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Wittenberge Gedanken über die zweite Heimat
Lokales Prignitz Wittenberge Gedanken über die zweite Heimat
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01:15 14.03.2019
Wittenberges stellvertretende Bürgermeisterin Waltraut Neumann im Gespräch mit Wafi Yaghi. Quelle: Bernd Atzenroth
Wittenberge

Wafi Yaghi beherrscht das Spielen der Oud. Am Montag hatte er Gelegenheit, im Wittenberger Rathaus eine kleine Kostprobe seines Könnens an dem orientalischen Zupfinstrument zu geben. Er sorgte damit für den musikalischen Tupfer einer sehr ungewöhnlichen Ausstellungseröffnung.

„Heimat/Unheimat – Flucht aus der Prignitz, Flucht in die Prignitz“ – so lautet der Titel eines Dialogs zwischen 16 neuen und alten Wittenbergern, der jetzt in eine Fotoausstellung mündete.

Die Präsentation „Heimat/Unheimat – Flucht aus der Prignitz/Flucht in die Prignitz“ ist nunmehr nämlich im Wittenberger Rathaus zu sehen. Es handelt sich um ein Projekt der Walter-Hoffmann-Axthelm-Stiftung für Perleberger Stadtgeschichte, der wha-stiftung und des Vereins „Beobachter der Bediener von Maschinen“ (bbm).

„Ich möchte in Deutschland bleiben und hier eine neue Heimat finden“

Wafi Yaghi ist einer von 16 Menschen, die die Fotografin Simone Ahrend im Laufe des zwei Jahre währenden Dialog-Projekts porträtiert hat. „Ich möchte in Deutschland bleiben und hier eine neue Heimat finden“, lässt er im Kommentar zu seinem Porträt wissen. Und er möchte in Deutschland als Musiklehrer arbeiten, sucht Projekte, in die er sich als Oud-Spieler einbringen kann.

Wafi Yaghi, aus Syrien stammender Musiklehrer, gab eine Kostprobe seines Könnens an der Oud. Quelle: Bernd Atzenroth

Wafi Yaghis Äußerung ist eines der Ergebnisse des ungewöhnlichen Dialog-Projekts, bei dem es um Heimat ging. Und dabei nicht nur um die, die viele der am Projekt beteiligten Geflüchteten vorerst verloren haben, sondern auch um die „zweite Heimat“, wie es Media Abdo ausdrückte. Sie nämlich wünscht ähnlich wie Wafi Yaghi, dass Wittenberge dies sein kann. Das Thema Gesundheit liegt ihr am Herzen. Nicht zuletzt deshalb möchte Media Abdo, die aus dem syrischen Aleppo stammende 27-jährige Sprachschülerin in Wittenberge, Krankenschwester werden.

Moritz von Rappard, Projektentwickler und künstlerischer Leiter, erklärte den Ansatz des Projekts. Es sei darum gegangen, die „Perspektive umzudrehen“ und den Fokus darauf zu lenken, wie man sich in Wittenberge, verortet. „Die 16 Bilder drücken etwas von der Klarheit aus, mit der die Porträtierten sagen ’Ich bin hier, ich stehe hier’.“

Auf spielerische Weise Sprachfertigkeit verbessern

Im Porträt zu sehen sind nicht nur neue, sondern auch alte Wittenberger, und sie haben sich allesamt und miteinander mit der Zukunft von Wittenberge auseinandergesetzt und Erfahrungen ausgetauscht. „Das ist weniger ein Geflüchtetenprojekt, sondern etwas für die Stadt“, sagt Moritz von Rappard dazu. Trotzdem dienten die Gespräche auch dazu, auf spielerische Weise die Sprachfertigkeit zu verbessern. Denn das Erlernen und Beherrschen der Sprache ist Grundvoraussetzung für alles andere.

Seit dem Frühjahr 2017 trafen sich hierfür afghanische, armenische, iranische, russische, philippinische und syrische Frauen und Männer, Prignitzerinnen und Prignitzer und Mitglieder der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde. Die Wünsche, die die Beteiligten in ihren Statements ausdrücken, sind dabei oft ganz ähnlich.

„Ich würde mir wünschen, dass Freundschaften weiter bestehen“

Zwei Jahre lang hat der Wittenberger Helmut Heider gute, ganz persönliche Erfahrungen in dem Projekt gemacht. Der überzeugte Christ legte seinen Standpunkt dar, konnte aber auch den von Muslimen hören. Fluchterfahrung hat er übrigens auch: 1945 musste er Schlesien verlassen.

Wie es nach den zwei Jahren mit dem auf Nachhaltigkeit angelegten Projekt weitergeht, muss sich zeigen. „Ich würde mir wünschen, dass einzelne Freundschaften weiter bestehen“, sagt Simone Ahrend, „wir werden versuchen, die Gruppe in irgendeiner Form zusammenzuhalten.“ Waltraut Neumann deutete die Bereitschaft der Stadt und des Landkreises an, dabei helfen zu können.

Boshra Habil gründet Frauengruppe

Eine Fortsetzung findet das Projekt auch schon in der Gründung einer Frauengruppe. Die aus Syrien stammende Soziologin Boshra Habil möchte darin alle möglichen Themen zur Sprache bringen, die Frauen interessieren, von Erziehung über Schwangerschaft bis hin zu Gewalt in der Ehe.

Für die Menschen, die dabei waren, sind die vergangenen zwei Jahre eine ungeheuer wichtige Erfahrung gewesen. Boshra Habil: „Wir haben hier eine Familie gefunden.“

Von Bernd Atzenroth

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