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Tüchener Bauer muss Milchkühe verkaufen

Landwirt gibt Milchviehhaltung auf Tüchener Bauer muss Milchkühe verkaufen

Nach mehr als 25 Jahren in der Milchviehhaltung muss Landwirt Peter Schröder aus Tüchen (Gemeinde Groß Pankow) die Notbremse treten: Bei einem Milchpreis von zuletzt 21 Cent pro Liter kann der bäuerliche Unternehmer seine 110 Milchkühe nicht mehr halten. Die Tiere sind bereits verkauft, ein Mitarbeiter musset entlassen werden.

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Der Tüchener Landwirt Peter Schröder muss sich von seiner Milchviehhaltung trennen – der Milchpreis ist zu gering.

Quelle: Foto: Andreas König

Tüchen. Noch brummt es im Stall von Peter Schröder in Tüchen. Das kann man von den Milchgeschäften des bäuerlichen Familienbetriebes leider nicht sagen. „Der Milchpreis ist einfach zu niedrig, wie mussten die Reißleine ziehen“, sagt Peter Schröder. 21 Cent gab es zuletzt noch für den Liter Milch. Bei weitem zu wenig, um damit die Kosten zu decken, von Gewinnen ganz zu schweigen. „Wir müssen einen Mitarbeiter entlassen und dann sehen, wie wir weiter wirtschaften“, sagt Peter Schröder. Die Tiere, Holsteiner und Schwarzbunte Kühe seien sehr gut in ihrer Milchleistung gewesen. „Wir hätten in diesem Jahr wahrscheinlich die 11 000-Liter-Marke geknackt“, sagt der Landwirt. „Das sind richtige Hochleistungssportler. Aber es hat nicht sollen sein.“

Die niedrigen Milchpreise sind nach Ansicht des Tücheners, der außerdem noch Ortsvorsteher seines Dorfes ist, vor allem eine Folge des Überangebotes. „Wenn VW nicht genug Autos loswird, geht der Konzern in Kurzarbeit. Wir Bauern hingegen produzieren immer noch mehr Milch, wodurch der Preis weiter verfällt.“ Er jedenfalls habe es nicht mehr durchhalten können und wollen, unter den Erzeugungskosten zu produzieren.

Die Kühe hat er mittlerweile verkauft an einen Interessenten aus Niedersachsen. In den Stall, auf der westlichen Seite des Dorfes in Richtung Reckenthin gelegen, hatte der Familienbetrieb noch investiert – Stichwort Tierwohl – daraus wird nun wohl nichts mehr.

110 Milchkühe besaß der Betrieb, kein sehr großer Betsand. „Woanders stehen ein paar tausend Kühe, da können wir natürlich nicht mithalten“, sagt Peter Schröder. Er sieht das Tal der Tränen auch noch nicht durchschritten. „Viel kleinerer Betriebe werden noch Probleme bekommen“, prophezeit der Tüchener. Seiner Ansicht nach ist der Konzentrationsprozess in der Milcherzeugung in vollem Gang. „Als die Milchquote angeschafft wurde, haben viele gejubelt Aber es war doch klar, dass viel mehr Milch auf den Markt gelangt, für die es aber nicht mehr Abnehmer gibt.“

Ganz von der Rinderhaltung wird sich Peter Schröder allerdings nicht verabschieden. „Wir werden mit Mutterkuhhaltung weitermachen“, überlegt Peter Schröder. Das sei eine geeignete Methode, das Grünland wenigstens zu einem Teil weiter zu nutzen. Ein vollwertiger Ersatz ist das allerdings nicht. „Wir werden perspektivisch 25 Mutterkühe haben. Bisher waren es inklusive Nachzucht fast 200 Tiere“, sagt Peter Schröder. Neben der Rinderhaltung beschäftigt sich der Betrieb auch noch mit dem Anbau von Feldfrüchten, wobei „querbeet“ alles angebaut wird, was der Betrieb gebrauchen kann oder wofür er Abnehmer findet: Weizen, Roggen, Gerste. Raps und Mais.

Ein Betätigungsfeld für milchwirtschaftliche Betriebe wäre die Erzeugung von Biomilch. „Aber dafür fehlen uns die Voraussetzungen sowohl räumlich als auch bei der Futtererzeugung. Das schaffen wir nicht“, ist Peter Schröder überzeugt. Dabei böte das lukrative Geschäftsfeld durchaus Entwicklungspotenzial. „Bei Biomilch ist die Nachfrage in Deutschland bisher aus eigener Produktion nicht gedeckt. Wir führen wohl sogar Biomilch aus Schweden ein“, sagt de Tüchener. Doch mit solchen Experimenten will sich der 59-jährige nicht mehr befassen. Vielmehr will er seinem Sohn Michael Schröder einen funktionierenden landwirtschaftlichen Betrieb übergeben, wenn die Zeit gekommen ist.

Die Einschnitte im Betrieb nimmt Peter Schröder nach außen hin gelassen auf. „Es wird schon irgendwie weiteregehen“, sagt er. Aber als er aus dem Kuhstall kommt, muss er doch ein wenig stärker blinzeln als sonst.

Von Andreas König

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