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Prignitz Von Dick und Doof bis Gartenzwerg
Lokales Prignitz Von Dick und Doof bis Gartenzwerg
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18:57 09.03.2017
Moderner Gartenzwerg mit Sonnenbrille. Quelle: Claudia Bihler
Struck

Mike der Hund, bellt aufgeregt, wenn sich ein Neugieriger dem Gartenzaun vor dem ersten Einfamilienhaus in Struck nähert. Respekt kann der Rüde durchaus vermitteln. Und zumindest im Dunkeln könnte es so wirken, als wenn er nicht alleine wäre, denn auf dem Strucker Grundstück sind noch ein paar Artgenossen zu sehen, die ihre Blicke in Habachtstellung über die Fläche streichen lassen.

Im Hellen freilich wird schnell klar, dass die „Artgenossen“ kaum einem Briefträger ins Bein beißen wollen. Mike ist der einzig lebendige Wachhund. „Ein bisschen anstrengend ist er“, sagt seine Besitzerin Reni Kruse, die in diesem Moment aus dem Haus kommt, und verweist ihren aufmerksamen Beschützer auf seinen Platz.

Echter und „unechter“ Wachhund auf dem Grundstück in Struck. Quelle: Claudia Bihler

Eigentlich wäre jetzt gar nicht die richtige Jahreszeit, sagt sie, noch wachse ja nichts Grünes. dennoch zeigt sie ihre Schätze gerne: Auf ihrem Grundstück in Struck fällt jedem Gast gleich ins Auge, dass sie Sammlerin ist – von Gartenzwergen und anderen Figuren.

Sie sammelt seit der Wende

Inzwischen sind es wohl mehrere Hundert Stück, die dort stehen, und darunter findet sich so manches außergewöhnliche Stück wie etwa die bekannten Komödianten Dick und Doof, die in rotem Smoking und natürlich mit Melonen ausgestattet, vor dem Haus gemütlich ein Schwätzchen halten.

Gartenzwerge, Frösche auf Kuschelkurs, Rabenvögel aus Terrakotta, Osterhasen samt Möhrenproviant aus Stroh, kleine, große, bunte, einfarbige – eigentlich gibt es in der Sammlung nichts, was es nicht gibt. „Ich sammle eigentlich schon seit der Wende solche Figuren“, sagt die Struckerin. „Damals bin ich nach Polen gefahren, und habe mir dort Figuren gekauft.“

Dick und Doof vor dem Haus haben fast Lebensgröße Quelle: Claudia Bihler

Warum sie gerade dieser Sammelleidenschaft frönt, die eigentlich heutzutage schon weitgehen aus der Mode gekommen ist? Reni Kruse denkt kurz nach, bevor sie sagt: „Vermutlich wohl, weil ich einfach ein wenig kitschig veranlagt bin. Ich mag das einfach.“

Später fällt ihr dann aber doch noch ein, was sie eigentlich an den Figuren in ihrem Garten so mag: „Wenn alles schön grün ist, und die Figuren hinter blühenden Pflanzen hervorschauen, dann finde ich das einfach schön.“

Flohmärkte ziehen sie magisch an

Zudem ist das Sammeln der Figuren eine gute Kombination mit ihrem zweiten Hobby: „Ich gehe unheimlich gerne auf Flohmärkte. Und wenn ich dort dann solche Figuren sehe, dann nehme ich sie mit.“ Das allerdings gilt nicht nur für Flohmarkt-Zwerge. In manchen Fällen lassen andere Leute ihre Figuren einfach auch mal am Abfallplatz stehen – gefallen sie der Sammlerin, nimmt sie auch diese mit.

Reni Kruse klappert gerne Flohmärkte nach weiteren Figuren ab. Quelle: Claudia Bihler

In ihrem Lieblingsstück erkennt sie sich zudem selber wieder – das ist ein winzig kleiner Zwerg, der vollständig in eine Handfläche passt. „Als ich einmal spazieren gegangen bin, habe ich seine rote Mütze durchs Gras leuchten sehen und habe ihn mitgenommen.“

Sammelleidenschaft verbindet

Ihr „Adoptivzwerg“ ist vor allem auch deshalb ihr Lieblingsstück, weil er es sich bequem gemacht hat – lässig ausgestreckt liegt er da und schmökert in einem Buch. „Ich lese selbst auch unheimlich viel“, sagt Reni Kruse. „Da fand ich ihn passend.“ Nach wie vor würde die Struckerin ihre Sammlung gerne weiter vervollständigen. „Wer also einen Zwerg oder eine Figur übrig hat, der könnte ihn mir gerne geben.“

Froschkönig küsst Froschprinzessin – was wohl dabei heraus kommt? Quelle: Claudia Bihler

Mit ihrer Sammelleidenschaft ist die Struckerin gar nicht so alleine. Schätzungen haben ergeben, dass in deutschen Gärten insgesamt rund 25 Millionen Gartenzwerge zu finden sind – Hartbrand-Wichtel, wie sie in der deutschen Amtssprache auch bezeichnet werden. Und auch historisch gesehen haben die Wichtel eine lange Vergangenheit: In der barocken Salzburger Gartenanlage des Schlosses Mirabell sind die ältesten Gartenzwerge zu finden, die bereits im 17. Jahrhundert von Johann Bernhard Fischer von Erlach aus Marmor entworfenen wurden. In der Porzellanmanufaktur in Meißen wurden sie ebenso gefertigt, wie von Johann Wolfgang von Goethe bedacht. Der ließ in „Hermann und Dorothea“ einen Gartenzwergbesitzer klagen, dass die neuste Mode die Figuren in seinem Garten unattraktiv mache, weil sie künftig glatt zu sein hätten. Die Nationalsozialisten ließen die Zwerge verbieten – als störende Eingriffe ins Landschaftsbild.

Von Claudia Bihler

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