Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Wittenberge Kaminer belustigt das Festspielhaus
Lokales Prignitz Wittenberge Kaminer belustigt das Festspielhaus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:22 03.10.2018
Wladimir Kaminer verstand es mit seinem Wortwitz, die rund 300 Gäste im Wittenberger Musentempel köstlich zu unterhalten. Quelle: Jens Wegner
Wittenberge

„Angeblich war ich vor vier Jahren das letzte Mal hier. Stimmt das”, fragte der Schriftsteller Wladimir Kaminer die Gäste, als er am Freitag unter großem Beifall die Bühne des Kultur- und Festspielhauses Wittenberger betrat. „Wo waren wir stehengeblieben”, wollte er dann wissen – und hatte die ersten Lacher auf seiner Seite.

Kaminer versteht es als Autor, seine Umwelt zu analysieren und dies auf witzige Art und Weise in seinen Geschichten wiederzugeben. Bevor er zu seinem neuen Buch „Die Kreuzfahrer” kam, erzählte er kurz von seiner Familie.

Europäische Ethnologie – was ist das?

Seine Tochter Nicole studiere an der Humboldt-Universität Berlin Europäische Ethnologie. „Keiner weiß, was das ist, was sie dort studiert”, sagte er mit deutlichem russischen Akzent. Nach einer kurzen Denkpause: „Sie weiß es nicht. Die Lehrer tun so, als wenn sie es wüssten. Sie schickt mir ihre Arbeiten und ich mache lustige Geschichten daraus.”

„Unser Sohn Sebastian ist 19 Jahre alt. Er sucht sich gerade”, sagte er. Was an sich nichts Schlechtes sei. Nur suche er am falschen Ort, nämlich zu Hause. Seine Mutter sei 87 und total aktiv.

An sportlicher Betätigung mag sie nur das Schwimmen. Allerdings schwimme sie sehr langsam. „Statische Gegenstände bewegten sich schneller”, beobachtete er. „Meine Mutter hat 23 Jahre lang an einem Englisch-Kurs in der Volkshochschule teilgenommen. So lange bis die Lehrerin in Rente ging”, berichtete er.

Die Oma beim Rolling-Stones-Konzert

Die Omas aus dem Kurs treffen sich immer noch. Sie besuchen Konzerte und Ausstellungen. „Manchmal haben sie vergessen, dass sie schon eine Karte gekauft haben und kaufen eine zweite. Vor dem Konzert versuchen sie dann, ihre zweite Karte an andere Omas zu verticken”, sagte er.

Einmal, erinnerte sie sich, überredete seine Tochter ihre Oma, ihr Karten eines Konzerts der angeblich letzten Tour der Rolling Stones zu schenken. Die Oma stimmte zu, bestand aber darauf mitzukommen.

Da die Oma in ihren Alter Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht habe, nutze sie einen Regenschirm als Stütze. Mit diesem Schirm wollte sie die Security nicht ins Konzert lassen. Sie könne ja den Regenschirm als Speer benutzen, so der Mann von der Sicherheitsfirma.

Der Schrittzähler flippte völlig aus

Schließlich gab sie nach. Der Schirm blieb draußen. Die Tochter nahm ihre Oma an die Hand. Beim ersten Lied „I can’t get no satisfaction” begann sie zu hüpfen, mit der Oma an der Hand. „Ihr Schrittzähler am Arm zeigte hinterher 99 000 an”, so Kaminer.

Eines Tages wurden er und seine Frau Olga gegen eine Gegenleistung von drei Lesungen eingeladen, zwei Wochen lang im Mittelmeer auf einem Schiff der Aida-Flotte mit kulturinteressierten Deutschen mitzufahren, berichtete er über die Entstehung seines aktuellen Buches. Sie sagten zu.

Zwei freundliche Blondinen, die als Unterhaltungsoffiziere Wache schoben, nahmen sie in Empfang. „Die Aida glich einer schwimmenden Kneipe”, sagte er. Die meisten Gäste, überwiegend Stammgäste, konnten kaum noch veranlasst werden, aufs Land zu gehen und sich die Sehenswürdigkeiten anzusehen.

Sie blieben lieber an der Bar. Solange der Boden unter ihnen schaukle, könne ihnen nichts passieren, meinte sie. Von der Happy Hour mit ausgelassener Partystimmung und lauter Musik zum Mitsingen waren Kaminers überwältigt.

Atemlos durch die Nacht – auf dem Barhocker

„Atemlos ging es durch die Nacht, ohne von unseren Barhockern aufzustehen. Marmor, Stein und Eisen brachen zuverlässig – manchmal auch der eine oder andere Gast. Der wurde aber von geschultem Personal sofort aufgehoben und sauber gemacht”, berichtete er. „Diese Arbeit hatte ich unterschätzt”, konstatierte er. „Es war eine 14-tägige Lesung. Das Thema tagsüber war immer, wie kaputt diese Welt ist. Abends wurde gefeiert, bis der letzte umfiel”.

Wladimir Kaminer stammt aus der Sowjetunion. 1990 kam er nach Berlin und erlebte noch ein halbes Jahr lang die DDR. Mit „Russendisko” wurde er über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt.

Von Jens Wegner

Der Prignitzer SPD-Unterbezirksvorsitzende Harald Pohle wird sich im Wahlkreis 1 um das Direktmandat bei der Landtagswahl bewerben. Der 68-Jährige wurde am Samstag nominiert.

30.09.2018
Pritzwalk Pritzwalk/Wittstock - 37 Rotsünder erwischt

Rote Ampeln sind für Fahrzeugführer oft kein Hindernis, doch noch über eine Kreuzung zu fahren. Die Polizei hat jetzt einige bei Kontrollen in Pritzwalk und Wittenberge aus dem Verkehr gezogen.

27.09.2018

Der Fastfood-Riese soll mit digitalen und modernen Konzepten und Neuerungen zu einem „Restaurant der Zukunft“ werden. In dieser Woche finden Umbauarbeiten statt. Neueröffnung ist am Freitag

29.09.2018