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Mutmaßliche Brandstifterin bestreitet fast alles

Prozess in Wittenberge Mutmaßliche Brandstifterin bestreitet fast alles

Immer in der Nähe ihrer Wohnung brannte es zwischen April und Juni dieses Jahres. Seit Dienstag muss sich eine 39-Jährige aus Wittenberge wegen schwerer Brandstiftung in elf Fällen vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. Sie bestreitet, Feuer gelegt zu haben. Bei der letzten Tat wurde sie erwischt. Doch das Feuer sei keine Absicht gewesen sein, wie sie sagt, sondern ein Versehen.

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Quelle: dpa

Wittenberge. Sie hat die Brände, die in ganz Wittenberge vom 10. April bis 14. Juni dieses Jahres für Angst und Schrecken sorgten, nicht gelegt. Das erklärte Sylvia S. am Dienstag vor dem Landgericht Neuruppin. Dort muss sich die 39-Jährige wegen schwerer Brandstiftung in elf Fällen verantworten. Taten, die sie bis auf eine bestreitet. Lediglich mit dem letzten Feuer in einem leerstehenden Haus in der Bürgerstraße hat sie ihren Aussagen zufolge etwas zu tun. Dort wurde sie auf frischer Tat ertappt. Seitdem sitzt die zweifache Mutter in Untersuchungshaft.

„Nur ein blödes Versehen“

„Es war ein blödes Versehen. Mein Fehler war, dass ich die Feuerwehr nicht angerufen habe“, sagte die Angeklagte. Demnach hatte sie in jener Nacht Kopfschmerzen und konnte nicht schlafen. Von einem Spaziergang an der frischen Luft erhoffte sie sich Besserung. Sie griff einen Stoffbeutel mit aussortierter Kleidung ihrer Tochter und alten Zeitungen. Beides wollte sie in die entsprechenden Container werfen. Draußen zündete sie sich erst einmal eine Zigarette an und stellte die Tasche an einem Kellerschacht ab. Sie schnippte dann die Kippe weg, die, wie sie sagte, „blöderweise“ in die Tasche fiel, die in den Schacht rutschte. „Ich habe noch versucht, die glimmende Kippe herauszuholen. Doch da war die Tasche weg.“ Sie ging in ihre Wohnung zurück, vor der kurze Zeit später die Polizei stand. Der hatte sie damals gesagt, dass in der Nacht „der Frust über ihr Leben hoch kam“. Sie war arbeitslos, kümmerte sich Tag und Nacht um ihre kranke Mutter und auch in der Liebe lief es nicht wie erhofft. „Irgendwie wurde mir alles zu viel“, klagte sie gegenüber den Polizisten.

Es brannte immer in der Wohnortnähe der Angeklagten

Dass, wie die Vorsitzende Richterin Grit Burzer ihr vorhielt, an den Kleidungsstücken Brandbeschleuniger festgestellt wurde, konnte sich die Angeklagte nicht erklären. Ebenso wenig wie manch andere Ungereimtheiten. Von zwei Bränden fand die Polizei Fotos auf ihrem Handy. Die Bilder selbst gemacht zu haben, hatte die gebürtige Perlebergerin in früheren Vernehmungen abgestritten. Am Dienstag nun korrigierte sie sich. Sie könne sich nicht ans Fotografieren erinnern, aber dass sie die Aufnahmen wohl von ihrem Fenster aus gemacht habe. Die Brandorte lagen immer in der Nähe ihrer Wohnung oder der ihrer Mutter. Dort hatte sie übernachtet, als diese im Krankenhaus lag und sie deren Katze versorgen musste.

„Komisch, nun schlafen Sie bei Ihrer Mutter und jetzt brennt es dort“, sagte Richterin Burzer. Und das gleich zwei Mal, einmal in dem Mehrfamilienhaus an der Bahnstraße, in dem die Mutter wohnt. An den Brand hatte Sylvia S. noch gute Erinnerungen: Sie hatte ferngesehen, als sie auf einmal im Dunkeln saß. Als sie die Wohnungstür öffnete, schlug ihr schon starker Qualm entgegen. „Ich habe mir nur schnell die Katze geschnappt und bin nach draußen gelaufen.“ Die Feuerwehr war bereits vor Ort. Sie musste wegen des Verdachts auf eine Rauchgasvergiftung für zwei Tage ins Krankenhaus. Dem Vermieter entstand ein Schaden in Höhe von 50 000 Euro.

Zeuge hatte Frau gesehen

Befragt zu dem Brand in der Packhofstraße hatte sie auch eine Erklärung zur Hand. Durch diese Straße gehe sie schon mal mit der Tochter und dem Enkelkind, aber nur tagsüber. „Das ist eine stockdustere Ecke. Da hat man abends als Frau Angst.“ Allerdings wurde dort eine Zigarettenkippe mit ihrer DNA gefunden, den glimmenden Stummel hatte ein Zeuge nachts entdeckt. Der Mann hatte in Tatortnähe eine Frau gesehen, auf die die Personenbeschreibung passte.

Überwiegend waren die Häuser, in denen Feuer mittels Papier, Kleidungsstücken und Spraydosen gelegt wurde, bewohnt. Teilweise mussten Mieter evakuiert werden. Ein Betroffener erlitt einen Schock. Die Sachschäden belaufen sich auf einen fünfstelligen Betrag. Am Donnerstag wird weiter verhandelt.

Von Dagmar Simons

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