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Prignitz „Wir sind doch keine Müllhalde“
Lokales Prignitz „Wir sind doch keine Müllhalde“
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13:55 08.12.2016
Carmen Koch (l.) und Ines Krenzin arbeiten ehrenamtlich in der Wittstocker Kleiderkammer. Häufig finden sie beim Sortieren auch Unrat. Quelle: Christian Bark
Wittstock

Ordentlich sortiert liegen sie in den Regalen – bunte Pullover, flauschige Winterjacken, Kuscheltiere und sogar Romane. Bevor die Mitarbeiter der Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Wittstock die Sachen ihren Kunden anbieten können, müssen sie sich jedoch durch Berge von Kleidersäcken wühlen. „Keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass wir längst nicht nur Kleidungsstücke in den Säcken finden“, sagt Carmen Koch. Sie ist seit sechs Jahren ehrenamtlich in der Kleiderspende tätig. Als Mutter habe sie keine andere Arbeit gefunden, wie sie sagt.

140 Container des DRK sind im Nordwesten Brandenburgs zu finden. Quelle: Christian Bark

Zur Hand geht ihr an diesem Tag Ines Krenzin. Sie gehört seit über einem Jahr zum fünfköpfigen Team der Ehrenamtler in Wittstock. „Die Arbeit macht uns Spaß“, betonen beide. Allein schon das Gefühl, anderen Menschen damit eine Freude machen zu können – für einen kleinen Obolus, wenn möglich. Denn viel könnten sich die oft bedürftigen Kunden nicht leisten. Seit sieben Jahren erhalten Menschen am DRK-Stützpunkt in der Ackerstraße so günstige Anziehsachen. Zum Großteil sogar noch in Top-Qualität. „Einige Leute spenden noch originalverpackte Jacken“, informiert Stützpunktleiter Mario Grabow.

230 Euro pro Tonne Altkleider

Bis zu 30 Prozent der Kleiderspenden gehen in Wittstock an Bedürftige, der Rest wird laut Ronny Sattelmair, DRK-Vorstand in Ostprignitz-Ruppin, zur Refinanzierung der gemeinnützigen Aktivitäten veräußert. Ein Teil werde beispielsweise recycelt, aus anderen Kleidern würden Dämmstoffe verarbeitet. Pro Tonne Kleider erhalte das DRK gut 230 Euro.

Im Raum Wittstock fallen gut 20 Tonnen Kleider im Jahr an. Die 22 Altkleidercontainer auf dem Gebiet der Dossestadt sowie der Nachbargemeinde Heiligengrabe werden laut Sattelmair im Schnitt alle 14 Tage geleert. Doch immer häufiger finden die Fahrer des DRK in den Containern statt ordentlich und paarweise verpackter Kleider Hausmüll, Bauschutt und anderen Unrat. „Die Kollegen müssen den Müll oft mit zum Stützpunkt nehmen“, sagt der DRK-Vorstand. Denn vor Ort könne dieser meist nicht entsorgt werden. Über 2000 Euro zusätzliche Entsorgungskosten kämen dadurch im Jahr auf den Kreisverband zu. „Waren es früher nur kleine Eimer, sind es heute ganze Säcke voll Müll“, klagt Sattelmair. Das ärgert auch Carmen Koch. „Wir sind doch keine Müllhalde“, schimpft sie.

140 Kleidercontainer im Nordwesten


gibt es die Kleiderspende des Roten Kreuzes in Prignitz und Ostprignitz-Ruppin.

40 Altkleidercontainer hält das DRK in der Prignitz und 100 in Ostprignitz-Ruppin bereit. Bis zu 14 Tonnen Kleider fallen monatlich in der Prignitz an. In Ostprignitz-Ruppin verzeichnet das DRK im Jahr über 70 Tonnen Altkleider.

Drei DRK-Kleiderkammern gibt es in Ostprignitz-Ruppin, nämlich in Wittstock, Neuruppin und Fehrbellin. In der Prignitz gibt es Sozialboutiquen in Wittenberge, Perleberg und Pritz­walk.


Zwölf Mitarbeiter
helfen beim DRK in der Prignitz beim Verladen, Transport, Sortieren und Verteilen der Kleidung. In Ostprignitz-Ruppin sind rund 20 Helfer fleißig dabei.

Bis zu 30 Prozent der Kleidung wird in den Kleiderkammern und Sozialboutiquen des DRK an Bedürftige verteilt.

Und das Problem beschäftigt nicht nur das Rote Kreuz im Kreis Ostprignitz-Ruppin, wo es als größter gemeinnütziger Kleidersammler auftritt. „Es ist sehr problematisch, dass die Altkleidercontainer zur illegalen Müll- und Abfallentsorgung missbraucht werden“, sagt auch Ingo Leverenz vom DRK-Kreisverband Prignitz in Perleberg. Seine Kollegen würden immer wieder Tierkadaver, benutzte Hygieneartikel, benutze Babywindeln, Bauschutt, verdorbene Lebensmittel und zerbrochene Glasflaschen in und neben den Containern vorfinden. Gemeinsam mit Ronny Sattelmair appelliert er an die Vernunft der Menschen, die Container nicht mit Unrat zu füllen.

Beispielsweise gehörten Matratzen und nicht mehr tragbare Kleidung nicht hinein. Selbst Gummistiefel seien schon grenzwertig. Schimmelnder Müll würde hingegen selbst gut erhaltene Spenden in Mitleidenschaft ziehen. Immerhin, so heißt es aus beiden Kreisen, spielen Vandalismus, Brände und Graffiti an den Containern nur eine geringe Rolle. Präventiv würden die Behälter aber, mit Blick auf Silvesterknaller, die immer mal wieder darin landen könnten, bereits bis zum 31. Dezember geleert, um ein Ausbrennen zu verhindern.

Von Christian Bark

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