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Prignitz Vermummte Besucher bestaunen Bonbons
Lokales Prignitz Vermummte Besucher bestaunen Bonbons
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19:10 13.04.2017
Herstellungsleiter Andreas Ruff (hinten, Mitte) erklärt den Besuchern der Betriebsführung die Schmelz- und Filteranlage für die Gelatine. Quelle: Peter Geisler
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Falkenhagen

Wer bei Ayanda in Falkenhagen (Stadt Pritzwalk) hinter die Kulissen schauen will, wird gründlich unterwiesen – die Vorschriften sind streng. Die Besucher beim ersten MAZ-Betriebsausflug müssen versichern, dass sie keine ansteckenden Krankheiten haben, ihren Schmuck ablegen und eine Hygieneunterweisung unterzeichnen. Erst dann dürfen sie sich in Einwegoveralls, Mundschutz, Haube und Überschuhe hüllen. Darunter wird es ruckzuck heiß.

Die Mitarbeiter der Firma Ayanda, die zur chinesischen Sirio-Gruppe gehört, füllen Mineralien, Vitamine und Arzneien in Gelatinekapseln, erklärt Betriebsleiter Andreas Ruff. Produziert werden Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente. Millionen dieser Kapseln werden täglich eingenommen – der Name Ayanda taucht auf keiner Packung auf. Dabei hat die Firma etwa 2016 1,6 Milliarden der bunten Ovale hergestellt. „Wir gehören zu den Hidden Champions, unsere Produkte sind überall, uns kennt keiner“, sagt Ruff. Ayanda ist ein Auftragsunternehmen. Während die Suspensionen für Nahrungsergänzungsmittel in Falkenhagen entwickelt werden, bringen Kunden Arzneimittelrezepturen mit.

Durch drei Schleusen geht es in die Produktion

Durch drei Schleusen geht es in die Produktion. „Willkommen in der Hygienezone“, sagte der Betriebsleiter zu den vermummten Besuchern. In silbern glänzenden 200-Liter-Behältern warten hinter Glastüren die Füllstoffe. An jedem Fass hängt ein Zettel, der über den Auftraggeber, den Inhalt und die Mindesthaltbarkeit Auskunft gibt. Der Inhalt eines Füllstofftanks kann bis zu 80 000 Euro kosten, sagt Ruff. Die Gäste staunen.

Es geht „in die Gelatine“. In den großen Schmelztanks wird das Granulat vollautomatisch zu einer flüssigen, homogenen Masse eingeschmolzen. „Die Rezepte werden am Computer ausgewählt und automatisch zusammengeführt.“ Feinfilter verhindern, dass ungelöste Bröckchen in der Schmelzmasse bleiben. Meistens wird es hier bunt – gelb, rot, schwarz oder ocker, sagt der Betriebsleiter. „Transparente Kapseln will heute niemand mehr.“ Die Zusammensetzung der Gelatine hängt davon ab, was später in die Kapsel kommt. Enthält der Inhaltsstoff viel Wasser, muss das berücksichtigt werden.

Die Märkische Allgemeine Zeitung und die Regionalentwicklungsgesellschaft Nordwestbrandenburg starten eine neue Serie für MAZ-Abonnenten. Der erste „Betriebsausflug“ führte zur Firma Ayanda im Gewerbegebiet Falkenhagen bei Pritzwalk. Das Unternehmen ist Europas führender Lohnhersteller von Weichgelatinekapseln für Nahrungsergänzungs- und Arzneimittel.

In der „Kapelle“ treffen zum ersten Mal die Gelatine und der Füllstoff aufeinander. „Und dann werden die beiden auf dem Altar verheiratet“, witzelt Ruff. Druckleitungen führen Gelatine und Füllstoff zu Verkapselungsmaschinen. Dass diese schon recht alt sind, ist ihnen nicht anzusehen. Die flüssige Masse läuft links und rechts auf Trommeln, über die sie abgekühlt wird. Als breite Bänder zieht die Maschine sie in die Presse. Von oben läuft fein dosiert der Füllstoff herab. Während die Maschine beide Bänder zusammenpresst und die Kapseln ausstanzt, wird der Füllstoff eingespritzt, in Sekundenschnelle. Die bunten Kapseln sind ganz wabbelig, wenn sie aus der Maschine kommen. Über ein Trommelsystem werden sie vorgetrocknet. Dann kommen sie auf große Tabletts.

Es ist laut hier. 84 Dezibel, sagt der Chef. Ab 85 ist ein Gehörschutz vorgeschrieben. Den Mitarbeitern wird auf Wunsch alles gestellt. Sie arbeiten in Zwölf-Stunden-Schichten – auf eigenen Wunsch, so Ruff. Sieben Tage in der Woche wird produziert, auch an Feiertagen. 60 Prozent der Beschäftigten sind Frauen: „Sie sind gründlicher, gewissenhafter als Männer“, meint Ruff. Es wird penibel auf Hygiene und Qualität geachtet. „Die Vorschriften für Nahrungsergänzungsmittel sind die gleichen wie die für Arzneimittel“, erklärt er. In einem geschlossenen Raum arbeitet ein Kollege an einer Charge für einen italienischen Kunden – ein Medikament für Schwangere. So lässt sich verhindern, dass die Kapseln während der Produktion verunreinigt werden: ein firmeninternes Qualitätskriterium. Später kommen die Kapseln alle in die Trocknung: Bei 16,7 Prozent Luftfeuchte werden sie hart.

Qualität ist alles. Frauen sind die besseren Kontrolleure, sagt der Betriebsleiter. Quelle: Peter Geisler

Bevor sie in die Folienbeutel oder Alubehälter kommen, durchlaufen die Gelkapseln die Qualitätskontrolle – manuell und vollautomatisch. Erkennt hier die Maschine eine Deformation oder andere Unregelmäßigkeiten, schießt sie die Kapsel in Bruchteilen von Sekunden aus dem Strom. Der Ausschuss wird ausgewertet, zur Selbstkontrolle. Etwa eine Woche braucht es, bis ein Auftrag durch die Firma gelaufen ist.

Ayanda gehört nicht zu den ganz großen Herstellern, räumt Betriebsleiter Ruff ein: „Aber wir zeichnen uns durch große Flexibilität aus.“ Das hoch motivierte Team sei beweglich und offen für Neues. So etwas können andere nicht. Aktuelle Themen seien etwa halal produzierte Kapseln. „Der arabische Markt ist im Kommen“, sagt Ruff. Dann nimmt er die Besucher wieder mit durch die Schleuse nach draußen.

Organisiert haben den Betriebsausflug die MAZ und die Regionalentwicklungsgesellschaft REG. Die Führung bei Ayanda war der Auftakt einer ganzen Reihe. Die Einladung war ein exklusives Dankeschön an treue MAZ-Leser. Begleitet haben die Führung Kathrin Gottwald, Geschäftsführerin des MAZ-Regionalverlages Prignitz-Ruppin, sowie REG-Geschäftsführer Michael Müller und REG-Referent Christian Fahner.

Firma Ayanda, Falkenhagen

Branche: Pharmazeutische Industrie

Mitarbeiter: 193, darunter vier Azubis

Produkte: Nahrungsergänzungsmittel und Arzneien in Weichgelatinekapseln

Standort: Pritzwalk, Gewerbegebiet Falkenhagen

Ausbildung: Mechatroniker, Chemielaboranten, Maschinen- und Anlagenführer, Groß- und Außenhandelskaufleute, IT-Administratoren.

Kontakt: Lars Maslowski, 033986/63 67 10.

Von Beate Vogel

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