Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Wittenberge Hochwasserschutz für DB-Werk in Wittenberge
Lokales Prignitz Wittenberge Hochwasserschutz für DB-Werk in Wittenberge
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:24 15.09.2018
Landrat Torsten Uhe und Umweltminister Jörg Vogelsänger (v.l.) begutachten gemeinsam bei einem Rundgang die neue Spundwand auf dem Bahngelände.
Wittenberge

Das Werksgelände der Deutschen Bahn in Wittenberge ist fortan besser vor drohenden Hochwassern der Elbe geschützt. Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger übergab am Mittwoch eine Hochwasserschutzanlage, die entlang des Geländes führt. Mit einer Länge von über 1000 Metern sollen Spundwände mit einer Tiefe von bis zu sieben Metern die Werkshallen vor Überflutungen bewahren.

Spundwände von einem Kilometer Länge

Wo einst eine alte Betonwand stand, steht jetzt ein Zaun, darunter befinden sich tief in die Erde gerammte stählerne Wände. Laut Auftragnehmer sollen sie ein erneutes Jahrhunderthochwasser gut überstehen. Die neue Anlage liegt etwa ein Meter höher als der dafür vorgesehene Richtwert am Pegel von Wittenberge.

Wo einst eine Betonwand stand, steht jetzt ein über 1000 Meter langer Zaun, darunter sind bis zu sieben Meter tief in die Erde gerammte Wände. Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Umweltminister Jörg Vogelsänger war schon öfters im Werk, wie er selbst erzählt. Doch das Thema Hochwasserschutz kam nach seinen Angaben so richtig erst vor fünf Jahren ins Gespräch. Beim Hochwasser im Juni 2013 war auch das Werksgelände der Deutschen Bahn in Gefahr, wie Hendrik Frick, Produktionsleiter des Werkes, berichtet. „Sonst habe ich die Wittenberger bei Hochwassern immer sehr entspannt erlebt, 2013 war das etwas anders.“

Mitarbeiter retteten Bahnwerk

Ein Krisenstab hielt damals Einzug in das Werk für Fahrzeuginstandhaltungen. „Über 350 Kollegen schippten gleichzeitig Sandsäcke zum Schutz des Betriebsgeländes. Alle zogen an einem Strang, hielten Nachtwache“, so Frick. Viele Mitarbeiter sollen dabei in Zusatzschichten gearbeitet haben, kamen nach Hause und mussten auch dort ihr eigenes Hab und Gut sichern. „Viele Fahrzeuge konnten wir auslagern, weitere kamen auf Hebebühnen. Der Betrieb konnte nicht mehr in vollem Maße betrieben werden.“

Jörg Vogelsänger macht sich von oben einen Überblick über die neue Anlage zum Hochwasserschutz. Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Nach eigenen Angaben gehört das Werk in Wittenberge zu den modernsten Instandhaltungswerken in Europa. Es hat sich auf die Modernisierung und Instandhaltung von Reisezugwagen spezialisiert. Seit 2015 ergänzen auch wieder Triebfahrzeuge und Güterwagen das Produktportfolio in der Elbestadt. Die Instandhaltung und Neufertigung aller Arten von Schienenfahrzeugen runden das Leistungsangebot des Werkes ab.

1,6 Millionen Euro verbaut

Das Hochwasser 2013 wünsche sich keiner zurück. Trotzdem war allen deutlich klar, dass es jederzeit wieder zu solch eine Katastrophe kommen kann. Über zwei Millionen Sandsäcke waren 2013 allein in Breese und Weisen verbaut, berichtet Landrat Torsten Uhe. Das entsprach einem Notdeich auf über vier Kilometern Länge. Auf bis zu 7,85 Meter stieg der Wasserstand der Elbe an. „Dank der hohen Eigeninitiative konnte das Werk der Deutschen Bahn gerettet werden und wohl auch, weil die Prognosen von einem Wasserstand von über acht Metern nicht eintraten“, sagt Torsten Uhe.

Umweltminister Vogelsänger in Gespräch mit Oliver Herrmann, Bürgermeister der Stadt Wittenberge, Landrat Torsten Uhe und Landtagsabgeordneter Holger Rupprecht (v.r.), Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Um einer Überflutung des Geländes vorzubeugen entschied sich die Landesregierung für den Bau des dortigen Hochwasserschutzes. Rund 1,6 Millionen Euro sind binnen zwölf Monaten verbaut worden, allein aus Landesmitteln. „Sie haben nicht auf Fördermittel gewartet, sondern gleich reagiert“, lobt Oliver Herrmann, Bürgermeister der Stadt Wittenberge. Möglich mache das vor allem die neue und bessere konjunkturelle Lage im Land Brandenburg.

„Wir sind noch nicht zu 100 Prozent fertig“

Nun ist das Werk am westlichen Rand der Stepenitz-Niederung auch gegen den massiven Rückstau der Stepenitz gesichert. Gleichzeitig verhindere die Anlage, dass die Stadt Wittenberge bei einem Hochwasser über die Stepenitz-Niederung geflutet würde. „Es hat sich einiges getan“, so Jörg Vogelsänger. Auch anderswo fanden in den zurückliegenden fünf Jahren Maßnahmen zum Hochwasserschutz statt.

Das Hochwasser im Juni 2013 hat Eindrücke und auch Spuren hinterlassen. Quelle: Marcus J. Pfeiffer

„Etwa 90 Prozent aller nötigen Eingriffe sind abgeschlossen“, so Vogelsänger. Jahr für Jahr will die Landesregierung aber weiterhin zwischen 30 bis 35 Millionen Euro ausgeben. Vor allem aber für die Nebenflüsse im südlichen Brandenburg. Insgesamt habe das Land bereits rund 600 Millionen Euro investiert. „Auch in Wittenberge sind wir noch nicht zu 100 Prozent fertig“, berichtet Oliver Herrmann.

Neue Wege und Pläne

Es sei aktuell zwar eine bessere Situation als 2013, aber immer noch nicht Schluss. Als nächstes stehe der Hochwasserschutz in der Altstadt am Nedwighafen an. Im gleichen Zusammenhang soll die Elbstraße saniert werden. Bauarbeiten dazu könnten vermutlich schon im Sommer nächsten Jahres starten. Und auch die Landesregierung hat weitere Pläne. Geplant sind neue Rückstauflächen in ganz Brandenburg.

„Das sind neue Wege und kann auch viel Ärger kosten mit dem Eingriff in das Eigentumsrecht“, merkt Jörg Vogelsänger an. Doch Stadt, Landkreis und die Landesregierung sind sich einig, dass sie alles Erdenkliche tun werden, um die Bürger vor drohenden Hochwassern zu schützen, indem sie Prioritäten setzen.

Von Marcus J. Pfeiffer

Erst musste eine Wittenbergerin feststellen, dass ihr Roller gestohlen worden war. Und dann hatte der Dieb damit auch noch einen Unfall gedreht.

10.09.2018

In Wittenberge hat ein Angler am Sonntag am Königsdeich einen verdächtigen Gegenstand im Wasser gefunden. Wie sich herausstellte, handelte es sich um den Zünder einer Brandbombe.

10.09.2018

Kennen Sie diese netten Menschen aus Ihrer Nachbarschaft? Wir stellen innerhalb unserer Serie „Hallo Nachbar“ Leute von nebenan vor. Jeden Tag kommen hier neue Nachbarn hinzu.

23.09.2018