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Wenn die Alarmanlage nicht mehr klingelt

Pritzwalk Wenn die Alarmanlage nicht mehr klingelt

Mehr Bandbreite und eine komfortablere Telefonie verspricht die Telekom auf großflächigen Anzeigen zum neuen IP-Anschluss. Das Festnetz per Datenleitung birgt jedoch Nebenwirkungen. Vor allem Nutzer von älteren Alarmanlagen und EC-Cash-Geräten sind betroffen. Analoganschlüsse werden zuerst ab- und umgeschaltet, dann folgt ISDN.

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Einbrecher könnten ungewollt von der Umstellung der Telefonie profitieren.

Quelle: dpa

Pritzwalk. Die grell-pinkfarbenen Plakate prangen an vielen Werbetafeln, und auch in den Briefkästen in der Region sind die Werbebroschüren der Telekom zu finden: Sie versprechen schnellere Internetanschlüsse zu gleichen Preisen. Auch die Telefonie werde umgestellt, auf die modernen IP-Anschlüsse. So gut das Versprechen auf einen neuen DSL-Anschluss klingt: Es gibt auch heikle Nebenwirkungen. Insbesondere Besitzer von Alarmanlagen älteren Baujahrs sind betroffen oder auch jene Nutzer, die sich für den medizinischen Notfall darauf verlassen, dass ein automatischer Notruf über Festnetz abgesetzt wird.

Bisher wurden Telefone und die Wählapparate von aufgeschalteten Alarmanlagen und ähnlichen Einrichtungen durch Strom aus dem Telefonnetz gespeist. Während die analogen Anschlüsse diesen direkt aus der Leitung bezogen, wurde bei den ISDN-Anschlüssen ein sogenannter NTBA zwischengeschaltet – dieser hat bei Geräten mit höherem Stromverbrauch wie eine Art Netzteil gewirkt.

Einige Alarmanlagen werden nicht mehr nutzbar sein

Einige Alarmanlagen werden nicht mehr nutzbar sein.

Quelle: Peter Geisler

Mit dem Wegfall der alten Leitungen fällt nun aber auch die Stromversorgung aus dem Telefonnetz weg. Die geringe Energie, die die modernen Übertragungsarten benötigen, reicht demnächst nicht mehr aus, um Geräte älteren Baujahrs mit Strom zu versorgen. Was zudem alle Kunden betrifft: Sobald es einen Stromausfall gibt, funktionieren auch die Telefone nicht mehr, die über einen Router laufen – es sei denn, der Router wird über eine Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) als eine Art Notfall-Akku mit Strom versorgt.

Bei Matthias Adam, Niederlassungsleiter der Pritzwalker Power-GmbH, laufen derzeit zahlreiche Anfragen wegen der bevorstehenden Umstellung auf: „Wir haben zwar unsere Leitstelle für die neue Technik umgestellt und bieten jetzt alle heute möglichen Aufschaltungen an. Wer eine ältere Alarmanlage besitzt oder anderweitig auf eine Wähleinrichtung angewiesen ist, sollte sich bei einem entsprechenden Unternehmen informieren, auch in der Region gibt es solche Anbieter.“ Manche Alarmanlagen können zwar aufgerüstet werden, andere können nur noch intern per Wlan als Hausnotruf verwendet werden. Einige werden aber nicht mehr nutzbar sein, worauf auch die Telekom in ihrem Blog hinweist. Adam: „Man schraubt aber auch an einen alten Handwagen eben auch keinen neuen Motor.“

Der Weg führt selten zurück

Bisher konnten Kunden den neuen IP-Anschluss der Telekom selbst bestellen und die Bestellung innerhalb von vier Wochen rückgängig machen. Bei Problemen führte in der Praxis jedoch selten ein Weg zurück. Betroffen sind jedoch nicht nur solche Telefonkunden, die willentlich ihren Telefonanschluss auf das neue Telekom-Angebot umstellen. „Es werden auch Anschlüsse im Hintergrund umgestellt, ohne dass der Kunde es zunächst merkt“, sagt Adam. „Vermutlich innerhalb des nächsten Jahres wird in der Region die Analogtelefonie komplett wegfallen. Wer heute einen ISDN-Anschluss hat, wird wohl ein Jahr länger Zeit haben, sich darauf vorzubereiten.“

Aufmerksam sollten auch jene Telefonnutzer sein, die einen älteren Router besitzen: Die Telekom informiert auf ihren Seiten oder unter Tel. 0800/5 51 15 00, welche weiter nutzbar sind und welche nicht. Überprüft werden müssen auch Fahrstuhlnotruf-Anlagen oder EC-Cash-Geräte auf ihre Tauglichkeit.

Mehr Platz für Datenverkehr

Der Grund für die Telekom, die Umstellung auf die IP-Anschlüsse durchzuführen, sind einerseits Kostengründe: Die alten zentralen Vermittlungsstellen werden nicht mehr benötigt, alles läuft über die DSL-Vermittlungsstellen. Zudem macht die Abschaltung der Telefoniefunktion auf den Leitungen Platz für einen schnelleren Internetzugang: Beanspruchte die Telefonie bisher viel Leitungskapazität, reicht in Zukunft ein ganz geringer Anteil. So wird auf Leitungen mit schlechter Bandbreite Platz für den Datenverkehr geschaffen.

Nach wie vor gibt es offene Fragen. Wer bislang von einem Festnetzgerät die Notrufnummern 110 oder 112 gewählt hat, wird heute noch automatisch zur zuständigen Leitstelle geschaltet – in der Region ist dies Potsdam. Durch den Wegfall der Vermittlungsstellen ist dies aber offenbar nicht mehr automatisch geregelt.

Für Kunden anderer Anbieter ändert sich nicht sehr viel. Die Provider nutzen bereits heute den Übertragungsweg über DSL und haben dazu in der Regel lediglich Kapazitäten bei der Telekom erworben. Die Nutzer telefonieren dann bereits jetzt über einen der neuen IP-Anschlüsse.

Von Claudia Bihler

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