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Wilsnack: Wunderblutkirche ist Riesenvorhaben

Anerkennung als nationales Kulturdenkmal ermöglicht Sanierung Wilsnack: Wunderblutkirche ist Riesenvorhaben

Die Wilsnacker Wunderblutkirche ist zwar zum Kulturdenkmal nationaler Bedeutung erklärt worden, aber jetzt geht die Arbeit erst richtig los. Die Kirchengemeinde der Kurstadt muss Eigenmittel von jährlich 50 0000 bis 60 000 Euro einwerben und das sieben Jahre lang. Doch Pfarrer und Gemeindekirchenrat haben jede Menge Ideen, wie das Großvorhaben gelingen kann.

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Pfarrer Daniel Feldmann (l.) und Gemeindekirchenratsvorsitzender Christian Richter vor dem kleinen Altar, der weg soll.

Quelle: Andreas König

Bad Wilsnack. Sie sehen aus wie Touristen, doch als die Frau eine dicke Mappe mit Planungsunterlagen aus ihrer Tasche zaubert, wird klar: Die beiden sind beruflich in Bad Wilsnack. In der kleinen Kur­stadt im Südwesten der Prignitz herrscht Aufbruchstimmung. Kürzlich wurde bestätigt, dass die Wunderblutkirche zum Kulturdenkmal nationaler Bedeutung erklärt wurde. Darauf haben Pfarrer Daniel Feldmann, Gemeindekirchenratsvorsitzender Christian Richter und die vielen Helfer und Unterstützer aus nah und fern lange gewartet.

Zuerst muss die Bausubstanz der Kirche gerettet werden

Doch die Aufgabe ist gigantisch und trotz einer hohen Förderung von insgesamt 4,2 Millionen ein Kraftakt ohnegleichen. „Unser Konzept setzt ja vor allem darauf, die Kirche als Ort des Gebets und der Einkehr, aber auch der Begegnung mit Leben zu erfüllen“, sagt der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Christian Richter. Daher ist es viel weiter gefasst, als die doch stark auf den Erhalt und die Sicherung des Nationaldenkmals gerichtete Förderung von Kulturstaatsministerin Monika Grütters. „Aber natürlich muss zunächst die Bausubstanz der Kirche gerettet werden“, räumt Richter ein.

Dachsanierung kostet am meisten

Konstruktive Schwächen in der Dachkonstruktion haben dafür gesorgt, dass sich die Westwand der Kirche vom Gebäude weg bewegt hat. Das beeinträchtigt nicht nur die Statik des Gebäudes, sondern auch des Daches. Dessen Sanierung ist also eine der ersten Aufgaben, die bereits in diesem Jahr in Angriff genommen werden sollen. „Die Dachsanierung ist wegen ihres Umfangs sicher der Teil der Arbeiten, der das meiste Geld kosten wird“, schätzt Christian Richter ein. „Aber weil wir für die vielen Freunde und Förderer der Kirche auch im Inneren etwas Sichtbares leisten wollen, muss sich auch dort etwas tun“, ergänzt Pfarrer Daniel Feldmann.

Kleiner Altar kommt weg

Für dieses Jahr sei beispielsweise vorgesehen, den kleinen Altar, der in den 1950er Jahren in die Kirch eingebaut wurde, zu entfernen. „Das dient nicht nur dazu, die historischen Sichtachsen und Bezüge wieder herzustellen, sondern trägt hoffentlich auch zu einer besseren Akustik bei“, hofft Christian Richter. Wenn beispielsweise der Chor etwas weiter in Richtung Hochaltar stehen könnte, wäre sein Gesang weitaus besser zu hören. Auch ein Teil des Chorgestühl soll entfernt werden.

50 000 bis 60 000 Euro Eigenmittel sieben Jahre lang

Doch die Dacharbeiten und die Gestaltung des Kircheninneren sind nur einige der vielen Aufgaben, die auf die Gemeinde, die Kreis- und Landeskirche und viele weitere Akteure zukommen. Denn trotz der Bundes- und Landesförderung, trotz der Tatsache, dass Kirchenkreis und Landeskirche sich beteiligen, muss die Sankt-Nikolai-Gemeinde doch erhebliche Eigenmittel beisteuern. „Unseren Schätzungen zufolge beläuft sich der Bedarf auf 50 000 bis 60 000 Euro im Jahr“, sagt Christian Richter. Das ist für die 630 Gemeindeglieder eine hohe Summe. „Wir müssen uns eine Menge einfallen lassen, um Spenden einzuwerben“, sagt Richter. Pfarrer Feldmann ergänzt: „Nicht im Förderantrag berücksichtigt wurden unsere Pläne für eine Neubebauung der Schlossplatte, ein Begegnungszentrum und einen Museumsteil.“ Bezieht man die dafür erforderlichen Summen ein, bedeutet das eine noch weitaus höhere finanzielle Belastung für die Bad Wilsnacker.

Große Aufgaben, reges Interesse an Bad Wilsnack

Insgesamt 4,2 Millionen Euro kann der Bund für die Sanierung von Kulturdenkmälern nationaler Bedeutung bereitstellen. Die Zusage für die 600 000 Euro des ersten Jahres liegt der Kirchengemeinde Bad Wilsnack asl Empfänger der Zuwendung vor.

Unterdessen wächst das öffentliche Interesse an dem ehemaligen Wallfahrtsort weiter. Kürzlich begrüßte die Gemeinde den Berliner katholischen Erzbischof einer Koch in der Wunderblutkirche. In Begleitung von rund 80 Ordensdamen sah sich der ranghohe Vertreter der katholischen Kirche und seine Begleiterinnen nicht nur in Bad Wilsnack um, sondern feierten dort auch das Abendmahl. Zudem berichtet die evangelische Landeskirche über das rege Gemeindeleben in Bad Wilsnack auf ihrem Youtube-Kanal.

Das Platzproblem der Gemeinde könnte gelöste werden, indem diese das einstige Inspektorenhaus übernimmt, in dem sich der Schulhort befindet. Die vielen Gruppen und Chöre der Gemeinde wissen teilweise nicht, wo sei sich treffen können. akö

Spenden statt Geschenke, Verkauf von Dachflächen denkbar

Doch der Ideenreichtum der Gemeindeglieder ist mindestens so groß wie der Finanzbedarf: „Wir möchten dazu aufrufen, bei runden Geburtstagen höheren Alters auf Geschenke zu verzichten und stattdessen um Spenden zu bitten“, erklärt der Gemeindekirchenratsvorsitzende. Denkbar sei auch, Originalsteine zu verkaufen, Teile der riesigen Dachfläche virtuell zu veräußern oder Anrechte an festen Sitzplätzen in der Kirche an Spender zu vergeben. „Wir möchten in Bad Wilsnack Tagungen anbieten“, sagt Pfarrer Feldmann. Ein Bedarf an solchen Orten zwischen den Ballungszentren Hamburg und Berlin bestehe. Kontakte zu einer Gemeinde in Berlin werden gerade ausgebaut.

Neben den Zukunftsplänen muss die Gemeinde auch noch ihr Platzproblem lösen: Die vorhandenen Räume reichen kaum noch für die vielen Gruppen aus.

Von Andreas König

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