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Prignitz Unter Windrädern in die Freiheit entlassen
Lokales Prignitz Unter Windrädern in die Freiheit entlassen
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00:20 13.11.2017
Da fliegen sie hin, zur Freude von (v.l.) Heinz-Otto Voß, René Burghardt, Karsten Neumann und Rüdiger Jach. Quelle: Bernd Atzenroth
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Neu Krüssow

Irgendetwas hielt die gefiederten Freunde zunächst zurück – wahrscheinlich war es das doch sehr ungemütliche Wetter, das den Verbleib im Käfig attraktiv erscheinen ließ. Wer will denn auch schon freiwillig aus einer überdachten Behausung hinaus, wenn einem der Wind entgegenweht und der Regen auf die Nase rieselt? Schließlich wagten sich die 20 Rebhühner nach und nach in die neue Freiheit, die sie jetzt irgendwo zwischen Neu Krüssow und der Autobahn 24 auf freiem Feld erst einmal für sich entdecken müssen. Für die Deckung, die die Tiere dringend benötigen, bietet sich dort eine langgezogene Böschung gut an, während sich in einiger Entfernung im Hintergrund die Windräder drehen.

Zwei Ketten aus dem Käfig gelassen

20 Rebhühner – das ist genau eine Kette, die aus zwei alten und 18 Jungtieren besteht. Das war nur eine Hälfte der Vögel aus der Aufzuchtstation im Pritzwalker Hainholz, die am Freitag zur Auswilderung anstanden. Zuvor schon waren etwa eineinhalb Kilometer entfernt 20 weitere Rebhühner aus dem Käfig gelassen worden. Rüdiger Jach von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in Pritzwalk freute sich, dass dieser Termin zustandegekommen war. Es handelte sich hierbei um eine Ausgleichsmaßnahme für den Wegebau zu einer neuen Windkraftanlage, die von einer Firma aus Bad Doberan errichtet wird. Als deren Vertreter war René Burghardt beim Termin dabei. er hält die Auswilderung für eine „super Sache“. Möglich wurde dies, weil es auf dem WKA-Gelände auch ein kleines Stück Grünland gibt. In der Sache habe es auch eine gute Zusammen arbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis gegeben, sagte Rüdiger Jach. Er kann sich vorstellen, dass es künftig ähnliche gemeinsame Projekte zur Auswilderung von Rebhühnern gibt. Auch Burghardt betonte, dass „wir die letzten sind, die Nein sagen würden.

Über die Aufzuchtstation der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald

Ziel der Aufzucht ist die Wiederansiedlung und Bestandssicherung der Rebhühner in der freien Natur. Ausgewildert werden die Vögel an dafür geeigneten Stellen.

Insgesamt 400 Rebhühner wurden in diesem Jahr schon aus der Aufzuchtstation verkauft – mehr als im Vorjahr. In den nächsten Wochen sollen weitere 60 folgen. Trotzdem soll die Zahl der Rebhühner in der Aufzuchtstation, so Rüdiger Jach, „ein bisschen reduziert werden“.

Ebenfalls bei der Auswilderung dabei waren der zuständige Jagdpächter Heinz-Otto Voß sowie der Leiter der Waldnaturschutzwacht, Karsten Neumann. Dieser betonte die Notwendigkeit, sich mehr um die gefährdeten Niederwildbestände zu kümmern. Er hinterfragte aber auch, wie nachhaltig eine solche Auswilderung ist. Darauf schilderte ihm Jach seine positiven Erfahrungen, so mit der letzten derartigen Aktion im Frühjahr bei Schönhagen, als die Tiere auch unweit von Windkraftanlagen ausgesetzt wurden. „Das hat funktioniert. Als ich neulich vor die Haustüre trat, habe ich zu meiner Freude eine Vielzahl Rebhühner gesehen.“ Sie sind also immer noch in Schönhagen.

Von Bernd Atzenroth

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