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Prignitz Hat Brandenburg eine Wildschweinplage?
Lokales Prignitz Hat Brandenburg eine Wildschweinplage?
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00:21 14.02.2019
Wildschweine suchen am Gut Hesterberg bei Neuruppin am Tage nach Nahrung. Im Landkreis Potsdam-Mittelmark hat es die Tiere hierfür auch schon in belebte Wohnsiedlungen verschlagen. Quelle: FotoS: Peter Geisler, Regine Buddeke
Neuruppin

Die Anfang Januar immer wieder am Tage durch Kleinmachnow und Stahnsdorf laufenden Wildschweinrotten haben nicht nur die Bewohner im Landkreis Potsdam-Mittelmark, sondern Menschen im gesamten Land Brandenburg verunsichert.

Diese Verunsicherung ist auch durch einen Vorfall von Anfang Februar bestärkt worden, als sich ein blutendes Wildschwein in Stahnsdorf in einen Friseurladen verirrte und für Chaos sorgte.

Auch eine Seniorin, die gerade mit ihrem Hund spazieren war, wurde von einem Wildschwein überrascht und umgerannt. Vorfälle, die die Frage aufwerfen, ob so etwas auch schon in den Landkreisen Prignitz oder Ostprignitz-Ruppin passiert ist – oder passieren könnte.

„Kein derartiger Fall aus der Prignitz bekannt“

Für Marco Radloff, Vorsitzender des Jagdverbands Perleberg, stellen die Vorfälle in Potsdam-Mittelmark eine absolute Ausnahme dar.

„Trotzdem die Wildschweinpopulation auch in der Prignitz unverändert hoch ist, ist mir kein derartiger Fall aus unserer Region bekannt.“

Es könne durchaus mal vorkommen, dass einzelne Wildschweine sich in die von Menschen bewohnten Gebiete verirren. Dass aber ganze Rotten in von Menschen bewohnten Gebieten auf Nahrungssuche gehen, kenne er aus Perleberg und Umgebung nicht.

Große Ackerflächen bieten Wildschweine optimale Bedingungen

Ähnliches berichtet Werner Sperling, Vorsitzender des Jagdverbands Pritzwalk. Für ihn liegt auf der Hand, warum die Tiere in Stahnsdorf und Kleinmachnow durch die urbanen Räume spazierten: „Im Gegensatz zu manchen Städtebewohnern füttern Dorfbewohner Wildschweine nicht an und locken sie in in die Orte.“

Dabei erweise sich offenbar auch der ländliche Raum mit seinen großen Ackerflächen als Vorteil zum städtischen Schutz vor Schwarzwild.

„Die Maisfelder bieten den Tieren einerseits Schutz und andererseits eine Nahrungsgrundlage. Das sind optimale Verhältnisse, sodass sie gar nicht erst in die Siedlungen vordringen, um Futter zu finden“, sagt Radloff.

Mehr Wildschweine, mehr Unfälle

Mit deutlichem Abstandwaren Wildschweine das in der Jagdsaison 2017/2018 am meisten von Jägern erlegte Wildtier. Insgesamt 89.819 Tiere wurden im Land Brandenburg geschossen. Das waren 15 Prozent mehr als in der Jagdsaison 2016/2017.

Im Landkreis Prignitz ist die Zahl der geschossenen Wildschweine im selben Zeitraum um 1,3 Prozent von 4.351 auf 4.294 gesunken.

Die Jäger im Landkreis Ostprignitz-Ruppin konnten hingegen zehn Prozent mehr Tiere erlegen, nämlich 5.263.

In ganz Deutschlandwurden in der vergangenen Jagdsaison rund 836.000 Wildschweine erlegt, knapp 42 Prozent als im Vorjahr.

Im gleichen Zeitraumblieb die Zahl der Wildschweinunfälle in Brandenburg unverändert hoch. 2016/2017 wurden landesweit 3.200 Tiere bei Verkehrsunfällen getötet, deutschlandweit der damals zweithöchste Wert überhaupt. 2017/2018 hat es mit 3.230 getöteten Tieren nur einen minimalen Anstieg gegeben. Es bleibt der fünfthöchste Wert aller Bundesländer.

Deutschlandweit ist die Zahl der bei Verkehrsunfällen getöteten Wildschweine zuletzt um rund 25 Prozent innerhalb eines Jahres von 26.180 auf 34.550 Tiere gestiegen.

Wildschweine verängstigen Neuruppiner

Auch im Landkreis Ostprignitz-Ruppin sind ähnliche Vorfälle wie in Potsdam-Mittelmark bisher ausgeblieben. In Neuruppin fand sich im März 2016 beispielsweise trotzdem ein Einzeltier auf einmal in der Innenstadt wieder.

Dennoch ein Vorfall mit absoluter Ausnahme. Trotzdem scheint zumindest der Stadtrand für die Tiere besonders beliebt zu sein. Das hat Susann Wernicke selbst erfahren, als Menschen sich nicht mehr auf den Friedhof der Stadt trauten, nachdem ein Video auf Facebook aufgetaucht war, das die Tiere dort zeigte.

Das führte 2017 sogar dazu, dass der Friedhof in der Nacht zum Jagdrevier erklärt wurde. „Das war ganz schlimm. Sie machten sich nicht nur an den Rasenflächen, sondern auch an den Gräbern zu schaffen, sodass wir reagieren mussten“, sagt die 39-jährige Friedhofsverwalterin.

Nach der „Friedhofsjagd“ kehrten die Tiere wenig später zurück. Nach Schäden von mehreren tausend Euro sorgt nun ein zum Schutz vor Wildschweinen errichteter Zaun seit November 2018 dafür, dass die Tiere draußen bleiben – mit Erfolg. Seitdem habe es laut Wernicke keine weiteren Vorfälle gegeben.

Auch MSV Neuruppin bestätigt Wildschweinprobleme

Auch das Volksparkstadion in Neuruppin hatte über Jahre Wildschweinprobleme, die dazu führten, dass der Rasenplatz nicht mehr bespielbar war.

„Der Rasen war hinüber und quasi einmal komplett umgebuddelt. Die Schäden waren so erheblich, dass der Rasen teilweise neu gepflanzt werden musste“, schildert Tino Rölz,

Geschäftsstellenleiter des MSV Neuruppin. Nun umgibt das Stadion seit Anfang 2018 zusätzlich ein Elektrozaun, der die ungebetenen Gäste auf Distanz hält – wenn der Zaun denn unter Strom steht.

„Vor einigen Monaten lag ein Schlauch auf dem Zaun und hat den Stromfluss unterbrochen. Schon waren die Wildschweine wieder da. Sie hinterlassen auch regelmäßig um den Elektrozaun deutlich ihre Spuren“, sagt der 28-Jährige.

Drückjagden sollen Wildschweinpopulation im Land Brandenburg reduzieren

Dass sich Wildschweine einmal in Prignitzer und Ruppiner Städte verirren, schließt Tobias Wagner vom Kreisjagdverband Ostprignitz-Ruppin nahezu aus: „Die Wahrscheinlichkeit ist denkbar gering, dass künftig Wildschweine über die Märkte von Neuruppin, Kyritz oder Wittstock laufen.“

Das begründet Marco Radloff vom Jagdverband Perleberg auch mit der erhöhten Zahl an Drückjagden, die es aufgrund der hohen Wildschweinpopulation gegeben habe: „Dadurch meiden die Tiere eher die Nähe zu Menschen, als dass sie sie bewusst suchen.“

Die Drückjagden seien insbesondere auch in Vorbereitung auf einen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland notwendig, die in einigen Nachbarländern Deutschlands bereits ausgebrochen ist und dort die Wildschweinbestände gefährdet.

Sorge um die Afrikanische Schweinepest

Anfang Oktober 2018 hat es Nahe des Neuruppiner Ortsteils Radensleben bereits einen Verdacht auf die Tierseuche gegeben, der sich nicht bestätigte, nachdem acht tote Wildschweine im Straßengraben entdeckt wurden. Woran sie starben, blieb offen.

Das Virus ist hochansteckend und endet für Wild-, aber auch für Hausschweine meist tödlich. „Es muss auch weiterhin stets mit einer Einschleppung nach Deutschland gerechnet werden“, sagt die Prignitzer Amtstierärztin Sabine Kramer. Deshalb sind Jäger in Brandenburg derzeit angehalten, so viele Wildschweine wie möglich zu erlegen. Dazu soll auch die sogenannte Wildschweinprämie beitragen, die landesweit zum 1. April 2018 eingeführt wurde.

Von Fabian Lamster

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