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Prignitz Weltenbummler auf Überraschungsbesuch
Lokales Prignitz Weltenbummler auf Überraschungsbesuch
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00:18 30.07.2016
Schritttempo für die Kinder im Dorf: Sehr viel schneller wird das uralte Auto sowieso nur selten. Quelle: Alexander Beckmann
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Brüsenhagen

Ein Hauch von großer, weiter Welt zog dieser Tage durch Brüsenhagen. Mitgebracht hat ihn Familie Zapp aus Argentinien. Sie strandete eher zufällig auf dem Weg von Berlin nach Hamburg im Dorf. Candelaria und Herman Zapp und ihre vier Kinder sind auf Weltreise – mit einer Limousine der amerikanischen Marke Graham-Paige von 1928.

Im Grunde muss Herman Zapp ständig etwas reparieren. Schon der Reifenwechsel ist eine Wissenschaft für sich. Quelle: Alexander Beckmann

Das klingt exotisch und ist es auch. Natürlich ist das Auto komplett ausgestattet. Auf dem Dach gibt es sogar ein Zelt. Dort schlafen die Kinder. Die Eltern machen es sich unten gemütlich. Das hat was.

Eile ist für Familie Zapp definitiv ein Fremdwort: Ihr Oldtimer erreicht ein atemberaubendes Höchsttempo von 50 Stundenkilometern – und geht auch immer mal kaputt. Aber er sei eben auch sehr einfach zu reparieren, versichert Candelaria Zapp. Nur einmal hätten sie bisher ein echtes Problem gehabt, als in Simbabwe der Motorblock riss. „Das hat uns zwei Monate gekostet. Aber ganz viele Leute haben uns geholfen. Es ist immer wieder unglaublich.“

Das Cockpit ist extrem schlicht, hat aber schon über Zehntausende Kilometer seinen Zweck erfüllt. Quelle: Alexander Beckmann

Man ahnt, dass diese Art des Reisens Zeit braucht. Herman und Candelaria sind vor 16 Jahren aufgebrochen und seitdem, abgesehen von kurzen Unterbrechungen, unterwegs. Mitte 20 waren die beiden, als sie eine sechsmonatige Rucksacktour quer durch Süd- und Nordamerika bis nach Alaska planten, erzählt sie. „Das war unser Traum. Wir wollten viel sehen.“ Wenige Wochen vor der Abreise bekam Herman allerdings von einem Bekannten das inzwischen fast 90 Jahre alte Auto angeboten und war hin und weg. Candelaria zeigte sich anfangs weniger begeistert: „Das fuhr nicht mal und kam auf einem Anhänger.“

Trotzdem machte sich das Paar schließlich mit dem Wagen auf den Weg, der viel länger wurde als gedacht. Statt sechs Monate brauchten die beiden drei Jahre und neun Monate bis Alaska. Statt Sehenswürdigkeiten standen bald Menschen im Mittelpunkt der Reise. „Wir haben unterwegs so viele Leute kennengelernt, jeder sagte: ,Kommt doch bei uns zu Hause vorbei!’“ Immer wieder verbrachte das Paar Tage und Wochen bei gastfreundlichen Menschen. Ein erstes Buch entstand: „Spark your dream“, zu Deutsch: „Entfache deinen Traum“. Mit Büchern und Reportagen, mit selbst gemalten Bildern und auch Filmen verdienen die Zapps inzwischen ihren Lebensunterhalt.

Und längst sind sie nicht mehr alleine unterwegs: Pampa (13) wurde in den USA geboren, Tehue (11) in Argentinien, Paloma (8) in Canada und Wallaby (7) in Aus­tralien. Die Familie und ihr Auto erregen überall Aufsehen – auch in Brüsenhagen.

In Brüsenhagen wie überall auf der Welt fand Familie Zapp für ihren Zwischenstopp herzliche Aufnahme. Quelle: Alexander Beckmann

Angesichts der Leistungsfähigkeit ihres Wagens wählen sie fast ausschließlich Nebenstraßen für ihre Tour. Am Sonntagabend bot ein Acker nahe Brüsenhagen Gelegenheit zur Rast – und zum Testen der erst kürzlich gekauften Kameradrohne. Der Erstflug verlief mäßig erfolgreich: Das Gerät landete im Geäst einer Eiche, einer hohen Eiche. Auf der Suche nach Hilfe klopften die Argentinier bei Familie Obst in Brüsenhagen. Gemeinsam versuchte man, das Fluggerät zu bergen. Diverse Versuche waren nötig, bis es gelang. Derweil zeigte sich Familie Obst gastfreundlich – wie schon so viele andere Leute in aller Welt.

Rouven Obst fand die überraschende Begegnung faszinierend: „Ich hab nicht schlecht gestaunt. Es war, als käme jemand aus einem alten Film vorbei.“

Familie Zapp brachte nicht nur einen Oldtimer, sondern auch einigen Wirbel, spannende Geschichten und zugleich demonstrative Entspannung mit ins Dorf. Die sechs Argentinier haben es nicht eilig. Für sie ist der Weg das Ziel. Und selbst Pannen gehören zum Abenteuer dazu.

Am Dienstag machte sich die Familie auf ihren weiteren Weg nach Hamburg. Von dort aus soll es durch Norwegen und Schweden vorerst bis nach Lappland gehen und vielleicht noch viel weiter.

Mehr Informationen: www.spark­yourdream.net

Von Alexander Beckmann

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