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Prignitz Viele Pflegende Angehörige lassen Geld verfallen
Lokales Prignitz Viele Pflegende Angehörige lassen Geld verfallen
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00:29 01.03.2018
Wenn alte Menschen dement werden, leben sie oft in ihrer eigenen Welt. Die orientiert sich fast immer an der Vergangenheit. Quelle: Imago
Meyenburg

Zwei Drittel der Menschen mit Demenz werden zu Hause von Angehörigen betreut. Für diese gut 75 Prozent der Demenzpatienten nehmen aber nur 25 Prozent der pflegenden Angehörigen Hilfe von außen in Anspruch.

„Sie nutzen einfach das Geld nicht, das ihnen zur Verfügung steht“, sagt Birgitta Neumann, Geschäftsführerin des Brandenburger Kompetenzzentrums Demenz. Sie und ihre Kolleginnen touren seit zwei Jahren durch die Landkreise und informieren über die Möglichkeiten, die die Pflegereform für Demenzpatienten mit sich bringt.

Auch Menschen mit Demenz sind pflegebedürftig

Vergangene Woche stellte Neumann im gut besuchten Bürgerhaus des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Meyenburg das neue Bewertungssystem für die fünf Pflegegrade vor. Diese hatten vor gut einem Jahr die drei alten Pflegestufen abgelöst. Das brachte eine ganz entscheidende Neuerung: Mit dem neuen Bewertungssystem werden auch Menschen mit Demenz als pflegebedürftig erfasst. Sie waren zuvor durchs Raster gefallen.

Wer einen Angehörigen mit Demenz zu Hause hat, kann Geschichten erzählen. Auch Birgitta Neumann hat ihren Vater zu Hause gepflegt: Zu den Symptomen der Demenz gehören neben dem schleichenden Verlust der Selbstständigkeit Unruhezustände und Verhaltensauffälligkeiten: „Mein Vater ist nachts aufgestanden und durchs Haus gelaufen, hat mein Bücherregal regelmäßig ausgeräumt“, erzählt sie. Andere Betroffene verlassen nachts plötzlich das Haus. Die Zuhörer nicken. Genau das mache es im Alltag so unglaublich anstrengend.

Positive Botschaft ist wichtig

Wichtig sei aus Neumanns Sicht, bei den Patienten das Wohlbefinden herzustellen: „Das können sie alleine nicht mehr.“ Oft reagierten sie mit Unmut, werden gar aggressiv. Um ihnen zu helfen, könne man die Situation mit einer positiven Botschaft eröffnen. Beispiel: „Wäre jetzt eine Dusche nicht schön? Dann kannst du auch den schmutzigen Pullover ausziehen.“

Um die Pflegebedürftigkeit einzuordnen, gibt es ein vielstufiges Bewertungssystem. Die Fähigkeiten der Menschen mit Demenz prüft der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK). Dabei gehe es nicht darum, was der Mensch nicht kann, sondern was er kann. „Menschen mit Demenz wurden früher gar nicht so beurteilt wie heute“, sagt Neumann. Wenn etwa jemand 30 Mal dasselbe sagte, fiel das durchs Raster. „Oder wenn einer sagt: ’Ich muss nach Hause’, und seinen Koffer packt, obwohl er doch zu Hause ist.“

Hilfe für die Helfer

Das Kompetenzzentrum Demenz hat seine Arbeit in Trägerschaft der Alzheimer Gesellschaft Brandenburg im Januar 2016 aufgenommen. Es wird über die Pflegeoffensive des Bundessozialministeriums und den Verbänden der Pflegekassen sowie dem Verband der privaten Krankenversicherung im Land gefördert.

Ein Schwerpunkt liegt im Auf- und Ausbau der Angehörigenschulung „Hilfe beim Helfen“ für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz. Dazu gibt es regelmäßig Angebote.

Jetzt werden mehr als 60 Kriterien beleuchtet. „Verhaltensauffälligkeiten und psychische Problemlagen fließen mit ein – das ist ein riesiger Fortschritt“, sagt Neumann.

Beleuchtet werden zum Beispiel die Alltagskompetenz, motorische Fähigkeiten, Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten oder Selbstversorgung. Ein Gespräch mit dem MDK können Angehörige auch allein führen.

Für die Patienten gibt es je nach Pflegegrad ein Pflegegeld, das die Angehörigen erhalten, Pflegesachleistungen, die für einen Pflegedienst abgerechnet werden können oder eben die Zuschüsse für die teilstationäre Pflege. Im ambulanten Bereich können die Leistungen auch kombiniert werden. Darauf machte Pflegedienstleiter Marko Fischer vom DRK aufmerksam: „Wer nur einen Teil der Sachleistungen abrechnet, hat noch Anspruch auf einen Teil des Pflegegeldes.“

Ohne Hilfe werden auch die Helfer krank

Darüber hinaus bietet die Kurzzeit- oder Verhinderungspflege die Möglichkeit, dass Angehörige sich erholen können. Das werde oft vernachlässigt. Niemand kann 24 Stunden einen Angehörigen pflegen. „Die pflegenden Angehörigen sind die Pflegebedürftigen von morgen“, sagt Birgitta Neumann. Je eher eine Familie das Geld für Hilfsangebote nutzt, desto länger kann der Betroffene zu Hause bleiben. Und umso besser gehe es den Pflegenden. „Und ohne Hilfe werden auch die Helfer bald krank“, sagt Neumann.

Der DRK-Pflegedienst betreut in Meyenburg und Umgebung mittlerweile 125 Patienten, von denen allein 62 an Demenz in verschiedenen Stadien leiden, informierte Pflegedienstleiter Fischer.

Beratungsnetz für Prignitz und Ostprignitz-Ruppin

Die 30 Pflegedienstmitarbeiter für die ambulante Betreuung sowie zwei Azubis werden von 30 Ehrenamtlichen unterstützt. Sie sorgen bei den regelmäßigen Angeboten im Bürgerhaus für Beschäftigung oder besuchen die Betroffenen zu Hause, wo sie mit ihnen spazieren gehen, sich unterhalten oder Spiele spielen.

Das Kompetenzzentrum für Demenz bietet in diesem Jahr 60 Schulungen wie die in Meyenburg an, so Birgitta Neumann. „Wir wollen in der Prignitz und in Ostprignitz-Ruppin ein gutes Beratungsnetz aufbauen.“ Im Gegensatz etwa zur Uckermark gebe es in den beiden Kreisen noch Nachholbedarf. Die Struktur in Meyenburg sei allerdings hervorragend, findet Neumann. „So wie hier ist das Angebot in Potsdam.“

Von Beate Vogel

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