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Wenn die Prignitz unter Wasser steht

Perleberg Wenn die Prignitz unter Wasser steht

Katastrophen in der Prignitz: Starke Unwetter, tagelanger Stromausfall, Hochwasser, Großbrände, Verteidigungsfall – jedes dieser Ereignisse kann zu einer Krisensituation werden. Doch die Behörden sind vorbereitet. Sie erarbeiteten Pläne, organisieren regelmäßig Übungen und tauschen sich. Trotzdem sollte jeder Bürger für den Fall der Fälle vorbereitet sein.

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Hochwasser an der Elbe in Wittenberge: Eine Krisensituation im Landkreis Prignitz, die es so zuletzt im Jahr 2013 gab, aber jederzeit wieder zur Realität werden kann.

Quelle: Andreas König

Perleberg. Starke Unwetter, tagelanger Stromausfall, Hochwasser und Großbrände bis hin zu einem Verteidigungsfall: Fast jedes dieser Ereignisse kann zu einer Katastrophe führen. Darauf müssen die Behörden vorbereitet sein. In der Prignitz finden daher regelmäßig Übungen, Fort- und Weiterbildungen sowie eine partnerschaftliche Zusammenarbeit statt, berichtet Erich Schlotthauer vom Brand- und Katastrophenschutz des Landkreises. Die Kreisverwaltung selbst hat als Untere Katastrophenschutzbehörde die Oberhand im Ernstfall. Demnach entscheidet auch der Landrat nach einer Beratung durch fachkundige Mitarbeiter über das Ausrufen eines Katastrophenfalls.

Ab wann ein Vorfall zu einer Katastrophe wird, ist nicht immer klar definiert. Anhaltspunkte bietet aber das Brand- und Katastrophenschutzgesetz. „Wir als Untere Katastrophenschutzbehörde sind grob gesagt für die vorbeugenden und abwehrenden Maßnahmen zuständig. Das betrifft zum einen die Gefahrenabwehr und zum anderen die technische Hilfeleistung unterhalb der Katastrophenschwelle“, sagt Erich Schlotthauer. Anhand der Katastrophenschutzverordnung arbeite man innerhalb eines Stabs. Dort laufen dann alle Fäden zusammen. Dieser Stab legt auch den Anfang und das Ende einer Katastrophe fest, so Schlotthauer.

Regelmäßige Übungen mit benachbarten Kreisen

Anders als in benachbarten Landkreisen hat sich das erarbeitete Konzept in den letzten 18 Jahren mehrfach bewährt. „Sechsmal kam unser System bereits zum Einsatz“, so der Leiter des Brand- und Katastrophenschutzes der Kreisverwaltung. Nicht zuletzt bei dem Schneechaos im Jahr 2010 und dem Hochwasser an der Elbe im Jahr 2013. Der Vorteil am Standort Perleberg sei, dass Räumlichkeiten zentral zur Verfügung stehen. So hat man in der Feldstraße einen großen Lagerraum und mehrere Besprechungsräume sowie eine Funkmeldezentrale, die ehemalige Leitstelle, die in Krisensituationen und bei einem Ausfall der Leitstelle in Potsdam noch voll funktionsfähig ist. Des Weiteren gibt es eine Vielzahl an unterstützender Technik, darunter ein Einsatzleitwagen mit Satellitentelefon. Besonders ist auch, dass die Kreisverwaltung mit einem Notstromaggregat versorgt werden kann.

„Mit dem System in der Prignitz gehen wir bundeseinheitlich vor. Trotzdem grenzt die Region an vier verschiedene Bundesländer, wo es separate Systeme gibt. Das föderale System ist also nicht immer förderlich“, so Erich Schlotthauer. Um trotzdem bestmöglich vorbereitet zu sein, finden regelmäßig Übungen, zum Teil auch mit benachbarten Landkreisen, statt. „Wir arbeiten eng auf Kreisebene mit den Kommunen und zusätzlich mit unseren Nachbarn zusammen. Alle sollen wissen, was auf sie zukommen kann und worauf sie vorbereitet sein müssen“, sagt Schlotthauer.

Perleberg: Schwerpunkt bei Stepenitz und Wald

Zwar obliegt die Untere Katastrophenbehörde dem Landkreis, doch können auch die Städte aktiv mitwirken – sie haben ihre ganz eigenen Aufgaben im Katastrophenfall. „Die Alarm- und Ausrückordnung der Feuerwehren sind unsere Pläne für die Kräfte und Mittel bei unterschiedlichen Ereignissen. Zunächst ist ein Katastrophenfall nicht immer abzusehen“, berichtet Volker Lehmann, Stadtbrandmeister der Feuerwehr in Pritzwalk. So können eigene Möglichkeiten schnell an ihre Grenzen kommen, woraufhin weitere Maßnahmen über den Landkreis ergriffen werden können. Die Städte sind nämlich im Fall der Fälle da, den Bürgern beiseite zu stehen und Anlaufpunkte zur Notversorgung zu geben.

So auch in Perleberg: „Wir haben konkrete Pläne, was wann im Katastrophenfall zu tun ist, von der Schließung bis hin zum Schichtdienst in der Stadtverwaltung“, sagt Uwe Schleich vom Brand- und Katastrophenschutz der Stadt Perleberg. Der Schwerpunkt liegt unter anderem bei der Stepenitz und dem Wald. Dafür hat man Unterlagen erarbeitet. Darin aufgegriffen ist auch die Versorgung mit Treibstoff und Strom öffentlicher Einrichtungen und Dienstleister wie das Krankenhaus, die Polizei und die Feuerwehr.

Jeder Bürger soll vorbereitet sein

Des Weiteren setzt sich aus einigen der 134 Feuerwehren im Landkreis von den elf kommunalen Trägern ein sogenannter Katastrophenzug zusammen. So werden Feuerwehrfahrzeuge im Katastrophenfall zusammengezogen, sodass aber trotzdem die Einsatzbereitschaft in den einzelnen Ortschaften erhalten bleibt. Erste Gedanken über derartige Maßnahmen machte man sich allerdings erst nach der Wende, weiß Uwe Schleich. Das sei auch in der Zukunft wichtig, sodass man mit den Gegebenheiten weiter mitgeht.

Doch auch privat sollten die Bürger auf derartige Situationen bewusst vorbereitet sein, sind sich die Vertreter der Behörden einig. Selbstschutz sei das A und O. Dazu zähle unter anderem ein Vorrat an Nahrungsmitteln, Wasser und Medikamente zu Hause, ein batteriebetriebenes Radio und Taschenlampen. „Jeder Bürger sollte mehr für sich selbst sorgen und Eigeninitiative zeigen“, sagt Erich Schlotthauer. Informationen zu Krisensituationen gebe es demnach in sogenannten Apps auf dem Smartphone oder im Fall der Fälle über das Radio. Zwar sind Anzahl und Auswirkungen von Katastrophenfällen sehr unterschiedlich und machen Prognosen und das Vorhersagen schwierig. Trotzdem kann es jederzeit zu solchen schwerwiegenden Ereignissen kommen, was jedem Bürger bewusst sein sollte.

Von Marcus J. Pfeiffer

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