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Prignitz Villa Maria verfällt nach und nach
Lokales Prignitz Villa Maria verfällt nach und nach
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00:17 03.07.2016
Eine alte Postkarte zeigt die Pracht, die die Villa Maria einst ausstrahlte. Vorn steht Paul Buss. Quelle: Privat
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Preddöhl

Noch immer liegt die Villa Maria im Kümmernitztaler Ortsteil Preddöhl (Amt Meyenburg) im Dornröschenschlaf. Kümmernitztals Bürgermeister Steffen Sadowski reagiert sogar ziemlich sauer, wenn er auf das Grundstück angesprochen wird: „Das Negative ist, wir als Gemeinde können nichts dagegen tun.“ Seit einem Jahr sei der Kontakt zum Eigentümer völlig abgerissen.

Sadowski sieht hier ein Manko seitens der Landesregierung: „Wir müssten auf Landesebene eine Gestaltungssatzung haben, die festlegt, wie Vorgärten und Grundstücke gepflegt werden sollen.“ Die gebe es aber nicht. „Schade, dass so ein Grundstück so verkommt und nur als Spekulationsobjekt genutzt wird.“ Jeder Eigentümer müsse aber die Verantwortung für sein Grundstück tragen. „Hinterm Zaun hört unsere Befugnis auf“, sagt der Bürgermeister. „Es ist wirklich schade drum.“

Einst eine richtige Pilgerstätte

Die einstigen Bewohner des Anwesens haben Dorfgeschichte geschrieben. Darin wohnte und wirkte Wunderdoktor Paul Cornelius Buss. Die Heilkünste des fortschrittlichen Doktors sorgten dafür, dass Preddöhl einst eine richtige Pilgerstätte war: Und so standen vor dem Preddöhler Gasthof Bredenhagen – dem heutigen Dorfkrug – vor vielen Jahrzehnten regelmäßig so viele Gespanne und Omnibusse, dass sich die Bauern beschwerten, weil sie mit ihren Milchfahrzeugen nicht mehr vorbei kamen. Noch heute erinnern sich manche ältere Preddöhler an den fortschrittlichen Heilpraktiker und Landwirt.

Paul Cornelius Buss zog einst Scharen kranker Menschen nach Preddöhl. Er hatte den Ruf eines Wunderheilers Quelle: Privat

Eine kleine Biografie hat vor Jahren der Verein „Preddöhl in der Prignitz” zusammen getragen: Der 1892 geborene Paul Buss kam demnach 1919 von Gülitz (Amt Putlitz-Berge) nach Preddöhl – mit einem Bauchladen, auf dem er Hustentropfen und Schnürsenkel anbot. Weil er als Wunderheiler sehr erfolgreich war, kam er zu Geld. 1921 baute er sich ein Lehmhaus, 1931 errichtete er die Villa Maria in der Preddöhler Dorfstraße. Er nannte sie nach seiner ersten Frau, die früh verstarb.

Einst machte das Anwesen einen herrschaftlichen Eindruck: Zur Straße hin lag ein Goldfischteich, auf terrassenförmigen Beeten waren Rosen gepflanzt. Bis 1939 war Paul Buss als Heilpraktiker tätig, dann erteilten ihm die Nationalsozialisten ein Berufsverbot. Bis dahin waren die Menschen in Scharen zu ihm gekommen: aus England, Holland, Frankreich, der Sowjetunion und anderen Ländern. Viele reiche Leute, auch Ärzte, holten seinen Rat. Doch auch Bauern mit kranken Tieren hätten sich an den Wunderdoktor gewandt. Nur die Preddöhler selbst waren nach der Überlieferung seltene Kunden.

Der Doktor selbst war nicht hoch gebildet

Aus heutiger Sicht würde man sagen, Paul Buss war ein guter Psychologe. Er hat sich wohl mit den Patienten ausgiebig unterhalten, um herauszufinden, was ihnen fehlt. Auch armen Leuten habe er geholfen. Die zahlten ihre Rechnung so manches Mal in Eiern. Im Obergeschoss der Villa hatte Paul Buss seine Praxis, nebenbei betrieb er eine Landwirtschaft. Eine Patientin war wohl auch seine zweite Frau Erika, deren Familie aus Neuruppin kam. Sie zog mit ihrer Schwester Anne nach Preddöhl. Buss selbst soll nicht hoch gebildet gewesen sein, alles Schriftliche haben wohl die Frauen gemacht.

Heute bietet das Anwesen einen traurigen Anblick. Quelle: Beate Vogel

Die Familie sei sehr fortschrittlich gewesen. So habe der Doktor nie verlangt, dass seine Angestellten zu hart arbeiten. Paul Buss wollte sogar einen Gehweg durch das Dorf bauen – was aber an den Preddöhlern offenbar scheiterte. Andere erinnern sich, dass der Wunderdoktor eine Bahnlinie nach Falkenhagen und an der Kirche eine große Schule bauen wollte. Im Oktober 1951 starb Paul Buss an einer Lungenentzündung. Zudem hatte er starke Diabetes. Er wurde in Preddöhl begraben. Die Inschrift auf seinem Grabstein, die heute ziemlich verwittert ist, gab das Lebensmotto des Freidenkers wieder: „Wohl jedes Menschen Freund, doch keines Menschen Knecht.”

Die Villa Maria ging in den Besitz der Gemeinde über, diente als Schule und als Kindergarten. Später war sie Bürgerbüro und Badeanstalt. Das große Bassin ist aber heute kaum noch zu erkennen. Seit Jahren steht die Villa leer. Ein neuer Eigentümer hat zwar die Dächer der Villa und der beiden kleinen Pavillons erneuert. Seit gut einem Jahr tat sich aber nichts mehr.

Von Beate Vogel

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