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Wenn Kinder auf dem Land lernen

Baek Wenn Kinder auf dem Land lernen

Die Freie Schule in Beak ist ein Erfolgsmodell. Aus einer Initiative für ein soziokulturelles Zentrum entstanden, hat sich die Bildungseinrichtung auf dem dünn besiedelten Land etabliert. Vor mehr als 15 Jahren wurde zunächst der angegliederte Kindergarten gegründet, wenig später öffneten sich die Türen der Schule, die nach Montessori-Grundsätzen lehrt.

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Die Kleinen im Musikunterricht.

Quelle: Claudia Bihler

Baek. Wenn an der Freien Schule Baek Haustiertag ist, dann bringen im Prinzip alle Kinder die Tiere mit, die sie zu Hause haben: Im Schulhaus gibt es dann Katzen und Meerschweinchen, im Schulhof dürfen Pferde grasen. Nur einen Schulgarten hat die Schule nicht offiziell eingerichtet: „Wir haben gemerkt, dass wir hier auf dem Land eigentlich keinen Schulgarten brauchen, denn die Kinder wissen sowieso, wie Pflanzen wachsen”, sagt Schulleiterin Jana Reiche: „Fast jeder hat einen Garten daheim. Schulgärten sind eher etwas für Stadtkinder.” Mit einer Ausnahme: In Eigeninitiative haben die Schüler Blumenbeete entlang der Turnhalle angelegt.

Schulleiterin Jana Reiche ist mit der Größe der Schule zufrieden

Schulleiterin Jana Reiche ist mit der Größe der Schule zufrieden. Hier ist sie bei der individuellen Beschäftigung mit den Kindern zu sehen.

Quelle: Claudia Bihler

Als sich vor 20 Jahren die ersten engagierten Eltern trafen, um darüber nachzudenken, wo ein soziokulturelles Zentrum aufgebaut werden könnte, da scheiterte der erste Anlauf, den alten Bahnhof in Pritzwalk zu nutzen. „Doch das Netzwerk der Eltern ist geblieben”, sagt Jana Reiche, die von Anfang an dabei war. Später hat sich der Verein Landweg gegründet, dessen Vorsitzende Jana Reiche ist.

Keine Pläne für eine Sekundarstufe

2001 war es dann soweit: Erst konnte im Frühjahr der Kindergarten öffnen, nur kurze Zeit später, im August 2001, sollte die Schule die ersten Kinder aufnehmen, als freie Schule, die nach den Grundsätzen Montessoris lehrt. Sechs Kinder an der Zahl wurden damals eingeschult. Heute lernen viel mehr in Baek, wo die Schule schließlich ihr Domizil gefunden hat, klein ist sie dennoch geblieben: „Wir wollen auch nicht größer werden”, sagt die Schulleiterin – für die die geringe Größe der Schule auch ein Qualitätsmerkmal ist: „Viele fragen etwa nach, ob wir eine Sekundarstufe einrichten würden. Aber dies würde abgesehen von viel größeren Räumlichkeiten auch viel mehr Personal erfordern.” Und nachdem die Kinder erst im Kindergarten, später an der Schule vom Landweg betreut wurden, „ist es auch gut für sie, etwas anderes zu erleben und in größeren Gruppen unterrichtet zu werden”, schätzt Jana Reiche.

So können sich vor allem auch Baek und die umliegenden Dörfer darüber freuen, dass es in den entlegenen Dörfern der Prignitz noch eine echte Grundschule gibt, in der die Kinder von Klassenstufe 1 bis 6 klassenübergreifend unterrichtet werden.

Enge Kontakte zum Dorf

Dass der Kontakt zum Dorf und seinen Bewohnern besonders eng ist, ergibt sich sozusagen fast von selbst. „Am Anfang stießen wir auf vorsichtige Neugier”, erinnert sich Jana Reiche, „nachdem wir zwei Mal im Jahr zum Tag der offenen Tür mit Kinderkleider-Basar einladen, wissen nun auch alle, dass wir hier eine gute Ausbildung machen, auch, wenn vieles anders läuft als an den Regelschulen.”

Für den Sprachunterricht gibt es Lesepässe

Für den Sprachunterricht gibt es Lesepässe.

Quelle: Claudia Bihler

Der enge Kontakt zum Dorf öffnet den Kindern viele Möglichkeiten. Besuche bei den Landwirten der Region gibt es, Feldtage, bei denen nicht nur Traktor gefahren, sondern auch viel Wissen vermittelt wird. Gerade, ganz aktuell, sind Fohlen auf die Welt gekommen, denen die Kinder vom Landweg – auch die aus dem Kindergarten – natürlich einen Besuch abstatten.

Vollwertkost aus der eigenen Küche

Handwerkstage hat die Schule veranstaltet, bei denen die örtlichen Handwerker zum Beispiel Wissen übers Schmieden vermittelt haben, beim Produktionstag wurden Butter, Ziegenkäse und Marmeladen hergestellt und sogar ein Huhn geschlachtet.

Verpflegt wird in der Baeker freien Schule aus der eigenen Küche vollwertig und zum größten Teil biologisch.

Das Lehrpersonal bringt seine eigenen Kinder selbstverständlich ebenfalls mit. „Das hat zu der kuriosen Situation geführt, dass wir inzwischen in der ganzen Region bis Pritzwalk, Perleberg und Putlitz immer auch nach Miet- und Kaufobjekten suchen”, sagt die Schulleiterin: „Denn viele Mitarbeiter, die bei uns hospitiert haben, fanden es hier so schön, dass sie bleiben wollten.”

Von Claudia Bihler

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