Jahrhunderthochwassers verfärbte sich in der Simulation schnell ein relativ eng begrenzter Bereich links und rechts der Stepenitz und ihrer Nebenflüsse, unter anderem Dömnitz, Panke, Freudenbach, Jeetzbach, Perle, und Karthane. Bei einem 200-jährlichen Hochwasser – etwa dem von 2013 an der Elbe sind natürlich größere Flächen betroffen.

Neubauvorhaben nur noch mit Ausnahmegenehmigung

In dem Überflutungsgebiet dürfen nach dessen Festsetzung keine wesentlichen Neubauvorhaben mehr genehmigt werden. Existierende Bauten haben Bestandsschutz. Doch auch dabei gibt es Ausnahmen, die von der unteren Wasserbehörde beim Landkreis genehmigt werden können.

Regenrückhaltebecken brächte mehr Sicherheit für Pritzwalk

Zu den Gebieten, die von einem Hochwasser der Stepenitz und der Dömnitz betroffen wären, gehört die Tuchfabrik in Pritzwalk. „Aber von einem Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen würden vor allem Garagen und Gärten“ ,sagte Wolfgang Müller. „Sicher ist das Gebiet nicht so bewohnt wie beispielsweise Wittenberge“, gibt Frank Schröder, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes Prignitz zu. „Aber alle, die das 1993er Hochwasser in Pritzwalk miterlebt haben, wissen, wie die Dömnitzinsel vom Wasser überschwemmt war. Ein Regenrückhaltebecken würde da zu einer erheblichen Entlastung beitragen“, sagte Frank Schröder. Die Stadt Perleberg habe nach dem Stepenitz-Hochwasser ein solches Becken bekommen, was bereits zweimal zu einer erheblichen Entlastung geführt habe. „Bauliche Maßnahmen sind aber nicht unser Thema“, sagte Wolfgang Müller. Das jetzige Verfahren diene lediglich dazu, die Pläne zu veröffentlichen und eventuelle Einwände zu berücksichtigen.

In Meyenburg würden Kleingärten überflutet

Im Stadtgebiet Meyenburg würde die Stepenitz im Falle eines Extrem-Hochwassers die Kleingärten überfluten, die direkt an den Ufern des Flusses liegen, informierte Meyenburgs Amtsdirektor Matthias Habermann. Auch ein Einfamilienhausgrundstück wäre betroffen. Die bereits vorhandenen Gebäude haben Bestandsschutz, eine neue Bebauung der Überschwemmungsflächen ist nicht erlaubt, so Habermann.

Die Dokumente liegen vom 15. Mai bis 16. Juni in den betroffenen Kommunalverwaltungen und beim Landkreis Prignitz in Perleberg aus.

Von Andreas König

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