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Voller Saal bei Andreas Altmann

Perleberg Voller Saal bei Andreas Altmann

Im randvoll besetzten Trausaal des Perleberger Rathauses las der Reisereporter Andreas Altmann aus seinem Buch „Triffst du Buddha, töte ihn!“. Doch der Autor ging in seinen Gedanken und Reflexionen weit über eine Betrachtung des Religiösen hinaus. Man sollte es lassen, den Himmel nach Überzeugungen abzusuchen, sagte er.

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Andreas Altmann musste viele Bücher signieren.

Quelle: Michael Beeskow

Perleberg. Die Hütte war voll. Der Perleberger Bürgerverein hatte zur Lesung mit Andreas Altmann in den Trausaal des Rathauses eingeladen. 50 Gäste wurden erwartet, doch am Montagabend mussten alle Stuhlreserven mobilisiert werden, um jedem Gast einen Sitzplatz bieten zu können.

In dem randvollen Saal legte der Reporter und Reiseschriftsteller ungestüm los. Einleitende Worte und Begrüßungsformeln sind nicht seine Sache. „Ich halte keinen Literatur-Gottesdienst ab“, warnte Andreas Altmann. In seiner Wortwahl und auch in seiner Kritik erwies sich der Autor als nicht zimperlich. Durchweg alle Heiligen haben bei Andreas Altmann einen schweren Stand, egal welcher Religion oder welcher Weltweisheit sie angehören oder nachhängen.

Große Abneigung gegen Esoterik-Schwadroneure

Obwohl die Lesung aus seinem Buch „Triffst du Buddha, töte ihn!“ fest umrissen schien, jagten sich die Gedanken und Reflexionen weit darüber hinaus. Flott ging es vorwärts.„Ich habe mit einer Feministin zusammen gelebt“, berichtete Altmann. Seither fordere er auch eine „Deutschin“ und eine „Schafsköpfin“. Es durfte also auch gelacht werden. Altmann machte deutlich, dass er kaum etwas mehr verachtet als einen Esoterik-Schwadroneur vom Kaliber eines Paulo Coelho. Von sich selbst sagt der Buchautor: „Ich bin nicht befähigt für das Spirituelle.“ Daher fallen seine Erfahrungen, die er in einem buddhistischen Meditationszentrum sammelte, auch etwas anders aus, als in so vielen anderen Darstellungen.

Mit Witz beschreibt er, wie schwer es ist, von den allzuherkömmlichen Vorstellung frei zu kommen, dem letzten Komfort-Urlaub, dem geplanten Hauskauf und den vielen anderen Käufen. Doch nach elf Tagen in einem Zen-Kloster, in das er auf einer Indienreise zufällig geraten war, kamen die Gedanken endlich beim Ich an. „Wir werden zugedröhnt von äußeren Reizen“, kritisierte Andreas Altmann. Und: „Der Mensch braucht nur ein kleines Hotelzimmer. Doch sein riesiges Ego passt dort nicht hinein.“

„Jeder hat Scheißtage“

Das Schicksal des Menschen ist der Mensch, gehört zur Grundüberzeugung von Andreas Altmann. Man sollte es unterlassen den Himmel nach Erklärungen abzusuchen und Paradies-Pillen zu schlucken.

Zu den Exkursen gehörte eine Schmetterlings-Geschichte. Schüler beobachten in der Schule, wie ein Schmetterling sich mühsam durch den ihn noch umgebenden Kokon kämpft. Ein Schüler hat Mitleid, will ihm seinen Kampf erleichtern und öffnet den Kokon. Doch der Schmetterling stirbt, nachdem er frei gekommen ist, weil seine Flügel nicht durch das Freikämpfen gestärkt sind.

„Jeder hat Scheißtage“, meint Andreas Altmann. Man müsse aber lernen damit fertig zu werden, ohne ständig ein Schmerzmittel zur Hand zu nehmen. Auch nach dem Aufenthalt im dem indischen Meditationszentrum sagt Andreas Altmann von sich: „Ich bin kein Buddhist.“ Es gibt aber zwei Dinge, die ihm am Buddhismus gefallen. Nicht ständig nach Schuldzuweisungen zu suchen, um sich selbst zu entschuldigen. Und ein grundsätzliches Mitgefühl mit anderen Menschen, selbst dann, wenn ein Missgeschick selbst verschuldet ist.

Mit kräftigem Beifall wurde die außergewöhnliche Lesung bedacht. Am Büchertisch deckte sich die Zuhörerschaft mit Büchern von Andreas Altmann ein, der geduldig die zahlreichen Signierwünsche erfüllte.

Von Michael Beeskow

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