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"Was fehlt, ist der passende Mann"

Axel Voigt, der neue Leiter des Meyenburger Modemuseums, im Interview "Was fehlt, ist der passende Mann"

Seit dem 1. Juni ist Axel Voigt Geschäftsführer des Meyenburger Modemuseums und folgt damit als Museumsleiter Josefine Edle von Krepl. Der 37-Jährige, der an der Luther-Universität Halle-Wittenberg Archäologie und Geschichte studiert hat, kommt zwar nicht aus der Modewelt, hat aber viele Ideen für die Zukunft des Hauses.

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MAZ: Was ist Ihr Hauptanliegen, wenn Sie die Zukunft des Modemuseums betrachten?

Axel Voigt: Das Wichtigste ist, dass wir das Museum überregional bekannter machen. Es ist eine der anerkanntesten und wertvollsten Sammlungen an Privatmode. Ich denke aber, dass in weiten Teilen Deutschlands kaum jemand weiß, dass es sie gibt. Damit verbunden sind auch höhere Besucherzahlen ‒ die brauchen wir. Im Moment sind drei Mitarbeiter, auch ich, beim Trägerverein angestellt, zwei bei der Stadt. Sie alle müssen bezahlt werden.

Wollen Sie am Inhalt der Sammlung etwas ändern?

Voigt: Die Sammlung wird weiterhin wachsen, wir haben regelmäßig Anfragen, ob wir Sachspenden entgegennehmen wollen. Die Stadt Meyenburg hatte ja mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und dem Brandenburger Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur einen Teil der Sammlung gekauft und das Vorkaufsrecht für einen weiteren. Das Konzept des Museums ist stimmig: Zu einem Kleid werden Hut, Tasche, Schuhe, Schmuck und weitere Ausstattungsgegenstände gezeigt ‒ alles aus der jeweiligen Epoche und aufeinander abgestimmt. Was da noch fehlt, ist der passende Mann. Das Gezeigte ist zu 99 Prozent auf Frauen ausgerichtet. Männermode aufzunehmen, das wäre ein persönlicher Wunsch von mir.

Was bedeutet das im Detail?

Voigt: Die Dauerausstellung wird sich ein wenig verändern. Bei den Arrangements ist schon jetzt einiges anders. Wir wollen mindestens einmal im Jahr Sachen austauschen, wir haben ja ein Depot, das das hergibt.

Gibt es ganz praktische Dinge im Museumsbetrieb, die Sie ändern?

Voigt: Der Eintrittspreis wird verändert, auf Beschluss des Trägervereins. Der Gruppenrabatt wird wegfallen, auch über 20 Personen wird der Eintritt dann 7 Euro pro Person kosten. Dafür bekommen Gruppen Rabatt bei Kaffee und Kuchen. Wobei der Kuchen nicht nur selbst gebacken ist, sondern auch mit Obst aus der Region belegt ist.

Das Museum ist nicht nur für die Besucher ein einzigartiges Erlebnis, das dürfte wohl auch auf die Fachleute zutreffen?

Voigt: Ich möchte die Qualität von Josefine Edle von Krepl erhalten und zugleich die Modewelt für die Einrichtung interessieren ‒ das können aktuelle Designer sein, Modeklassen, aber auch Schneiderklassen. Hier geht es schließlich um Stoffe, Schnittmuster, Knöpfe und handwerkliche Fertigkeiten. Die Studierenden und Lernenden können hier am originalen Objekt ihre Kenntnisse vertiefen und sich Anregungen holen.

Gibt es für solche Projekte schon konkrete Vereinbarungen?

Voigt: Ich habe Kontakt mit der Modeklasse von der Burg Giebichenstein Halle aufgenommen. Die Kunsthochschule hat ein Bekenntnis zur Zusammenarbeit abgegeben. Ich will auch Modeschulen in Hamburg, Berlin und anderswo ansprechen.

Werden Sie wie Josefine von Krepl auch Stücke an andere Museen oder für Ausstellungen verleihen?

Voigt: Es gab schon Anfragen von Einrichtungen, die sich auf frühere Leihgaben beriefen. Es ist mein Wunsch ‒ und gehört zur Museumsarbeit ‒ , das weiterzuführen. Leider gibt es noch kein Konzept, was Leihgebühren betrifft.

Aber Sie kommen ja aus dem Museumswesen...

Voigt: Wir brauchen ein modernes Managementsystem zur Inventarisierung. Damit würden nicht nur alle Stücke erfasst und mit Zusatzinformationen versehen, sondern können auch in einen Kontext gebracht werden. Ziel ist, die Sammlung digital verfügbar zu machen ‒ und das verborgene Wissen, das Josefine von Krepl bewahrt hat.

Wie sieht es künftig mit den monatlichen Veranstaltungen aus, die über die Prignitz hinaus Besucher anzogen?

Voigt: Diesen Bereich will der Trägerverein übernehmen. Ich bin für die Museumsseite zuständig und dabei relativ autonom. Wobei alle Dinge, die Geld anbelangen, mit dem Verein abgestimmt werden.

Wird die Zeitreise durch die Mode von 1900 bis 1970 erweitert?

Voigt: Eigentlich nicht. Genau das ist ja unser Alleinstellungsmerkmal, dass wir die Zeit der Moderne abbilden. Wir sprechen Leute an, die sich in ihrer persönlichen Erinnerung wiederfinden. Das erlebt man in keinem anderen Museum.

Interview: Beate Vogel

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