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Unfallfahrer nimmt Berufung zurück

Schönebeck Unfallfahrer nimmt Berufung zurück

Die Berufungsverhandlung gegen den betrunkenen Unfallfahrer, der im Februar 2015 in Schönebeck (Prignitz) den Tod einer 13-Jährigen verschuldet hat, nahm am Mittwoch eine überraschende Wende: Der 38-Jährige hat seine Berufung zurückgenommen. Er muss nun für zwei Jahre und zwei Monate ins Gefängnis.

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Hier geschah am 24. Februar 2015 der Unfall, bei dem Annalena starb. Das Kreuz erinnert an die 13-Jährige.

Quelle: foto: Matthias Anke

Schönebeck. Aufrichtig bedauerte Valentin K. am Mittwoch vor Gericht , was am 24. Februar 2015 geschehen ist. Dass er nämlich Schuld daran hatte, dass damals ein 13-jähriges Mädchen an der B 103 bei Schönebeck (Prignitz) zu Tode kam, weil er zu viel getrunken hatte.

Glaubhafte Entschuldigung bei der Familie des Opfers

Der 38-Jährige entschuldigte sich bei der Mutter und der Familie des Unfallopfers. Glaubhaft, wie auch die nachfolgende Aussage zeigte: „Ich möchte meine Berufung zurück nehmen und will die Strafe auf mich nehmen“, sagte Valentin K. vor dem Landgericht Neuruppin. Damit ist das Urteil des Perleberger Amtsgerichts vom 3. März 2016 rechtskräftig. Der Angeklagte muss nun wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung und Unfallflucht für zwei Jahre und zwei Monate ins Gefängnis. Dagegen hatte sich Familienvater ursprünglich gewehrt und Berufung eingelegt.

Bereits schon einmal wegen einer Trunkenheitsfahrt verurteilt

Bei der ersten Berufungsverhandlung im Dezember vergangenen Jahres war es nicht zu einem Urteil gekommen. Das Gericht wollte noch Unterlagen aus Bulgarien, der Heimat des Angeklagten, hinzuziehen. Wie sich herausstellte, war er dort im Jahr 2011 zu einer viermonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden: Er war nachts mit 1,2 Promille am Steuer erwischt worden.

Betrunken am Steuer, Mädchen zu spät wahr genommen

Alkohol war auch im vorliegenden Fall der Grund für den tödlichen Unfall. Der Angeklagte hatte bereits am Vorabend des 24. Februar 2015 erheblich dem Bier und Wodka zugesprochen und am nächsten Morgen weiter getrunken. An jenem Vormittag musste er nicht arbeiten. Der 38-Jährige ist seit Ende 2011 für eine Leiharbeitsfirma in Deutschland als Rinderbesamer tätig. Auf die spontane Bitte eines Kollegen, der nach Pritzwalk wollte, setzte er sich ins Auto. Er befuhr die B 103, die an dieser Stelle gut einsehbar war. Dass Mädchen, das die Straße überqueren wollte, nahm er zu spät wahr, alkoholbedingt. Wie es in dem Urteil hieß, hatte auch die 13-Jährige nicht auf die Fahrbahn geachtet, „auch sie hätte den Unfall vermeiden können“. Sie trug Kopfhörer und war mit ihrem Handy beschäftigt, als sie über die Straße ging, ohne auf den Verkehr zu achten.

Angeklagter beging Unfallflucht

Der Unfallfahrer stellte sein Fahrzeug ab. Sein Beifahrer versuchte noch, das Mädchen wiederzubeleben. Doch es hatte so schwere Kopfverletzungen durch den Aufprall auf die Windschutzscheibe erlitten, dass es spätestens eine Minute nach der Kollision starb. Valentin K. verließ den Unfallort und kehrte erst zweieinhalb Stunden später zurück. Er gab sich als der Unfallverursacher zu erkennen. Da hatte er noch 1,13 Promille im Blut.

Bereits am 25. Februar 2015 war gegen ihn ein Haftbefehl erlassen worden. Der wurde aber außer Vollzug gesetzt unter der Auflage, sich einmal wöchentlich bei der Polizei in Pritzwalk zu melden, was er auch getan hat. Nach dem Urteil kam der gelernte Koch sofort in Untersuchungshaft. Allerdings nur für sechs Tage.

Unfallfahrer nimmt Verantwortung für sein Handeln auf sich

Der Angeklagte stellte sich den Strafverfahren und nimmt nun auch die Verantwortung für das Geschehene auf sich. Glaubt man ihm, hat sich seit dem Unfall auch sein Trinkverhalten geändert. „Ich erlaube mir zu bestimmten Anlässen, Alkohol zu trinken, sonst nicht“, sagte er am Mittwoch.

Am Tattag habe er sich geirrt, sich für fahrtüchtiger gehalten, als er war. „Ich glaubte nicht, so betrunken zu sein“, beantwortete er die Frage des Vorsitzenden Richters, wie er sich gefühlt habe.

Das jähe Ende einer vielversprechenden Zukunft

Die Mutter und die Zwillingsschwester des getöteten Mädchens standen noch sichtlich unter dem Eindruck des schrecklichen Erlebens. Die Mutter verfolgte weinend die Hauptverhandlung, ihre Tochter musste den Gerichtssaal unter Tränen verlassen. Wie es in dem Urteil hieß, war die 13-Jährige ein „lebensfrohes Kind, das in einer liebevollen Familie aufwuchs“. Die Eltern freuten sich auf eine viel versprechende Zukunft ihrer Tochter, stand dort weiter: Eine Zukunft, die im Februar 2015 ein jähes Ende nahm.

Von Dagmar Simons

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