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Prignitz Verfahren gegen Hofreiter eröffnet
Lokales Prignitz Verfahren gegen Hofreiter eröffnet
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02:18 25.09.2016
Die Gustav-Zech-Stiftung will sich auf das Landwirtschafts- und Biogasgeschäft beschränken. Quelle: KTG
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Putlitz/Bremen

„Wir müssen eine Menge gerade biegen“, sagt Holger Römer, Pressesprecher der Bremer Gustav-Zech-Group, die kürzlich die Agrarbetriebe der KTG-Agrar aus deren Insolvenzmasse übernommen hat: „Beispielsweise müssen wir auch erst das Vertrauen der Lieferanten wieder herstellen.“ Anfang des Monats hat die Zech-Stiftung die Agrarsparte der KTG übernommen – inklusive aller landwirtschaftlicher Flächen, die noch vorhanden waren – gekauft oder gepachtet.

Wie hoch der Anteil an Pacht- zu Eigentumsflächen ist, will der Sprecher heute nicht sagen, erst in einigen Wochen sei eine Detailanalyse abgeschlossen: „Aber insgesamt haben wir 19 630 Hektar an Landwirtschaftsfläche vorrangig in Brandenburg gekauft.“ Im Gegensatz zu dem, was Ex-Vorstandschef Hofreiter Anleihegebern und Aktionären vermittelt hatte, soll der Anteil der Eigentumsflächen jedoch verschwindend gering gewesen sein: Von nur 600 Hektar ist die Rede. Der Rest sind Pachtflächen, von denen rund 3000 Hektar aus dem Bestand der Bundesvermögensverwaltung stammen.

Gegen Siegfried Hofreiter hat die Staatsanwaltschaft Hamburg ein Verfahren eröffnet. Quelle: Claudia Bihler

Nicht davon auszugehen ist, dass in den Markt für landwirtschaftliche Flächen in der Region nun mehr Bewegung kommt. Die Zech-Stiftung ist in die Verträge eingestiegen und will die Flächen auch bewirtschaften. Römer: „Als branchenfremdes Unternehmen werden wir das Management übernehmen und für den landwirtschaftlichen Teil entsprechende Experten engagieren.“

Sicher ist bereits heute, dass sich die Stiftung dabei auf das Kerngeschäft Landwirtschaft beschränken will – und auf die Produktion von Biogas. Ausflüge etwa in den Lebensmittelbereich sind nicht geplant.

50,06 Prozent der Anteile der Tochtergesellschaft KTG Energie, der 21 Biogas-Anlagen gehören, hat Zech gekauft. Als vorderste Aufgabe sehe man derzeit, die Anlagen mit Substraten zu versorgen, meint der Sprecher. Vorläufig Entwarnung gibt es deshalb für die Mitarbeiter der Unternehmen. „Die Anlagen benötigen Biomasse aus der Landwirtschaft und dafür müssen die Flächen bewirtschaftet werden. Die Zech-Stiftung bringt entsprechende Liquidität mit und als Familienstiftung steht sie grundsätzlich für ein langfristiges Investment.“

Während das operative Geschäft der KTG optimiert und wieder stabilisiert werden soll, sieht es sowohl für die Aktionäre der KTG-Rumpfgesellschaft wie für deren Anleihegeber schlecht aus, meint Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). „Sicherlich hätte man nach Investoren schauen könne, die frisches Geld ins Unternehmen schießen könnten. Aber der Investor konnte günstiger aus der Insolvenzmasse kaufen.“ Zudem wäre für eine Überbrückungsphase Liquidität nötig gewesen. Die wäre unter Umständen auch vorhanden gewesen, hätte die KTG früher Insolvenz angemeldet.

Mehrere Gläubiger und Aktionäre haben inzwischen bei der Staatsanwaltschaft in Hamburg Strafanzeige gegen den Ex-KTG-Chef Siegfried Hofreiter erstattet. In erster Linie geht es dabei um „unrichtige Darstellungen“ in den Jahresabschlüssen des Konzerns – im Klartext: um Bilanzfälschung. In Hamburg werden die Anzeigen derzeit geprüft, ob sie Gegenstand weiterer Ermittlungsverfahren sein werden. Einigen Aktionären und Anleihegebern geht das nicht weit genug. Sie gehen von Betrug und Untreue aus. Unklar ist etwa, wieso die KTG überhaupt einen derartig hohen Schuldenberg in dieser Branche auftürmen konnte. Eine Ursache soll Hofreiters ungezügelte Vergabe von Krediten an Tochtergesellschaften der KTG Gruppe gewesen sein.

Von Claudia Bihler

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