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Wittenberge Hildegard von Bingens Auferstehung im Torwächterhaus
Lokales Prignitz Wittenberge Hildegard von Bingens Auferstehung im Torwächterhaus
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00:21 20.03.2019
Eva Maria Lätzsch spielte die Oberin Hildegard von Bingen. Quelle: Jens Wegner
Wittenberge

„Ihr sehet seltsam gewandet aus. Eine Frau in Hosen gab es damals nicht. Weiber sollten unten offen tragen, damit die Winde ungehindert abgehen können”, sagte Jürgen Schmidt in der Figur des Bruders Volmar, als er am Sonnabend die rund 30 überwiegend weiblichen Gäste zum Hildegard-von-Bingen-Abend im Wittenberger Torwächterhaus begrüßte. Von Anfang an amüsierten sich die Gäste prächtig.

Zunächst erzählte Bruder Volmar dem Volke über Hildegard von Bingen. Sie lebte von 1098 bis 1179 und war Äbtissin, Dichterin, Ärztin sowie eine bedeutende Universalgelehrte. Im Alter von sieben Jahren wurde Hildegard dem Kloster Rupertsberg bei Bingen am Rhein übergeben.

Das Törwächterhaus war in heimeliges Licht getaucht und mit mittelalterlichen Gegenständen dekoriert. Quelle: Jens Wegner

„Die Lebenserwartung damals lag bei 30 Jahren. Sie ist also sehr alt geworden”, betonte Bruder Volmar, der 40 Jahre lang ihr Sekretär war. „Teutschland gab es zu ihrer Zeit noch nicht. Nur ein loser Verband vieler kleiner Ländereien”, beschrieb er die Situation in dieser Zeit. Es gab die Idee des Kreuzzugs.

Die Mutter Oberin habe den ersten Kreuzzug befürwortet. Und es war die Zeit der Lehen. „Die wurden nur an adlige Männer verliehen. Die Frau war ja damals nichts wert”, erläuterte er. Ein Lehen war ein weltliches Gut, das der Eigentümer (Lehnsherr) dem Lehnsnehmer übergab.

Sekretarius Bruder Volmar berichtete den Gästen aus der Zeit Hildegard von Bingens. Quelle: Jens Wegner

Es konnte ein Dorf, eine Stadt oder das Recht zu Jagen oder zu Fischen sein. Die Lehen wurden von Generation zu Generation vererbt. „Höret wie teutsch klang! Es ist nicht zu verwechseln mit dem heutigen deutsch. Teutsch war die Sprache, die an den Höfen gesprochen wurde”, sagte Volmar und trug das Gedicht „Ich hân mîn lêhen” (Ich habe mein Lehen) von Walther von der Vogelweide vor.

„Esst! Alles was auf den Tischen steht ist euer”, lud Volmar die Gäste ein. Brot wurde damals gerissen, nicht geschnitten, gab es als Hinweis. Zur Erwärmung des Magens gab es einen Kräuterlikör.

Kräuterfrau Anna verteilte Kräuter für das Wohlbefinden der Gäste. Quelle: Jens Wegner

Eberhardus schlug die Laute und unterhielt das Volk mit mittelalterlicher Musik, während sie aßen. Danach gab es eine Fenchelsuppe, das Lieblingsessen der Mutter Oberin. Die musste mit Zwiebelschalen gelöffelt oder mit Brot geditscht werden, denn die Mutter Oberin hatte verboten, die guten Silberlöffel rauszulegen, wie es hieß.

Dann kam Hildegard von Bingen, gespielt von Eva Maria Lätzsch, zur Tür herein. Gerade war sie von einer langen Reise heimgekehrt. „Ich musste über das Gebirge mit dem Ochsenkarren fahren und sogar auf einem Esel reiten”, klagte sie über die Reisestrapazen und erzählte von ihren Erlebnissen. „Es gibt so viel Not. Menschen leben mit ihren Tieren unter einem Dach.”

Und sie musste feststellen, dass die Fürsten und Ritter ein lasterhaftes Leben voller Hurerei und Völlerei führen. „Das geht so nicht weiter. Der Kreuzzug ins heilige Land ist bitter nötig”, schlussfolgerte sie.

Gesundheitstipps aus dem Mittelalter

Den Anwesenden gab sie schließlich einige Gesundheitstipps. Dreimal täglich solle man essen, öfter nicht. Morgens empfiehlt sie ein Habermus. „Bevor ihr abends ins Bett geht, solltet ihr ein paar Schritte an der frischen Luft gehen. Das tut Leib und Seele gut und man kann gut schlafen”, empfahl sie.

Birgit Frost erzählte den Gästen als Kräuterfrau Anna über die Wirkung verschiedener Kräuter und ihrer heilenden Wirkungen. Sie verteilte Spitzwegerich zum Auftragen auf Wunden, auf das sie schneller heilten.

Gegen den Kater hilft die Ringelblume

Aloe helfe, die gelbe Sucht zu vertreiben. Gegen Übelkeit nach dem Trinkgelage gab es Ringelblume. „Mit einer Süßholzwurzel reinige ich mir die Zähne. Süßholzwurzel hilft außerdem gegen Hitzewallungen”, so die Kräuterexpertin.

Auf dem Speiseplan stand im Wittenberger Torwächterhaus neben der Fenchelsuppe Böhmisches Senffleisch als Hauptgericht. 17 Mal wurde der Hildegard-von-Bingen-Abend zwischen den Jahren 2013 und 2016 erfolgreich veranstaltet. Dann gab es eine Pause. „Jetzt gibt es die Neuauflage und die nächsten drei Veranstaltungen sind schon ausverkauft”, freut sich Jürgen Schmidt.

Von Jens Wegner

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