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Wittenberges Lücke im Einzelhandel

Bürgermeister Hermann im Interview Wittenberges Lücke im Einzelhandel

Der Wittenberger Bürgermeister Oliver Hermann zieht Bilanz und blickt voraus ins neue Jahr. In den vergangenen zwölf Monate gab es Licht und Schatten. Privat hatte das Stadtoberhaupt einiges zu feiern. Ansonsten soll im nächsten Jahr aber vor allem die Lücke in der Lebensmittelversorgung geschlossen werden.

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Blickt auf ein turbulentes Jahr zurück: Der Wittenberger Bürgermeister Oliver Hermann.

Quelle: Andreas König

Wittenberge. Auf ein ereignisreiches Jahr blickt die Stadt Wittenberge zurück. Was gut lief und was weniger, darüber spricht Bürgermeister Oliver Hermann im MAZ-Interview.

MAZ: Wenn Sie auf das zu Ende gehende Jahr 2015 zurückblicken, was halten Sie für die prägenden Ereignisse?

Oliver Hermann: 2015 war ein sehr turbulentes Jahr. Das gilt sowohl für die Stadtpolitik als auch für mich ganz privat.

Können Sie das näher erläutern?

Hermann: Nun in der Stadtentwicklung gab es viele Fortschritte, auf die wir sicher noch zu sprechen kommen. Privat, um das kurz zu erklären, habe ich meine Hochzeit gefeiert und hatte meinen 50. Geburtstag.

Glückwunsch noch einmal zu diesen freudigen Ereignissen. Was halten Sie in der Stadtpolitik für die wesentlichen Ereignisse?

Hermann: Da gibt es viele. Wenn man so zurückblickt, fällt es schwer zu glauben, dass manche Dinge wirklich erst in diesem Jahr wirksam geworden sind. Nehmen wir die Elbuferpromenade. Die haben wir tatsächlich erst im Mai offiziell übergeben. Übrigens verbunden mit einer sehr schönen Veranstaltung, dem weißen Dinner an der Elbe. Da waren viele Wittenberger zur Promenade gekommen, hatten Tische und Stühle sowie Essen mitgebracht. Das sollte unbedingt zur Tradition werden.

Welche Veranstaltungen dieses Jahres bleiben noch im Gedächtnis?

Hermann: Herausragend in diesem Jahr war sicher das Musik- und Kunstschulfestival Sound City. Mit über 20 000 Besuchern und einer schier unüberschaubaren Fülle an Veranstaltungen wurde den Wittenbergern und ihren Gästen jede Menge geboten.

Das Lob der Veranstalter und der Gäste ermutigte die Stadt, den nächsten Schritt zu wagen und sich um die Ausrichtung des Brandenburg-Tages 2018 zu bewerben. Wie steht es damit?

Hermann: Ich denke, dass wir ganz gute Chancen haben. Genau weiß man es natürlich nie, und mit Bernau und Potsdam haben wir starke Mitbewerber. Wittenberge hat gezeigt, dass es ein guter Gastgeber für Veranstaltungen aller Art sein kann.

Auch in der Wirtschaftspolitik haben sich in diesem Jahr für Wittenberge wichtige Entwicklungen vollzogen. Wie bewerten Sie die Ergebnisse?

Hermann: Das Schwergewicht in diesem Jahr war zweifellos die Ansiedlung des Feuerlöschtechnikherstellers Minimax-Viking mit seiner Tochterfirma MV Pipe Technologies. Darüber sind wir sehr froh. Etwas kleinere, mittelständische Investoren sind uns natürlich genauso lieb. Ich denke da an die Ansiedlung der Fördertechnikfirma Lau. Das ist ein Beispiel dafür, wie sich auch in der Prignitz nach und nach ein gesunder Mittelstand etabliert. Schließlich haben wir auch den Verkauf der Firma Cremer Oleo an den malaysischen Investor mit Erleichterung aufgenommen. Es sieht so aus, als ob die bei vielen immer noch als Prignitzer Chemie bekannte Firma damit noch bessere Marktchancen erhalten hat.

Das klingt alles durchaus sehr positiv. Aber es war doch wohl im zurückliegenden Jahr nicht alles eitel Sonnenschein?

Hermann: Natürlich nicht. Dass für das Kaufhaus Nessler, später Henwi keine Nachfolgelösung gefunden wurde, ist ärgerlich. Noch schlimmer ist jedoch die Schließung des Edeka-Marktes in der Bahnstraße. Da ist es trotz aller Vermittlungsversuche seitens der Stadt nicht gelungen, eine Nachfolgelösung zu finden. Die Stadt wird aber alles daran setzen, diese Lücke zu schließen. Denn mit einem Lebensmittelversorger steht und fällt die ganze Prignitz-Galerie, die wiederum sehr wichtig für die Bahnstraße und die Innenstadt ist.

Dennoch prüft die Stadt Alternativen auch abseits der Prignitz-Galerie. Ist das nicht kontraproduktiv?

Hermann: Nein, überhaupt nicht. Wir haben immer gesagt, dass die Prignitz-Galerie der Vorzugsstandort ist. Aber wenn sich dort gar nichts bewegt, sind wir geradezu verpflichtet, andere Lösungen zu finden. Im Übrigen können wir nur in sehr begrenztem Umfang Einfluss auf die Ansiedlungspolitik nehmen. Wir schaffen lediglich die Rahmenbedingungen. Da muss sich auch in Sachen Parkflächen etwas tun. Aber da sind wir dran.

Auch die Schifffahrt lief in diesem Jahr alles andere als gut. Wie sehen Sie die Entwicklung des Elbeport?

Hermann: Wir hatten extreme Bedingungen. Erst das Hochwasser 2013, dann zwei Jahre lang Niedrigwasser, in diesem Jahr sogar mit fast schon historischen Tiefstständen, die vor allem über einen sehr langen Zeitraum andauerten. Wenn man das berücksichtigt, muss man sagen, dass sich Elbeport ganz gut geschlagen hat. Wir setzen aber auch auf das Mischfutterwerk der Firma Bröring, die ja zum Glück ihre Baugenehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz erhalten haben. Das war doch eine gute Nachricht am Ende des Jahres.

Welche Schwerpunkte sehen Sie für kommendes Jahr auf die Stadt zukommen?

Hermann: Wie bereits erwähnt, die Innenstadtentwicklung ist Chefsache, und ich hoffe und erwarte, dass es mit der weiteren Planung für die A 14 endlich vorangeht.

Im April steht ja die Bürgermeisterwahl an. Bis jetzt gibt es keinen Gegenkandidaten. Ist Ihnen das lieb oder wünschen Sie sich Konkurrenz?

Hermann: Wie man’s nimmt. Sicher wünscht man sich nicht unbedingt einen Gegenkandidaten, aber mit Konkurrenz wäre solch ein Wahlkampf profilierter.

Schon vor acht Jahren wurde immer wieder gesagt, Sie hätten Ambitionen, in die Landespolitik zu gehen. Was ist da dran?

Hermann: Ja ja, geredet wurde und wird viel. Tatsache ist, ich möchte die Geschicke der Stadt eine weitere Amtszeit lang führen. Was danach kommt, muss man sehen.

Von Andreas König

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