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Prignitz Wiedersehen am Elbestrand
Lokales Prignitz Wiedersehen am Elbestrand
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02:15 22.05.2017
Gelungenes Anlegemanöver: Bürgermeister Oliver Hermann heißt die Crew mit Klaus Barzel (r.) in Wittenberge willkommen. Quelle: Andreas König
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Wittenberge

Fast wie eine Schiffsglocke klingt es, als Siegfried Konjack mit einer Kette gegen das rot-weiße Seezeichen Markierung am Elbufer schlägt. Die metallischen Töne gelten einer weit gereisten älteren Dame, der MS „Klostersande“. Seit Wochen befasst sich Siegfried Konjack, einst Mitinitiator der Städtepartnerschaft zwischen dem schleswig-holsteinischen Elmshorn und Wittenberge, mit dieser Hafeneinfahrt. In Wittenberge zur Seite steht ihm sein langjähriger Freund Bernd Gerhardt, der es sich natürlich auch nicht hat nehmen lassen, das Schiff zu begrüßen.

„Piratenboot“ muss umschifft werden

Es dauert ein wenig, ehe das 55 Meter lange und 6,60 Meter breite Schiff an der Kaimauer im Nedwighafen anlegen kann. Zunächst muss die Klostersande ein an ein Piratenschiff erinnerndes Boot umschiffen, das ebenfalls im Nedwighafen vor Anker liegt. Doch das ist keine größere Hürde, und so können die Kapitäne Günter Holtz und Klaus Hammer die Klostersande sicher andocken. Der Wittenberger Bürgermeister Oliver Hermann hat ein Fläschchen „Fährmann Hildebrand“ als Begrüßungsgeschenk dabei, dass Klaus Barzel vom Förderverein „MS Klostersande“ stellvertretend für die neunköpfige Crew entgegen nimmt.

Wegefährten von einst kommen zum Empfang

Einige Schaulustige haben sich eingefunden, um den zum Eventschiff umgebauten einstigen Getreidedampfer auf seiner letzten großen Fahrt zu sehen. Zu ihnen gehört Maritta Hennig, die ehemalige Betreiberin des „Ratskellers“ in Wittenberge. Sie möchte das Schiff und die Gäste aus Elmshorn sehen. „Früher kehrte die Mannschaft regelmäßig bei uns ein“, sagt sie. Auch Siegfried Luft, der ehemalige Wittenberger Bürgermeister, kommt in den Hafen. Er hat die „Klostersande“ schon einmal vor 27 Jahren in Wittenberge begrüßen können. „Ich freue mich sehr“, sagt er, als er das Schiff einlaufen sieht.

„Mensch Günter, kennste mich noch?“

Noch größer ist die Freude bei Alfred Benecke. Der frühere Maschinist im VEB Getreidewirtschaft kennt die Klostersande noch aus deren aktiver Zeit, als sie Hafer und anderes Getreide aus der DDR nach Elmshorn holte, um sie für die Produktion im Familienunternehmen Peter Kölln zu nutzen. „Mensch Günter“, sagt er zum Kapitän, „kennste mich noch?“ Die beiden tauschen Erinnerungen aus.

Von Grenzsoldaten streng bewacht

„Ab Cumlosen, nachdem wir die Grenze passiert hatten, wurden wir von Polizeibooten begleitet“, sagt der Kapitän. Im Hafen selbst kamen mehrere Grenzsoldaten an Bord. „Neun Mann, glaube ich“, sagt Günter Holtz. Sie durchsuchten unter anderem den Frachtraum samt Getreideladung nach Menschen, die ja eventuell hätten versuchen können, im Schiffsbauch als blinde Passagiere in den Westen zu fliehen. „Aber derartige Zwischenfälle gab es in all den Jahren keine“, sagt der Kapitän. Wenn die Klostersande oder ihr Schwesterschiff „Korngarbe“ dann im Wittenberger Hafen lag, flammten nachts Suchschweinwerfer auf, um jede verdächtige Bewegung zu verfolgen.

Vielleicht fährt die MS „Klostersande“ weiter

Heute sind von all dem nur noch Erinnerungen übrig. Der Frachtraum beherbergt jetzt eine Bühne und eine Trauecke, in der Paare den Bund der Ehe eingehen können. Auch eine Küche und moderne Sanitäranlagen gibt es. Zwar ist es offiziell die letzte Fahrt der „Klostersande“, doch damit will sich die Crew noch nicht ganz abfinden. „Vereinsziel ist es, dass sie fährt“, sagt Günter Holtz. Doch zunächst einmal muss sie die nächste technische Untersuchung überstehen.

Shantychor gibt Konzert an Bord

Für Sonnabend wird die Schiffsbesatzung gemeinsam mit anderen Elmshornern in Wittenberge erwartet. Der Wittenberger Shanty-Chor „De Buhnenkieker“ wird ab 10 Uhr ein Konzert an Bord der MS „Klostersande“ geben. Um 11 Uhr wird eine Ausstellung „Elmshorn – Stadt am Fluss“ im Rathaus eröffnet. Nach einer Stadtrundfahrt genießen die Gäste aus Schleswig-Holstein die Abschlussparty der 20. Tour de Prignitz.

Mit Getreidesäcken auf der Gangway

Ehe die Crew ihr schwimmendes Quartier und sich landfein macht, holen Bernd Gerhardt und Siegfried Konjack vier prall gefüllte Jutesäcke herbei. Sie sollen die Haferlieferungen symbolisieren, die einst innerhalb des deut-deutschen Handels von Wittenberge nach Elmshorn verschifft wurden. Ganz so gehaltvoll wie früher sind sie offenbar nicht, denn die Männer schwingen sie spielend leicht in der Luft herum, bis sie sich in Matrosenmanier auf die Gangway stellen, um noch einmal in die Kamera zu lächeln. Im Schiffsbauch fachsimpelt derweil Alfred Benecke mit der Crew und erzählt Geschichten aus der alten Zeit.

Von Andreas König

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