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Prignitz Vehliner Urgestein hatte nie Lust auf Politik
Lokales Prignitz Vehliner Urgestein hatte nie Lust auf Politik
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00:17 05.06.2016
Annegret Graf und Wilhelm Hamel-Zitscher vor dem Vehliner Gemeindehaus. Quelle: Sandra Bels
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Vehlin

Mit seinen 81 Jahren ist Wilhelm Hamel-Zitscher der älteste Mann in Vehlin und Urgestein des Ortes. Zusammen mit seinem Zwillingsbruder Ulrich erblickte er im Haus der Eltern das Licht der Welt. Ulrich zog später in den Westen. Wilhelm blieb.

Nach der Schule arbeitete er in der elterlichen Landwirtschaft. Da war er 14 Jahre. Später fand er eine Anstellung im Volksgut Vehlin, erst im Schweinestall und dann auf dem Feld. In Vehlin lernte er auch seine Frau Dorothea kennen, die damals nur 100 Meter entfernt von ihm wohnte. Sie zog 1960 auf den Hof zu ihrem Mann. Der war bis zur Wende im Volksgut tätig. „Danach hatte ich ein Riesenglück und konnte in den Vorruhestand gehen“, erzählt der Vehliner, der eigentlich nie Lust auf Politik hatte, dann aber doch lange Zeit Lokalpolitiker war.

Respekt vor der Arbeit

„Ein halbes Jahr vor der Wende wurde ich Gemeindevertreter“, erzählt der Senior. Erster Bürgermeister von Vehlin nach der Wende war Ulrich Sietmann. Ihm folgte Hermann Jennrich. Sein Nachfolger wurde 1993 Hamel-Zitscher. „Ich hatte damals großen Respekt vor der Arbeit, weil ich ja nur die Dorfschule besucht hatte“, sagt Hamel-Zitscher. Er besuchte deshalb Lehrgänge für Verwaltung, um sich auf die Arbeit vorzubereiten.

Bis 2001 leitete er die Geschicke in Vehlin. Dann wurde Annegret Graf erst von den Gemeindevertretern zur Bürgermeisterin gewählt. Später wurde der Ortsvorsteher-Posten daraus. Sie hat ihn bis heute inne.

„Es war für uns damals großes Glück, dass sich Frau Graf dazu bereiterklärt hat“, sagt Hamel-Zitscher. Er stand ihr jederzeit mit Rat und Tat zur Seite und ist auch heute noch Ansprechpartner für sie. Die gebürtige Hamburgerin lebt seit 1995 im Ort, zwischendurch auch in Kassel und Neustadt. „Wir suchten damals ein Haus auf dem Land und wurden in Vehlin fündig“, erzählt sie und fügt an: „Wir fanden es von Anfang an schön hier.“ Wie sie sind noch weitere zehn Familien nach der Wende zugezogen. Allen sei es wie Annegret Graf gegangen, hat sie aus den Gesprächen mit ihnen erfahren.

Die Vehliner Sportskanonen

Sie zählte damals auch zu den Gründern der Vehliner Sportskanonen. Es gibt sie immer noch, aber ihre Mitgliederzahl hat sich auf acht Aktive reduziert. Wilhelm Hamel-Zitscher hatte die jungen Leute damals dazu bewegt, sich zusammenzutun und etwas für die Kinder zu machen. Das funktionierte auch über Ein-Euro-Jobs. So gab es Projekte für die Kinder wie Sportfeste und Ferienbetreuung. „Die Gründung der Sportskanonen war eine Bereicherung für unser Dorf sowohl für Jung als auch für Alt“, lobt Wilhelm Hamel-Zitscher die Arbeit der Ehrenamtler heute noch.

Die Sportskanonen machen weiter, aber eben reduziert. Die Kinder von damals sind inzwischen erwachsen und meistens aus dem Haus gegangen. Der demografische Wandel macht auch den Vehlinern zu schaffen. Neue Leute im 68 Einwohner starken Dorf zu motivieren, sei nicht ganz einfach, so Annegret Graf. Sie freut sich aber sehr darüber, dass die Nachbarschaftshilfe im Dorf funktioniert. Meist sind es die Kinder, die mit anpacken, oft aber auch Nachbarn. Die Ortsvorsteherin bedauert es sehr, dass der Verkaufswagen Bauer aus dem benachbarten Schönhagen seit dem 1. Januar dieses Jahres nicht mehr unterwegs ist. Für viele ältere sei das eine wichtige Einkaufsmöglichkeit gewesen, sagt sie. Zum nächsten Supermarkt in Glöwen sind es acht Kilometer, nach Kyritz sogar 20. Für Leute, die nicht mehr mobil sind, sei das ungünstig, so die Ortsvorsteherin. „Aber wenigstens kommt der Bäckerwagen noch zweimal pro Woche und es gibt einen Spargelverkauf“, fügt sie an.

Von Sandra Bels

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