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Wenn Bilder sich über Jahre entwickeln

Pritzwalk Wenn Bilder sich über Jahre entwickeln

Die Ausstellung „Klimawechsel“ ist eine Werkschau an zwei Standorten mit vielen Bildern des Künstlers Johannes Heisig. Sie ist die erste Schau, die in der neuen Pritzwalker Museumsfabrik zu sehen ist. In der noch leeren Ausstellungshalle wirken die großformatigen Bilder sehr intensiv. Ein weiterer Teil des Schaffens von Heisig ist im alten Museum zu besichtigen.

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Museumsleiter Lars Schladitz (l.) und Johannes Heisig vor seinem bekannten Werk "Tryptichon".

Quelle: Foto: Bernd Atzenroth

Pritzwalk. Auf die Feinheiten kommt es an. Der Künstler Johannes Heisig entdeckt beim Betrachten seiner Werke selbst Details, an die er sich nicht mehr erinnern konnte. Eigentlich darf das bei einem Werk wie dem „Tryptichon“ aus der Werkgruppe „Es war einmal“ nicht verwundern. Denn immerhin hat es viele Jahre gedauert, in denen er immer wieder an dem dreiteiligen Werk gearbeitet hat, das die deutsche Einheit thematisiert.

Das „Tryptichon“ ist das vielleicht bekannteste Werk von Johannes Heisig, das ab Sonntag im Rahmen der Ausstellung „Klimawechsel“ in den neuen lichten Räumen der Pritzwalker Museumsfabrik bewundert werden kann. Dafür wurde eigens eine Zwischenwand eingezogen, um das Bild besonders gut präsentieren zu können. Heisig fand beim Betrachten seiner Arbeit Reste von Collagen. „Die Länge der Zeit, so viele Schichten, da entstehen Dinge, die ich nicht unter Kontrolle habe. Da denke ich, die müsstest Du mal wieder machen, aber ich weiß nicht, wie“, sagt der Mann, der vor einigen Jahren sein Atelier in Berlin gegen ein Domizil in der brandenburgischen Provinz eingetauscht hat. Das Bild unterliegt einem Entwicklungsprozess, von der Machart her, aber auch inhaltlich. Eigentlich ging es um die beiden Jazzmusiker, die den großen Mittelteil des Werks immer noch prägen. Die Musik, sie war schon vor der Wende ein Band, das geeignet war, die Teilung zu überwinden.

Doch mit der Zeit kam viel mehr dazu. Der Dramatiker Heiner Müller und der Dichter Gottfried Benn sind hier verewigt, man findet bei genauerem Hinschauen John F. Kennedy, Willy Brandt und Konrad Adenauer in Berlin, aber auch den ersten Mauertoten Peter Fechter und schließlich den rat- und hilflosen Polizisten im Angesicht der auf der Mauer sitzenden Menschen. Es gibt weitere Details, die man nicht auf den ersten Blick sieht, etwa eine Hommage an die damalige Ostberliner Punkszene, die Heisig für noch militanter hält als die in Westberlin, weil sie noch mehr riskiert hat. Und man findet Heisig selbst, der die ganze Szenerie von unten anstarrt.

Zur Geltung kommen auch die 16 Bilder des Krähen-Zyklus, der erstmals fast vollständig zu sehen wird. Einen Teil der ebenfalls großformatigen Bilder bekam das Publikum schon in Aschaffenburg beim ersten Teil der „Klimawechsel“-Ausstellung zu sehen. In Pritzwalk wirken sie besonders intensiv. Pritzwalks Museumsleiter Lars Schladitz hält es „für keinen Nachteil“, dass die ständige Ausstellung mit den vielen Maschinen die Pritzwalk Industrialisierung dokumentieren sollen, noch nicht eingezogen ist. Heisigs Bilder füllen jetzt ganzen den leeren und lichten Raum. Das Ganze wird auch Testlauf für die moderne Be- und Ausleuchtung in der neuen Halle. Heisig war beim Aufbau der ganzen Ausstellung ständig dabei, umgeben von einem Team, das sein Schaffen nicht nur ins richtige Licht, sondern auch an die richtigen Stellen rückte.

Den Besucher erwarten zudem viele Porträtbilder, die der passierte Maler und Vertreter der Leipziger Schule angefertigt hat. Im zweiten Teil der Ausstellung, der sich im alten Stadt- und Brauereimuseum befindet, kann der Besucher eher kleinere Bildformate finden und Bilder, die in seinem neuen Domizil entstanden sind. Pritzwalk beherbergt für zwei Monate damit nicht weniger als eine Werkschau eines der bekanntesten ostdeutschen Künstler.

Die Ausstellung „Klimawechsel in der Pritzwalker Tuchfabrik wird am Sonntag, 11. Februar, um 15 Uhr eröffnet und ist bis zum 1. April in Pritzwalk zu sehen. Später wandert sie weiter nach Cottbus und Brandenburg.

Von Bernd Atzenroth

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