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Wilsnack wartet auf neues Wunder

Kirche als Denkmal nationaler Bedeutung Wilsnack wartet auf neues Wunder

Luther hat gegen sie gepredigt, Jan Hus sie verdammt: Kaum eine Kirche in Brandenburg ist so mit der Reformation verbunden wie die Sankt-Nikolai-Kirche in Bad Wilsnack. Heute hat die Wunder­blutkirche, wie sie seit der Pilgerzeit genant wird, wieder ein Wunder nötig. Sie muss saniert werden. Die Gemeinde will sie zum Denkmal nationaler Bedeutung erklären lassen.

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Die Wunderblutkirche in Bad Wilsnack.

Quelle: Andreas König

Bad Wilsnack. Wie die steingewordene feste Burg aus der Bibel taucht die gewaltige Sankt-Nikolai-Kirche aus dem frostigen Stadtbild auf. Auch ohne Wunderblut grenzt es an ein Wunder, dass in einer so kleinen Stadt wie Bad Wilsnack eine derart große Kirche steht. Sie stammt aus der Zeit um 1450, als für die Tausenden Pilger, die nach Wilsnack strebten, eine größere Kirche gebaut werden musste. Als Wallfahrtsort hatten die Christen Europas die kleine Ackerbürgerstadt bereits 1383 auserkoren. Nach einem Brand blieben drei Hostien unversehrt, was die Menschen damals als Wunder deuteten. Der Beginn einer über 170-jährigen Blütezeit.

Inzwischen ist der Zustand des mehrfach erweiterten Gotteshauses sehr ernst. Vor allem die Dachkonstruktion weist große Schäden auf. Der Finanzbedarf für eine Sanierung ist riesig. Grund genug für die Kirchengemeinde, den Förderverein, die Stadt Bad Wilsnack und die Landeskirche, den großen Sakralbau und sein Umfeld zum Denkmal nationaler Bedeutung erklären zu lassen.

Haben Großes vor

Haben Großes vor: Christian Richter und Pfarrer Daniel Feldmann.

Quelle: Andreas König

„Die Bewerbungsunterlagen sind eingereicht, in Landeskonservator Thomas Drachenberg haben wir einen engagierten Fürsprecher gefunden“, sagt der Pfarrer und Superintendent des Kirchenkreises Prignitz, Daniel Feldmann. Das ist wichtig, denn der brandenburgische Landeskonservator muss die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien von der Bedeutung des Wilsnack-Projektes überzeugen. „Wenn das gelingt, können wir auf Fördermittel in Höhe von 600 000 Euro jährlich hoffen“, sagt der Gemeindekirchenratsvorsitzende Christian Richter. In der Regel bleibt ein auserkorenes Objekt sieben Jahre lang im Status eines „National wertvollen Kulturdenkmals“. Das wären für die Wunderblutkirche in Bad Wilsnack 4,2 Millionen Euro. „Wobei sich Bund, Land und Gemeinde die Kosten zu je einem Drittel teilen“, ergänzt Christian Richter.

Selbst wenn alles gut geht und die Wunderblutkirche zum Denkmal nationaler Bedeutung erklärt wird, müssen die Wilsnacker noch immer erhebliche Eigenmittel aufbringen. „Ohne fremde Hilfe ist das natürlich nicht zu schaffen, aber wir sind guter Hoffnung“, sagt Pfarrer Daniel Feldmann. Gegenwärtig stellen die Wilsnacker ihr Projekt den namhaften deutschen Großstiftungen vor: Reemtsma, Oetker, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, sie alle zeigen sich durchaus interessiert, schätzt Christian Richter ein. Der Optimismus der Verantwortlichen, man könnte auch sagen, ihr Gottvertrauen, ist mit Händen zu greifen. Das wirkt ansteckend. „Wir haben einen großen Zuspruch sowohl von Gemeindegliedern als auch von konfessionell nicht gebundenen Menschen“, sagt Daniel Feldmann.

Das äußert sich unter anderem in den stets gut besuchten Veranstaltungen der Kirche. Es sind keineswegs nur kirchliche Veranstaltungen, die das Interesse der Bad Wilsnacker und ihrer Gäste finden: Entspannungslehrgänge oder Trommelkurse sind durch die Bank weg gut besucht. Für die Gebetswoche muss erstmals die Karthanehalle angemietet werden. 600 Menschen gehören zur evangelischen Kirchengemeinde Bad Wilsnack, was bei etwas mehr als 2000 Einwohnern in der Kernstadt beachtlich ist.

Geht es nach den Autoren des Konzepts für die Wunderblutkirche als Denkmal nationaler Bedeutung, soll das Geld nicht nur in die bauliche Hülle fließen, sondern vor allem in das Zusammenleben rund um die Kirche. „Derzeit übernimmt die Kirche auch museale Aufgaben, dadurch werden beide Funktionen behindert“, sagt Pfarrer Feldmann. Nach der umfassenden Sanierung soll beides voneinander getrennt werden. Die Kirchengemeinde möchte ein Tagungs- und Museumszentrum hinter der Kirche errichten. Das würde den Platz des 1976 abgebrannten Saldern-Schlosses einnehmen. „Wir denken in noch größeren Zusammenhängen“, sagt Christian Richter. „Die Leute sind früher in Wilsnack an Körper, Seele und Geist gesund geworden. Wir möchten diese Tradition aufnehmen und mit modernen Methoden fortführen.“

Viele Baustellen

Mit der Sanierung der Wunderblutkirche sollen die alten Sichtachsen der Pilger wieder hergestellt werden. Dazu gehört das Entfernen des aufgemauerten kleinen Altars. Ein mobiler Altar soll seine Funktion übernehmen. Auch die Kanzel könnte wieder ihren angestammten Platz erhalten.

Die Wunderblutkapelle kann nicht mehr für Gottesdienste genutzt werden. Die Fußbodenheizung aus der Mitte der 1990er Jahre sorgte dafür, dass sich der Taupunkt verändert hat. Der Wunderblutschrein leidet unter der entstehenden Feuchtigkeit. Die Kosten für die Sanierung sind nicht im Finanzbedarf des Gesamtprojektes verankert.

Ein Pilgercafé und ein Tagungs- und Museumszentrum sollen die Verbindung zwischen kirchlicher und weltlicher Nutzung der Wunderblutkirche schlagen.

Von Andreas König

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