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Wanderreiten am Gestütsweg

Wittenberge Wanderreiten am Gestütsweg

Die Landschaft ist schön: Wolfgang Schulz, Arzt und begeisterter Wanderreiter, hat sich mit Pferd und Hund auf den Weg gemacht, den 170 Kilometer langen Gestütsweg zwischen Redefin und Neustadt, entlang der Elbtalauen, zu erkunden.

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Wolfgang Schulz unterwegs: auf dem irischen Sportpferd Charlie und mit der Deutsch-Drahthaar Hündin Ottilie als Begleitung.

Quelle: Fariba Nilchian

Wittenberge. Es liegen noch ein paar Nebelschwaden über den Elbtalauen während Wolfgang Schulz die letzte der drei Satteltaschen an seinem Pferd befestigt. Die Hufschuhe trägt der braune Wallach bereits, das Navi ist am Gürtel befestigt und die wetterfest laminierte Landkarte baumelt am Sattel. „Eine dreiviertel Stunde brauche ich morgens schon, um loszukommen,“ bemisst er die tägliche Prozedur. Eine gute Ausstattung und gründliche Vorbereitung gehören beim Wanderreiten dazu. Monate zuvor hat der Arzt aus Berlin schon angefangen, die Unterkünfte für diesen Ritt zu buchen, detaillierte Landkarten zu ordern und die Ausrüstung zusammenzustellen. Ursprünglich sollte die Gruppe aus vier Reitern bestehen, doch die anderen Teilnehmer haben einer nach dem anderen abgesagt. „Der Sattel passt nicht gut“, „das Pferd ist nicht fit genug“, „die Wetterprognose“ und mehr – es gibt viele gute Gründe, sich einen Wanderritt nicht zuzumuten, aber noch weitaus mehr, ihn zu wagen – wenn man Wolfgang Schulz fragt.

Gute Aussicht – auch für den Hund

Gute Aussicht – auch für den Hund.

Quelle: Fariba Nilchian

Nun ist er allein mit seinen „Brauntieren“, dem irischen Sportpferd Charlie und seiner Deutsch-Drahthaar Hündin Ottilie unterwegs und die drei genießen es sehr. „Man wächst in dieser Zeit richtig mit den Tieren zusammen, es ist ein ganz besonderes Naturerlebnis.“ Seit sechs Jahren packt der Freizeitreiter mehrmals im Jahr die Satteltaschen, und in der Prignitz ist er nicht zum ersten Mal. „Die Menschen hier sind freundlich, die Landschaft ist einfach wunderschön und die Sandwege sind perfekt zum Reiten.“ Endlose Strecken legt er entlang der gerollten Heuballen auf den Wiesen zurück. Sein Weg führt durch menschenleere Kiefernwälder und hin und wieder durch ein ruhiges Dorf. Auf einen Einkaufsladen oder ein Café an der Strecke hofft der einsame Reiter meist vergebens, belohnt wird er aber immer wieder mit den weiten Horizonten einer einzigartigen Kulturlandschaft.

Kurze Rast und Blick aufs Navi

Kurze Rast und Blick aufs Navi.

Quelle: Fariba Nilchian

Fünf Tage plant Wolfgang Schulz für den Ritt auf dem Gestütsweg. Eine Strecke von 170 Kilometern parallel zur Elbe, die die Landesgestüte in Redefin und Neustadt Dosse miteinander verbindet. Zwischen seinen Unterkünften liegen täglich Distanzen von bis zu 45 km. Für sein durchtrainiertes Dreierteam kein Problem, auch in Berlin steigt er mindestens vier Mal in der Woche in den Sattel und ist mit seinem Pferd gut im Training. Entlang der beliebten Wanderreitstrecke gibt es eine gute Infrastruktur an Höfen, die Pferd und Reiter nicht nur eine Bleibe, sondern auch Verpflegung anbieten.

Am Abend des ersten Tages trifft Wolfgang Schulz auf eine andere Wanderreiterin. Ein Glücksfall, nicht nur wegen der netten Gespräche – sie hat den Hufschuh (einen modernen Hufeisenersatz) gefunden, den sein Wallach an dem Tag unbemerkt auf dem Weg verloren hat. Die Reiterin Birgit Kräft ist aus Schleswig-Holstein angereist, um mit ihrem Islandpferd die Prignitz zu durchqueren. Begleitet wird sie von ihrem Mann, der auf dem Fahrrad nicht immer so viel Spaß hat wie die Reiterin. Der tiefe Sand der brandenburgischen Wege ist für ihn streckenweise nur schiebend zu durchqueren.

Begegnung unter Wanderreitern

Begegnung unter Wanderreitern.

Quelle: Fariba Nilchian

Das irische Sportpferd schreitet mit seinem Reiter Wolfgang Schulz scheinbar schwerelos und entspannt durch die Landschaft. Nicht jedes Pferd bringt die körperlichen und vor allem aber die mentalen Voraussetzungen für einen Wanderritt mit. „Man kann das Pferd mit gezielten Übungen an den Straßenverkehr gewöhnen,“ erklärt Wolfgang Schulz, denn für das Flucht- und Herdentier ist es keine Selbstverständlichkeit, sich durch unbekannte Ortschaften oder auf Straßen mit schwerem Verkehr zu bewegen. „Es ist schon großartig, wie viel Vertrauen einem ein Pferd entgegenbringt,“ schwärmt der Wanderreiter. „Die Pferde haben hohe Ansprüche, geben aber unglaublich viel zurück.“

Das Pferd, ehemals ein Fortbewegungsmittel für die Wohlhabenden, wird in den letzten Jahrzehnten von einer ganz anderen Klientel entdeckt. Pferde werden für Persönlichkeitsseminare genutzt und Hippotherapie hilft bei verschiedenen neurologischen Störungen. Beim Pferdesport steht der Leistungsgedanke oft nicht mehr im Mittelpunkt, sondern die Partnerschaft zwischen Pferd und Mensch. So findet auch das Wanderreiten in Deutschland immer mehr Anhänger, die dieser Freizeitbeschäftigung in geführten Ritten oder auf eigene Faust nachgehen. Das Spektrum der Wanderreiter reicht vom Wochenendritt, bis hin zu den Weitreitern, deren Distanzen bei tausend Meilen beginnen aber auch ganze Kontinente umfassen.

Schöne Wege durch Wald und Flur

Schöne Wege durch Wald und Flur.

Quelle: Fariba Nilchian

Für Wolfgang Schulz und sein tierisches Team endet der Ritt dieses Mal verfrüht schon nach dem dritten Tag. Die neuen Satteltaschen haben gedrückt und beim Wallach eine empfindliche Stelle am Rücken gebildet. „Dann breche ich lieber gleich ab,“ entscheidet der Arzt Wolfgang Schulz. „Vor dem nächsten Ritt schau ich mir die Ausrüstung noch mal ganz genau an“. Wanderreiten ist eben eine Teamsache.

Von Fariba Nilchian

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