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Prignitz Prignitzer Mädchen entwickeln Kaffee-Creme
Lokales Prignitz Prignitzer Mädchen entwickeln Kaffee-Creme
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00:30 24.03.2018
Jennifer Roder (l.) und Madita Kudla (r.) ziehen das wertvolle Öl aus dem Kaffeesatz. Quelle: Marcus J. Pfeiffer
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Wittenberge

Es riecht ein bisschen nach faulen Eiern. Ein beißender Geruch liegt in der Luft. Madita Kudla und Jennifer Roder scheint das nicht zu stören. Sie sind hoch konzentriert bei ihrer Arbeit.

Madita gibt Kaffeesatz in einen großen Apparat, der aussieht wie aus dem Chemiekabinett. Ein eisernes Gestänge voller gläserner Röhren und Reagenzgläser. In diesem Ungetüm zieht ein Lösungsmittel das Öl aus dem Kaffeesatz. Das braucht seine Zeit. Bis zu zwei Tage dauert es.

Eine große Apparatur mit vielen Reagenzgläsern zählten zu den Arbeitsmitteln. Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Danach müssen Madita und Jennifer das Lösungsmittel vom Öl trennen. Auf das Öl haben sie es abgesehen – aus dem soll feinste Hautcreme entstehen.

Das Verfahren dafür haben die 17-jährige Madita aus Perleberg und ihre 18-jährige Freundin Jennifer aus Wittenberge, beide Gymnasiasten, in einem Jahr mühseliger Arbeit entwickelt.

Hautcreme aus Kaffeesatz – mit diesem Projekt treten sie beim Wettbewerb „Jugend forscht“ an. Mit Erfolg: Am 10. und 11. April sind sie beim Landesfinale in Schwarzheide (Oberspreewald-Lausitz) dabei.

Madita und Jennifer sind von Claus Otto entdeckt worden. Otto ist Gründer des Chemiebetriebs „Dr. Otto“ in Wittenberge. Darüber hinaus war er einer der Aktivposten des Instituts für Thermoanalytik in Wittenberge, das vor drei Jahren interessierte Gymnasiasten für Projektarbeit suchte. In drei Arbeitsgruppen suchten die Schüler mit Hilfe der Profis Möglichkeiten, Soffe aus Pflanzen zu gewinnen.

Ein aufwendiger Prozess: Bis zu zwei Tage dauert es, bis das Lösungsmittel das Öl aus dem Kaffeesatz herauslöst. Quelle: Marcus J. Pfeiffer

„Wir haben mit den Schülern in Theorie und Praxis gearbeitet“, so Otto. Auf diese Weise hätten Madita und Jennifer neben der Schule eine richtige Grundausbildung in Chemie bekommen. „Das können sie auch beruflich nutzen“, sagt Otto. Madita will Humanbiologie, Jennifer Medizin studieren.

Drei Jahre harte Arbeit liegen hinter ihnen. Zwei bis drei Nachmittage in der Woche waren die beiden Mädchen in der Chemiefabrik. Sie rieben Muskatnüsse, pressten Orangenschalen, holten mit Lösungsmittel Inhaltsstoffe heraus, experimentierten und forschten.

Es wird getüftelt und probiert bis die bestmöglichen Ergebnisse herauskommen. Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Dann kamen sie auf den Kaffeesatz. Sie selbst trinken selten Kaffee, aber in ihren Familien gibt es viele Kaffeetrinker – und damit auch jede Menge Kaffeesatz. Da hatte Madita eine Idee. „In allen Pflanzen stecken wertvolle Stoffe, auch in Resten. Die kann man doch nutzen, anstatt sie wegzuschmeißen.“

Das Öl des Kaffeesatzes ist für sie etwas ganz Besonderes. „Es fördert die Durchblutung und erfrischt“, sagt Madita Kudla. Also überlegten Madita und Jennifer, wie sie daraus Cremes für die Nacht, Cremes gegen Augenfalten oder ein Peeling für den Körper machen können. „So etwas gibt es zwar schon, aber nur aus dem reinen Kaffeepulver, nicht aus Kaffeesatz.“

Drei Produkte entwarfen die jungen Chemikerinnen: Eine Nachcreme, eine Creme gegen Augenfalten und ein Peeling für den Körper. Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Madita und Jennifer haben viel ausprobiert. Kamille oder Mandelöl ergab auch eine Creme, aber ohne Kaffeegeruch. Mit Zimt roch es gut, sah aber nicht so schön aus. Die Kaffee-Creme finden die beiden perfekt. sie hat eine schöne hellbraune Farbe und duftet nach Kaffee.

Der Chemiebetrieb Dr. Otto plant die Produktion der Cremes und Peelings, die die Mädchen entwickelt haben. „Darum geht es ja bei dem Projekt, neue Ideen für unseren Betrieb zu finden“, sagt Claus Otto. Er hat den Kontakt zu einem Physiotherapeuten nach Baden-Württemberg hergestellt, der die Produkte in seiner Praxis verwenden will, verrieten die Mädchen. Die Produkte sollen auch in den Läden in und um Wittenberge bald zu kaufen sein. Dazu führt das Unternehmen derzeit erste Gespräche.

Auf geht’s zum Landesfinale

Jetzt steht aber erstmal das Landesfinale von „Jugend forscht“ an. „Beim Regionalfinale in Brandenburg an der Havel waren wir eines der ganz wenigen Teams, die ein außerschulisches Projekt vorgestellt haben“, erzählt Madita Kudla. Das Landesfinale zu gewinnen, wäre für die beiden das Größte.

Wenn es nicht klappt, ist das aber auch kein Weltuntergang. „Allein hier teilnehmen zu dürfen, ist für uns etwas ganz Besonderes“, sagt Madita. „Und die drei Jahre im Chemielabor von Dr. Otto waren für uns eine einzigartige Erfahrung.“

Erfolgreich bei „Jugend forscht“

Drei Teams aus der Prignitz treten beim Landesfinale von „Jugend forscht“ in der Chemie an. Er findet am 10. und 11. April in Schwarzheide (Oberspreewald-Lausitz) statt.

Neben dem Team von Madita Kudla und Jennifer Roder gab es zwei weitere Mannschaften aus Wittenberge. Hannes Reinhardt und Mattis Ehlert beschäftigten sich mit Äpfeln und Jan Herrmann Röber und Johannes Stahnke mit fetten Ölen.

Jährlich gibt es bei „Jugend forscht“ bundesweit über 10 000 Teilnehmer mit etwa 5 000 Projekten. Die 200 besten Ideen kommen in den Bundesausscheid. Dort ehrt die Jury insgesamt zehn Projekte mit einem Preisgeld von bis zu 3000 Euro.

Teilnehmen können alle Jugendlichen zwischen 15 und 21 Jahren. Zu den Themengebieten zählen Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Geo- und Raumwissenschaften, Mathematik und Informatik, Physik sowie Technik. Themenvorgaben gibt es nicht.

Von Marcus J. Pfeiffer

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