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Vehlower gärtnern seit 30 Jahren

Oase hinterm Wohnblock Vehlower gärtnern seit 30 Jahren

Der Gartenverein „Am Neubau“ in Vehlow besteht seit 30 Jahren. Es gibt in der Gemeinde Gumtow keinen vergleichbaren Verein. Entstanden waren die 18 Parzellen hinter dem Neubaublock einst aus den Hausgärten, die den Mietern bei der Eröffnung des Wohnblocks im Jahr 1967 übergeben worden waren.

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Petra Kummer (l.), Ella Ziehl (2.v.l.) sowie Karin und Ernst-Albert Kallies leiten die Geschicke des Vereins.

Quelle: Sandra Bels

Vehlow. Der Kleingarten lebt – in Vehlow schon seit 30 Jahren. Der gemeinnützige Gartenverein „Am Neubau“ ist dazu noch der einzige seiner Art in der Gemeinde Gumtow. Die 18 Parzellen entstanden vor drei Jahrzehnten aus einer Brache, die 6000 Quadratmeter groß war. „Es war ein schwerer Anfang, vor allem ohne Wasser, Strom und Gartengeräte“, erzählt die heutige Vereinsvorsitzende Ella Ziehl. Ursprünglich waren es Hausgärten, die im Jahr 1967 mit der Übergabe des Vehlower Neubaublocks den damaligen Mietern zur Bewirtschaftung übergeben wurden. „In den 80er Jahren hatten Hausgärten ohne einen Verein im Hintergrund aber keine Zukunft mehr“, sagt Ella Ziehl. So wurde 1985 auf Initiative des Kreisverbandes vom Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK) und des Ausschusses der Nationalen Front die zehnte Gartensparte gebildet – die Vehlower. 19 Mitglieder gehörten ihr damals an. 40 wurden es. Vorsitzender war Ernst-Albert Kallies.

Zwei Jahre nach der Gründung begannen die Erdarbeiten für den Bau der Wasserleitung, des Pumpenhauses und die Verlegung der Stromkabel. Die Anschlüsse zu den einzelnen Parzellen hatten die Pächter damals übernommen. Sie bauten außerdem Lauben, Hühner- oder Kaninchenställe und Taubenschläge.

Ernst-Albert Kallies erinnert sich noch ganz genau an die Anfangszeiten. Die Gartensparte sei damals innerhalb des Wettbewerbs „Schöner unsere Städte und Gemeinden – Mach mit!“ der Nationalen Front entstanden. Damals wurde das angebaute Obst und Gemüse auf dem Markt verkauft. „Dadurch kam auch Geld in die Vereinskasse“, sagt Kallies. Er erinnert sich aber auch noch daran, wie beliebt zum Beispiel die Vehlower Erdbeerpflanzen auf dem Markt in Kyritz waren. „Ich hatte mich kaum umgedreht, da waren sie meist schon alle weg“, erzählt er und fügt an: „Jeder Pächter hat damals etwas geliefert. Dadurch wuchs auch der Zusammenhalt.“

Verbände für alle

Eine Massenorganisation war der Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK) in der Deutschen Demokratischen Republik.

Gefördert werden sollte damit im sozialistischen Selbstverständnis die Entfaltung der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Tätigkeit seiner Mitglieder.

Der Verband hatte im Jahr 1988 rund 1,5 Millionen Mitglieder.

Neben der Sparte der Kleingärtner waren Fachbereiche wie Rassegeflügel-, Rassekaninchen-, Ziergeflügel-, Exoten- und Kanarien-, Edelpelztier-, Ziegen- und Milchschafe-, Rassehunde- und Rassekatzen- und Bienenzüchter angeschlossen.

Die Nationale Front der DDR war ein Zusammenschluss der Parteien und Massenorganisationen. Sie sollte damit Einfluss auf gesellschaftspolitische Prozesse nehmen können. Faktisch war die Nationale Front aber ein Mittel, um die Parteien und Organisationen zu disziplinieren und die Vormachtstellung der SED zu festigen. Ihr Nationalrat konstituierte sich am 7. Februar 1950.

Das Vereinsleben war bunt und vielseitig. „Wir bekamen Anerkennung von allen Seiten“, sagt Kallies, der heute dem Vereinsvorstand als Fachberater zur Seite steht. Bei Fes­ten wurden oft mehr als 120 Gäste gezählt. Aber es wurde nicht nur gefeiert. Ella Ziehl sagt: „Es gab auch Fachvorträge, zum Beispiel zum Anbau von Kulturen oder zur Verbesserung der Bodenstruktur.“ Aber auch Aktionen für die Kinder wurden organisiert und die Kleingärtner beteiligten sich an den Erntefesten in Vehlow. Der Kleingartenverein holte auch Preise. So belegte er im Jahr 2008 beim Kleingartenwettbewerb des Kreisverbandes den ersten  Platz. Damals gab es noch 15 Mitglieder. Wettbewerbskriterien waren unter anderem Ordnung und Sauberkeit der Anlage, Artenvielfalt der Flora und Fauna, Maßnahmen beim Umweltschutz einschließlich Schädlingsbekämpfung, Sortierung und Trennung der Gartenabfälle sowie Kompostierung.

Ella Ziehl bedauert es, dass durch Wegzug, Tod oder aus Altersgründen immer mehr Flächen ohne Pächter zurückblieben. Lauben und Ställe verschwanden. Aktuell hat der Verein zwölf Mitglieder. 18 Parzellen gibt es eigentlich zu beackern. Sechs sind frei und zu haben. „Nichtsdestotrotz ist unsere Anlage aber sehr ansehenswert und gepflegt“, sagt die Vorsitzende. Alle zwölf Pächter kümmern sich um die Pflege der freien Flächen. „Es ist viel Arbeit für die wenigen Leute“, sagt Ella Ziehl und lobt die Mitglieder dafür. Sie haben von ihr einen Plan bekommen. Darin steht, wer sich wann, worum kümmert.

Seit 1990 gehört der Gartenverein „Am Neubau“ zum Kreisverband der Gartenfreunde in der Prignitz in Wittenberge. Mit ihm besteht bis heute ein Pachtvertrag für das Land, auf dem sich die Gärten befinden. Es gehört der Gemeinde Gumtow. Die Kleingärtner zahlen die Pacht an den Kreisverband, der sie dann an die Gemeinde weiterreicht. 4,1 Cent sind aktuell für einen Quadratmeter Garten zu zahlen. Der Mitgliedsbeitrag im Gartenverein beträgt 25 Euro im Jahr. Zuschüsse von der Gemeinde Gumtow bekommt der Verein nicht.

Seine Vorstandsmitglieder – neben Ella Ziehl ist Karin Kallies Schatzmeisterin und Petra Kummer Stellvertreterin und Schriftführerin – freuen sich über jedes neue Mitglied in ihren Reihen. Ella Ziehl sagt, dass für sie „der Garten in der heutigen hektischen Zeit eine Stätte der Erholung und Verbundenheit mit der Natur ist“.

Von Sandra Bels

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