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Wildwuchs in Prignitzer Wäldern befürchtet

Landesforstreform Wildwuchs in Prignitzer Wäldern befürchtet

Die Landesregierung plant die Auflösung des Landesforstbetriebes in Brandenburg. Die Stellen von rund 500 Mitarbeitern sollen dann in die Landkreise transferiert werden. Zur einer Auflösung der Oberförstereien als Folge der Reformpläne hüllt sich das Land noch in Schweigen.

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Stefan Koepp am renaturierten Roseflussbett.
 

Quelle: Michael Beeskow

Perleberg.  „Viele haben das noch gar nicht wahrgenommen, was das Land da beabsichtigt“, erklärt Stefan Koepp, Mitglied im Bund Deutscher Forstleute Brandenburg-Berlin. „Die Landesforstbehörde soll zerschlagen werden.“ Neben der Kreisgebietsreform plant die Landesregierung auch eine Funktionalreform, also eine Umverteilung von Aufgaben.

 So soll der Landesfortbetrieb 2019 aufgelöst werden. Dass über die Folgen dieses weitreichenden Schrittes bislang kaum öffentlich diskutiert wird, hat wohl vor allem zwei Gründe. Bis vor kurzem galt laut Forstleuten der „Maulkorb-Erlass“ von Forstminister Jörg Vogelsänger, der Forstleuten untersagte, sich öffentlich zu äußern. Stefan Koepp meint zudem: „Bäume sind eben keine Wähler.“ Veränderungen in der Bildung und bei der Polizei würden von der Öffentlichkeit anders wahrgenommen.

Hoheitliche Aufgaben gehen in die Landkreise

So ist der Bund Deutscher Forstleute in Brandenburg bisher der Rufer in der Wüste, der auf die „fatalen Folgen“ der Forstreform aufmerksam macht. Der Landesforstbetrieb erfüllt im Grunde zwei Aufgaben. Er bewirtschaftet den Landeswald und sorgt dafür, dass hier die entsprechenden Einnahmen in die Landeskasse fließen.

 Aber er agiert auch als Untere Forstbehörde, die etwa über die Oberförstereien in Gadow, Bad Wilsnack und Neuruppin hoheitliche Aufgaben wahrnimmt. Das heißt, die Aufsicht über den Wald, dessen Pflege und dessen Schutz. Dieser Aufgabenbereich soll nun kommunalisiert werden. „Alles was Geld bringt, bleibt beim Land. Alles, was Kosten verursacht, geht in die Kommunen“, heißt es dazu beim Bund der Forstleute. Zur möglichen Auflösung der Oberförstereien, die sich als logische Konsequenz aus den Reformplänen ergibt, schweigt die Landesregierung. Solche Pläne werden bislang nicht bestätigt, aber auch nicht dementiert.

Die Kommunalisierung der Waldaufsicht führt unter anderem dazu, dass Kommunen selbst entscheiden können, ob sie Wald in ein lukratives Baugebiet umwandeln. Die Entscheidung ist nicht mehr bei einer neutralen Behörde angesiedelt. Wald besitzende Kommunen und Kreise werden sich dann selbst beaufsichtigen.

Land reduziert Zahl seiner Mitarbeiter drastisch

Die Landesregierung begründet die Reform mit einem Personalüberhang in der Landesforstverwaltung. Bereits seit Anfang der 1990er-Jahre läuft eine massive Stellenreduzierung. Gab es einst 11 000 Beschäftigte, sind heute nur noch 1516 Stellen übrig. Das Personalentwicklungskonzept des Landes sieht den Abbau von weiteren 500 Mitarbeitern vor. Von den etwa 1000 Stellen, die dann noch bleiben, sollen im Zuge der Forstreform noch einmal 500 den Landkreisen für die Erfüllung der hoheitlichen Aufgaben übertragen werden.

Allein in den vergangenen 15 Jahren reduzierte die Landesregierung die Mitarbeiterzahl im Landesforst um 50 Prozent. Das hat dazu geführt, dass private Waldbesitzer kaum noch beraten werden können, wie sie ihre Bestände pflegen oder aufforsten, wie sie die Holzernte ausschreiben, beklagt der Bund der Forstleute. Wenn die Landesregierung 2019 ihre Forstreform tatsächlich durchsetzt, woran für Insider kaum noch Zweifel bestehen, dann würden die Waldbesitzer ganz allein gelassen, befürchtet Stefan Koepp. „Jeder kann dann machen, was er will.“

Waldpädagogik spielt wohl keine Rolle mehr

Der Landesforst verfügt in der Prignitz nur über kleine zersplitterte Flächen, die Stefan Koepp an einer Hand aufzählen kann. Alle anderen Waldbestände befinden sich in privatem oder kommunalem Besitz. Die Waldpädagogik, die die Oberförstereien anbieten und die langgehegte Traditionen sind, „können dann wohl ganz abgeschrieben werden“, so Koepp. Eine Waldolympiade wie im Perleberger Stadtforst, an der alljährlich Hunderte von Mädchen und Jungen teilnehmen, dürfte es dann kaum noch geben.

Die Landesregierung hat inzwischen eine kleine Kurskorrektur vorgenommen. Das Landeskompetenzzentrum Forst in Eberswalde und die Zentrale Waldarbeitsschule in Kunsterspring sollen nun doch nicht abgestoßen und den Landkreisen übertragen werden. Selbst die Regierungsparteien mussten einräumen, dass es sich dabei um originäre Landesaufgaben handelt.

Von Michael Beeskow

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