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Wittenberge lockt mit Indoor-Tauchturm

Abenteuer in einem alten Ölspeicher Wittenberge lockt mit Indoor-Tauchturm

Es ist der erste Indoor-Tauchturm im Land Brandenburg: Auf dem Gelände der Alten Ölmühle in Wittenberge hat Unternehmer Lutz Lange für rund 600 000 Euro einen alten Ölspeicher zu einem Tauchturm umgestalten lassen. Vor der Eröffnung am Sonntag testeten Mediziner, Tauchlehrer und Rettungssanitäter, wie bei Taucherunfällen medizinische Hilfe geleistet werden kann.

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Tauchlehrer Ralf Baumann simuliert die Rettung eines bewusstlosen Tauchers.

Quelle: Andreas König

Wittenberge. Geheimnisvoll blau schimmert das Wasser. In der Tiefe sind zwei rötliche Felsnasen-Nachbildungen zu sehen, ein Seil reicht von oben bis auf den Grund. Der Ort hat etwas unwirkliches, aber als Lutz Lange einen Kunststoffhai in das leuchtend blau Wasser wirft, sind die Spritzer doch sehr real. „Das war das Vorhaben, das uns bisher am meisten Kraft gekostet hat“, sagt der Unternehmer. Der neue Tauchturm auf dem Gelände der Alten Ölmühle soll das Areal noch attraktiver für Touristen machen.

Ursprünglich dienten die Doppeltürme mit achteckigem Grundriss als Öltanks. Die Stahlbehälter im Innern stammen aus dem Jahr 1883. Während der in Richtung Wasser gesehen zweite Oktaeder schon seit einiger Zeit als Kletterturm genutzt wird, gestaltete es sich weitaus schwieriger, dem ersten Achteckturm ein neues Leben als Tauchturm einzuhauchen. „Es gab viele Auflagen, die wir umsetzen mussten“, sagt Lutz Lange. Nun aber seien die Schwierigkeiten überwunden. Bevor am Sonntag nach den Elblandfestspielen der „Indoor-Tauchturm“ seiner Bestimmung übergeben wird, sahen sich am Dienstag Fachleute die Anlage an. Darunter war Sport- und Taucherarzt Christian Berndt, Thomas Libuda, Chef der Anästhesie im Kreiskrankenhaus Prignitz, und Ernst-Günther Böhmfeld von der DRK-Wasserwacht Wittenberge und Tauchlehrer Ralf Baumann. Der Experte aus Plau am See wird künftig vor allem für die Genesis GmbH als Besitzerin der Alten Ölmühle arbeiten.

Erlebnisse am und im Wasser

Das Wasser im Wittenberger Tauchturm besitzt eine Temperatur von 24 Grad. Die Wasserqualität unterliegt den selben Bestimmungen, wie sie für ein Schwimmbad gelten.

Zwei Trainingsebenen stehen Tauchern zur Verfügung. Sie befinden sich in vier und zehn Metern Tiefe. Die Tauchgänge werden ständig von geschultem Personal überwacht.

Der Aufstieg zum Einstieg in den Tauchturm erfolgt über eine Wendeltreppe. Eine weitere Treppe dient als Notabstieg. Die Sauerstoffflaschen stellt der Betreiber zur Verfügung.

Neben Tauchen kann man auf dem Gelände der Alten Ölmühle auch Klettern. Ein Brauhaus, mit regionaler Küche, eine Schaubrauerei mit drei verschiedenen Biersorten, Bowlingbahn und Schwimmbad in der Nähe runden das Angebot ab.

Die Investitionssumme für den Tauchturm beträgt 600 000 Euro.

„Vor allem muss geklärt werden, wie im Falle eines Taucherunfalls die Person aus dem Gebäude gebracht werden kann“, sagte Christian Berndt. Den verunglückten Taucher mimte Rico Schädler, der sonst für die Bauarbeiten auf dem Ölmühlgelände zuständig ist. Mit routinierten Griffen zog Ralf Baumann den scheinbar leblosen Körper an die Kante des Tauchbeckens. Dort muss aber noch eine Vorrichtung angebracht werden, mit deren Hilfe der zu Rettende aus dem Wasser gehoben werden kann.

Der Tauchturm selbst misst zehn Meter im Durchmesser und in seinem Innern kann man zehn Meter in die Tiefe tauchen. „600 Kubikmeter Wasser befinden sich im Tauchtopf. Das ist mehr als in der Prignitzer Badewelt“, erklärt Lutz Lange. Der Druck am Boden des Tanks liegt um ein Bar höher als der atmosphärische Druck. Das klingt für den Laien nicht nach viel, dennoch ist beim Aufstieg Vorsicht angeraten. „Der Aufstieg sollte in jedem Fall langsam und kontrolliert erfolgen“, sagt Sportarzt Christian Berndt.

Die nächstgelegenen Druckkammern, die zur Versorgung von verunglückten Tauchern notwendig sind, befinden sich in Berlin und Halle. „Zwar hat auch die Bundeswehr in Havelberg eine solche Druckkammer, doch steht die für zivile Zwecke nicht ohne weiteres zur Verfügung.

Lutz Lange

Lutz Lange

Quelle: Andreas König

Doch all das sind Vorkehrungen für den Fall, dass etwas Unvorhergesehenes passiert. Die Betreiber hoffen natürlich auf möglichst reibungslose Abläufe im Tauchturm. „Bei uns gibt es die Möglichkeit, den Open-Water-Diver-Schein zu machen“, sagt Lutz Lange – die Berechtigung zum Tauchen in offenen Gewässern. Das gebe es seines Wissens nach in ganz Norddeutschland nicht. Das Wasserreservoir ist zwar tief, aber baubedingt nicht sehr weitläufig. Um den Tauchern einen Eindruck von Weite zu vermitteln, hat Lutz Lange 3-D-Bilder an der Wand anbringen lassen. „Sie zeigen Motive der Alten Ölmühle und der Elbtalaue, Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, Nemo und Co. dort anzubringen.“

In der Regel werden die Besucher zwei Tauchgänge absolvieren. Um sich dazwischen zu regenerieren wird die bisher als Restaurant genutzte Ausspanne zur Taucher-Lounge umgestaltet. Auch eine Sauerstoffflaschen-Füllstation gibt es auf dem Gelände der Ölmühle bereits.

Von Andreas König

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