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Willkommensinitiative stellt sich vor

Meyenburg: Ehrenamtliche helfen Flüchtlingen Willkommensinitiative stellt sich vor

Nach fast einem Jahr erfolgreicher Arbeit stellt sich die Willkommensinitiative Meyenburg erstmals der Öffentlichkeit vor. Zwölf Ehrenamtliche mit festen Aufgaben sichern zum Beispiel den Deutschunterricht oder Fahrdienste ab. Mitbegründer Ulrich Köhler berichtete jetzt, wo es Erfolge und wo es Probleme gibt.

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Der fünfjährige Ebrahem (l.) aus Syrien besucht seit einigen Monaten die Kita in Stepenitz, hier mit Selina und Albert.

Quelle: Beate Vogel

Meyenburg. Seit fast einem Jahr gibt es die Willkommensinitiative für Flüchtlinge in Meyenburg. Jetzt berichtete eines der Mitglieder öffentlich über die Arbeit der zwölfköpfigen Gruppe: Ulrich Köhler aus Griffenhagen erzählte den Mitgliederndes Ordnung- und Sozialausschusses am Montag, was es dabei für Probleme gibt.

Im Frühsommer 2015 hatten sich Bürger aus Meyenburg und Umgebung zusammengefunden, um zu helfen. „Amtsdirektor Matthias Habermann hatte uns angesprochen“, erinnert sich Köhler. „Ich habe sofort zugesagt, ohne zu wissen, was auf mich zukommt.“ Die Arbeit begann direkt mit der Ankunft der ersten Flüchtlinge. Dabei geht es nicht nur darum, die Menschen willkommen zu heißen, betont der Griffenhagener: „Das Wichtigste ist, dass wir Deutschunterricht vermitteln.“ Der werde inzwischen ehrenamtlich angeboten, da es von offizieller Seite keine Unterstützung mehr gebe. Dreimal pro Woche unterrichten Frauen aus der Gruppe in der Meyenburger Grundschule. Die Helfer sind auch Ansprechpartner für die Dörfer – einige Flüchtlingsfamilien leben in Stepenitz.

Nicht immer ist das Engagement erfolgreich

Die Syrer und Afghanen, die im Mai 2015 in Meyenburg eintrafen, sprechen laut Köhler inzwischen recht gut Deutsch. Genau da liege aber ein Problem: Die, die jetzt kommen, müssen die Sprache ganz neu lernen, da fühlen sich die anderen unterfordert. Sie stammen aus verschiedenen Ländern. Außerdem sei das Bildungsniveau unterschiedlich. Manche sprechen gut Englisch und haben einen Abschluss, andere eine schlechte Schulbildung. Nicht immer sei das Engagement daher erfolgreich.

Köhler übernimmt häufig Fahrtdienste: „Die Leute müssen zum Arzt oder zur Ausländerbehörde nach Perleberg.“ Fahrgeld bekommt er nicht. Er darf sich aber über eine monatliche Entschädigung in Höhe von 175 Euro freuen: „Ich bin inzwischen Bufdi“, sagt der Ruheständler. Wenn er aber nach Neuruppin zum Spezialisten fahren muss, gebe es eben keinen Ausgleich für den Mehraufwand.

Hilfe ist immer willkommen

Die Willkommensinitiative Meyenburg ist über die Internetseite des Amtes zu finden. Informationen gibt es bei Sigrun Kern, Tel.  033968/8 25 31, Marion Genschmer, Tel.  033968/825 16, oder per Mail über Buergerinitiative-Meyenburg@gmx.de. Wer helfen will oder Spenden abgeben möchte kann sich dort melden.

Ansprechpartnerin für „Migration“ in Meyenburg ist Ines Franke von der Arbeiterwohlfahrt, Tel.  03395/40 01 14, Mail: franke@awo-prignitz.de.

Inzwischen hat sich vieles verkompliziert, sagt der Griffenhagener: Es gibt Flüchtlinge, die seit vielen Monaten da sind, aber noch immer keinen Status haben. Andere kamen erst im Januar und haben schon eine Aufenthaltsgenehmigung. „Diese Menschen müssten eigentlich die Wohnungen verlassen, die für die Neuankömmlinge vorgehalten werden.“ Doch ihnen fehlen die grundlegenden Sprachkenntnisse, sie finden sich gar nicht allein zurecht. „Das ist nicht immer spaßig“, meint Köhler. Probleme mit den Neuankömmlingen habe es noch nicht gegeben. „Eher mit den Mitbewohnern im Haus.“ Das liegt aber aus Köhlers Sicht vor allem daran, dass die Leute nicht vorher über ihre neuen Nachbarn informiert wurden.

Regelmäßig treffen sich die neuen Meyenburger im alten Rathaus. Dort wurde eine Kleiderkammer eingerichtet. „Inzwischen kommen viele zum Plauschen.“ Denn während zunächst alleinreisende junge Männer nach Meyenburg kamen, sind es jetzt ganze Familien. Die Mütter tauschen sich aus, die Kleinen spielen. Da kann es eng werden. Hier könnte die Stadt durchaus geeignetere Räume anbieten, fanden die Ausschussmitglieder – zum Beispiel im Jugendklub, der nicht ausgelastet ist.

Das Handy ist die Nabelschnur nach Hause

Die Initiative hat ein Spendenkonto. Darauf gingen die 500 Euro von Landrat Torsten Uhe ein, mit der er das Engagement der Willkommensinitiative im vergangenen Herbst würdigte. „Das war wie ein Fünfer im Lotto“, sagt Köhler. Denn bis dahin sei nicht einmal Geld für Schulbücher da gewesen.

Für Verstimmung sorgt oft, dass viele der Flüchtlinge häufig mit dem Smartphone anzutreffen sind. „Aber das Handy ist die Nabelschnur nach Hause.“ Hier und da gibt es in Meyenburg bereits Hotspots, wo die Neuankömmlinge kostenloses W-Lan nutzen können. Köhler regte an, dass die Stadt auch hier helfen könnte.

Damit die Leute nicht zuhause sitzen müssen, kümmern sich die Helfer auch um Beschäftigung: Praktika bei der Firma Meyenburger Elektrobau sind beantragt, die Firma hat zugesagt: „Wir warten noch auf die Entscheidung aus Perleberg.“ Im städtischen Bauhof sind zwei afghanische Männer als Ein-Euro-Jobber beschäftigt, ergänzte die Ordnungsamtsleiterin Anne-Kathrin Weber. „Für die Betroffenen ist das toll – das größte Problem ist die Langeweile“, sagt Ulrich Köhler.

Von Beate Vogel

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