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Wasserstoffwerk effizienter als gedacht

Falkenhagen: 2 Jahre Power to Gas Wasserstoffwerk effizienter als gedacht

Was den Wirkungsgrad betrifft, hat die Power-to-Gas-Anlage in Falkenhagen die Erwartungen der Eon übertroffen. Nach zwei Jahren zieht Projektleiter René Schoof eine positive Bilanz zur Technik, hinsichtlich der Kosten besteht noch Optimierungsbedarf. Fest steht, dass der Stromversorger bei der Energycloud des Fördervereins Autobahndreieck intensiv mitarbeitet.

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Noch sind Elektrolysen teuer – laut Experten wären aber auch die Regularien des Elektrizitätsmarktes zu optimiert.

Quelle: Claudia Bihler

Falkenhagen. „Sie läuft“, sagt René Schoof, Projektleiter der Power-to-Gas-Wasserstoffanlage in Falkenhagen, in der seit nunmehr zwei Jahren Wasserstoff mit Windstrom hergestellt wird: „Und mit einem Wirkungsgrad von rund 60 Prozent auch effizienter als gedacht: Zu Anfang sind wir von 50 Prozent ausgegangen.“

Die Wasserstoff-Anlage war vor zwei Jahren von der Eon Gasstorage als Technikum errichtet worden: Hier sollte festgestellt werden, inwiefern das Werk kosteneffizient betrieben werden kann – und ob Wasserstoff problemlos ins Erdgasnetz eingespeist werden kann. Das riesige deutsche Erdgasnetz soll als Speichermöglichkeit für überschüssigen Strom aus regenerativen Quellen genutzt werden. Auch wenn die Einspeisung ins Ontras-Ferngasnetz völlig problemlos stattgefunden hat: „Heute haben wir unseren Schwerpunkt auf einen anderen Aspekt gelegt“, sagt Schoof: „Wasserstofftechnologie kann auch die Flexibilität des Energiesystems optimieren.“ Gemeint ist, dass Wasserstoffwerke immer dann eingesetzt werden können, wenn es im Stromnetz vor allem durch Einspeisung von Strommengen aus regenerativen Quellen zu hohen Schwankungen kommt. So genannte Regelenergie kann vom Werk aufgenommen werden, wenn zu viel Strom bei zu wenig Bedarf im Netz ist, das Werk kann Energie zur Verfügung stellen, wenn Wind und Sonne ausbleiben, und der Bedarf vorhanden ist.

Edis investiert sechs Millionen

Parallel zum Power-to-Gas-Werk hatte die Edis AG als Netzbetreiber das benachbarte Umspannwerk für 2,5 Millionen Euro mit Smart-Grid-Technologien (Intelligentes Netz) ausgerüstet, um etwa ankommende Strommengen aus regenerativen Energien besser regeln zu können.

Die Regeltechnik reicht nicht aus: Die Stromnetze waren nicht als Abnahmenetze konzipiert worden, die Leitungskapazitäten sind außerdem zu klein. Für sechs Millionen Euro wird deshalb in Falkenhagen derzeit ein Umspannwerk für den Anschluss ans Höchstspannungsnetz gebaut.

Vor allem diese Regelenergie ist es auch, weshalb die Eon in Falkenhagen sehr eng mit dem Förderverein Autobahndreieck zusammenarbeitet. Gemeinsam mit dem Unternehmerverein wird derzeit an neuen Wegen für die Energieversorgung gearbeitet. „Wir müssen dabei nicht nur den Strom, sondern alle Energieaspekte betrachten: Strom, Gas, Mobilität, Power to Heat“, zählt Schoof auf. Weil die in Falkenhagen ansässige Industrie an kostengünstigen Lösungen zur Energieversorgung interessiert ist, arbeitet die Eon mit ihnen in der Energycloud zusammen. Schoof: „Ob es der wasserstoffbetriebene Gabelstapler für die Werksmobilität ist. Große Batterien in den Werken sind, um Netzschwankungen auszugleichen. Die Möglichkeit ist, dass das Furnierwerk seine Holzabfälle zu Pellets verarbeitet statt sie zu verbrennen oder der Bau einer Wasserstofftankstelle für den Nahverkehr ist – das sind Dinge, die geprüft werden.“ Zudem wird an einem virtuellen Kraftwerk gearbeitet, durch das verschiedene Erzeuger computergesteuert pünktlich die richtige Energie erhalten.

Noch ist die Wasserstofftechnologie sehr teuer. „Wenn es aber Nachfrage aus der Industrie gibt, ist absehbar, dass die heute handgefertigte Technik günstiger wird“, sagt Julian Oebel, Innovationskoordinator bei Eon Gas Storage. An dieser Stelle hinkt jedoch der Gesetzgeber noch hinterher: Im Erneuerbare Energien Gesetz sind zwar Erzeugeranlagen beschrieben, nicht aber die Entwicklung von Speichertechnologien. Oebel: „Dass Speichertechniken im industriellen Maßstab aber nicht von heute auf morgen auf den Markt kommen können, sondern Entwicklungszeit benötigen, ist auch klar. Sie sind im Gesetz allerdings nicht verankert.“

Die Eon forscht mindestens noch ein Jahr in Falkenhagen. War die Anlage noch aus Standardkomponenten für technischen Wasserstoff zusammengebaut, fließen die Erkenntnisse aus dem Projekt in die nächste Anlage in Hamburg ein. Diese ist ein Wissenschaftsprojekt und soll einen Wirkungsgrad von über 80 Prozent haben.

Von Claudia Bihler

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