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Prignitz Warme Stricksachen für Bedürftige
Lokales Prignitz Warme Stricksachen für Bedürftige
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13:19 11.03.2018
Doris Sperling und Viola Karras von den Wittstocker Strickfrauen sowie Elsbeth Brockmann und Rosemarie Grätz von der Kreativ-Gruppe des Landfrauenvereins Pritzwalk (v.l.n.r.). Quelle: Björn Wagener
Groß Pankow

Schals, Handschuhe, Mützen, Socken: Die Bewohner der Obdachloseneinrichtung in Groß Pankow konnten sich über einen ganzen Tisch voller warmer Sachen freuen. Viele davon waren sogar schon zu Sets zusammengefasst. Das Besondere: Alle Stücke wurden in Handarbeit hergestellt. Von den Frauen der Wittstocker Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (WBQG) kamen fünf Paar Socken, fünf Paar Handschuhe, sieben Paar Schafwollsocken, neun Mützen und acht Schals. Die Kreativ-Gruppe des Landfrauenvereins in Pritzwalk steuerte neun Schals, acht Mützen und zehn Paar Socken bei. Alles zusammen ergab einen kuscheligen Mix für kalte Tage. Die Bewohner der Obdachlosenunterkunft hatten die Qual der Wahl. Sie konnten sich aussuchen, was sie wollten.

Acht Männer leben zurzeit in der Einrichtung in Groß Pankow, die bis zu 13 Plätze bietet. Ermöglicht wird das Ganze von einem Trägerverbund, dem die Städte Wittenberge, Pritzwalk und Kyritz sowie das Amt Meyenburg, die Gemeinde Plattenburg, das Amt Putlitz-Berge, die Gemeinde Groß Pankow und die Gemeinde Gumtow angehören. Geleitet wird die Unterkunft von Dietra Schwarz von der Arbeiterwohlfahrt Prignitz, die im Auftrag des Trägerverbundes arbeitet.

Willi Kubitze (r.) und Kurt Raiber aus der Obdachlosenunterkunft in Groß Pankow freuen sich über selbst gestrickte warme Wintersachen, die fleißige Strickerinnen aus Wittstock und Pritzwalk ihnen schenkten.  Quelle: Björn Wagener

Im Normalfall teilten sich zwei Bewohner ein Zimmer; in Härtefällen könne aber auch ein Einzelzimmer oder ein Vier-Bett-Zimmer für Familien angeboten werden – etwa nach einem Hausbrand oder ähnlichen Vorfällen, sagt Dietra Schwarz. Küche und Bad teile man sich. Für die Sauberkeit der Zimmer und des Geländes sorgten die Einwohner selbst. Für größere Einkäufe oder Fahrten zu Ämtern gibt es einen Transporter.

Wer einziehen darf, darüber entscheiden die jeweiligen Ordnungsämter. Die Bewohner müssten sich meist erst wieder an ein geregeltes Leben gewöhnen. „Viele lebten schon vorher lange Zeit am Rand der Gesellschaft“, so Dietra Schwarz. Deshalb würden die Bewohner auf ihrem Weg raus aus der Perspektivlosigkeit begleitet – etwa bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz oder der Behandlung eines Suchtproblems. Die Bewohner blieben dann mindestens vier bis zwölf Wochen.

Die Auswahl ist groß, der Bedarf auch. Quelle: Björn Wagener

„Man braucht eine gewisse Zeit, um eine Struktur ins Leben zu bekommen und Dinge zu regeln“, so Dietra Schwarz. Die Unterkunft lasse sich nicht mit Wärmestuben in Großstädten vergleichen, die meist nur für wenige Stunden genutzt werden. Vielmehr sei das Leben in der Unterkunft ähnlich einer Wohngemeinschaft. Das Haus sei eigentlich für eine kurzzeitige Unterbringung gedacht. Wer jedoch nachweisen könne, dass er sich bemüht, wenn auch erfolglos, habe Aussicht auf Verlängerung der Aufenthaltszeit. Sie kann sich unter Umständen über Jahre hinziehen.

Für die Strickerinnen ist die Aktion eine Herzensangelegenheit

So wie bei Günter Blume. Er lebt schon seit rund zehn Jahren in der Unterkunft. Über seine Perspektive macht er sich keine Illusionen. „Ich bin fast 60. Da kriegst du sowieso nichts mehr.“ Er sei bereits 1981 von Leipzig nach Groß Pankow gezogen. Der Weg, der für ihn in der Obdachlosenunterkunft enden sollte, habe mit der Trennung von seiner Frau seinen Anfang genommen. „Dann habe ich viel getrunken, keine Miete mehr bezahlt. Ja, dann war irgendwann Schluss“, erinnert er sich. Auch Willi Kubitze stammt aus Leipzig, arbeitete früher einmal beim Zirkus Berolina. Sie und die anderen haben sich in Groß Pankow eingerichtet.

Die warmen Sachen kämen gerade recht. Denn die Männer seien oft auch mit dem Fahrrad unterwegs. Die Strickerinnen freuten sich darüber, dass ihre Sachen so gut ankommen. Die Unterstützung von Bedürftigen ist für sie eine Herzensangelegenheit.

Tausende Sachen wurden bei Zanders Obdachlosenfesten verschenkt

Schon seit 2013 initiiert Doris Sperling aus Wernikow Jahr für Jahr die Strickaktionen zugunsten von Berliner Obdachlosen. Viele Hobby-Handarbeiterinnen beteiligen sich daran. Tausende warme Sachen haben sie bei den Obdachlosenfesten, zu denen Frank Zander und seine Familie regelmäßig vor Weihnachten einlädt, schon unter die Menschen gebracht. „Aber wir haben auch bei uns Bedürftige“, sagt Rosemarie Grätz von der Kreativgruppe des Landfrauen-Vereins.

Die zehnköpfige Gruppe liefere der Berliner Aktion von Doris Sperling zu. Da habe es nahe gelegen, dass man sich auch für die Unterstützung der Obdachlosenunterkunft in Groß Pankow zusammentut. „Wir bleiben am Ball. Wir finden es toll, etwas für Obdachlose und Bedürftige zu tun“, sagt Rosemarie Grätz. „Es könnten sich noch mehr Menschen engagieren, denen es gut geht. Aber wir haben eine kalte Welt.“

Von Björn Wagener

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