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Prignitz Welle der Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge
Lokales Prignitz Welle der Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge
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00:26 21.10.2015
Das Willkommensfest wurde Sonnabend in der Perleberger Bäckerstraße gefeiert. Quelle: Jens Wegner
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Perleberg

„Wir hätten nicht damit gerechnet, dass so viele kommen”, freute sich Daniela Dörfel von der Initiative Prignitzer Frauenforum und begrüßte am Sonnabend die „Menschen aus aller Welt” in der Perleberger Bäckerstraße. Mit der Veranstaltung „Heimat-Los!-Prignitz” hatte das Prignitzer Frauenforum in Zusammenarbeit mit dem Landkreis, der Stadt Perleberg, dem CJD und vielen andern Helfern zu einem Willkommenstag für Flüchtlinge aufgerufen. Ängste sollten genommen und Gerüchte entschärft werden.

Petra von Unterberg stellte dazu ihr Restaurant „Paradies” in der Bäckerstraße 38 zur Verfügung. Draußen war eine lange Tafel aufgebaut, auf der den Gästen Kuchen, Suppe, Kaffee und Saft angeboten wurde. Leider kamen nur die, die sowieso immer helfen. Begrüßt wurden die zahlreich erschienenen Gäste mit einem kleinen Theaterstück von Chady Seubert und Daniela Dörfel. In Clownsmasken spielten sie, wie Flüchtlinge schwimmend übers Meer kommen. Bei ihrem Empfang in Deutschland werden ihnen mit „deutscher Gründlichkeit” typische Redewendungen wie „Schwamm drüber”, „unter den Teppich kehren” und „weiße Weste” symbolisch erklärt.

Kinder verschiedener Nationen spielten mit der Murmelbahn des Altstadtvereins. Quelle: Jens Wegner

Während sich die Kinder unterschiedlichster Nationen beim Spielen mit der Murmelbahn des Altstadtvereins Perleberg näher kamen, eröffnete Martin Osinski aus Neuruppin die Ausstellung „Asyl ist Menschenrecht”. „Wer sich mit Rassismus in unserer Gegend beschäftigt, kommt am Asylrecht nicht vorbei. Nehmen Sie die Ausstellung als Anregung”, forderte er auf. Die Ausstellung sei hochaktuell und gleichzeitig veraltet, denn die Zahlen der Flüchtlinge stimmten inzwischen nicht mehr. „Wir glauben, dass sich Menschen so verhalten, wie man sie behandelt”, sei für ihn der wichtigste Satz auf den insgesamt 26 Tafeln der Exposition.

Drinnen ging es mit einer Gesprächsrunde mit den Moderatorinnen Chady Seubert und Daniela Dörfel weiter. Der erste Beigeordnete des Landrats, Christian Müller, beantwortete Fragen zur aktuellen Situation hinsichtlich der Zuflucht suchenden Flüchtlinge in der Prignitz. „Der Landkreis als zuständiger Träger ist verpflichtet, im Jahr 2015 904 Asylsuchende unterzubringen. Rund 600 haben wir schon”, begann er zunächst mit den nackten Zahlen.

Die Asylsuchenden in der Prignitz werden von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) betreut, da man dort über die Kompetenz und die entsprechend ausgebildeten Sozialarbeiter verfüge. Noch vor dem Land habe man sich im Kreis entschieden, Asylsuchende nicht in Heimen, sondern in Wohnungen unterzubringen. „Das ist die beste Form der Unterbringung”, meinte er und erntete reichlich Applaus. Verschiedenste Gerüchte, die im Umlauf sind, stellte er klar. So stimme es nicht, dass Asylsuchende mehr finanzielle Unterstützung bekämen als Langzeitarbeitslose, sondern bedeutend weniger. Asylbewerber in der Perleberger Rolandhalle unterzubringen gehöre zum Notfallkonzept, dass jeder Landkreis haben muss. „Wir haben aber keinen Notfall und müssen dort auch keine Flüchtlinge unterbringen. Auch das Gerede von riesigen Lagern oder Containerdörfern ist alles Quatsch”, sagte er. Die Grundstimmung werde sehr negativ.

Die 14-jährige Ramona aus Serbien ließ sich von Jane Glaser als Tiger bemalen. Quelle: Jens Wegner

„Nutzen Sie Info-Veranstaltungen”, forderte er auf. Sollten Bürger Fragen zur Asylpolitik im Landkreis haben, können diese per E-Mail an die Adresse asyl@lkprignitz.de gestellt werden. „Gerüchte entstehen nur dann, wenn man unzureichend informiert ist”, meinte Peter Awe, der sich wünschte, dass alle Leute mehr die Tageszeitungen lesen, um sich zu informieren.

Alle Syrer wollen in die Heimat zurück

Auch die Flüchtlinge kamen zu Wort. Sie möchten die deutsche Kultur kennenlernen und wünschen sich, dass man mit ihnen spricht. Alle anwesenden Syrer wollen wieder in ihre Heimat zurückgehen, sobald dort Frieden eingekehrt ist. Ab November gib es eine Internetbörse der Awo. Wer helfen möchte, erfährt dort, wie er helfen kann. Auch Bedarfe können dort eingetragen werden. Simone Ahrend spielte Wortspiele mit allen Anwesenden. So wurde die Sprachbarriere durch Symbolik überwunden.

Von Jens Wegner

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